Zwangsprostitution

Wenn Freier sich und/oder anderen Menschen einreden möchten, dass sie die „respektvollen“ und „guten“ Freier sind

Ich habe heute den Kommentar eines Freiers gefunden und möchte euch einen Auszug davon zeigen:

Ich weiß, dass u.a. viele Freier hier auf meiner Seite lesen, denn ich sehe immer wieder Verlinkungen aus Freierforen auf meine Seite, zum Beispiel diese hier: https://huren-test-forum.lusthaus.cc/showthread.php?t=290565

Was haben wir oben im Text also für ein „Freierexemplar“?

Einen jener Freier, die über andere Freier schimpfen und sich selbst als die Tollen darstellen, weil sie sich – zum Beispiel wie der Freier oben – zuvor geduscht haben und den ausgemachten „Service“ einhalten.

Dann ist dieser Freier oben im Text ja wirklich noch so vermeintlich überzeugt von sich und denkt, er könne einer Frau, die er dafür bezahlt, dass sie sich von ihm penetrieren lassen muss, „ein Lächeln ins Gesicht zaubern“.

Nun, gelächelt habe ich damals auch oft. Allerdings, weil ich es musste und nicht, weil das Lächeln echt war. Zu lächeln und so zu tun, als ob es einem gut geht, ist Teil des „Geschäfts“. Viele Frauen versuchen es zumindest, müssen es versuchen. Man versucht zu lächeln und freundlich zu sein, während man innerlich gerade stirbt. Manche Frauen, die „neu“ in das Milieu kamen, tranken wenig bis gar keinen Alkohol zuvor (wie ich anfangs) und man konnte die Tage zählen, bis sie massenhaft Alkohol tranken, denn ohne Alkohol und/oder Drogen ist es – jedenfalls auf Dauer – nicht möglich, freundlich zu sein und zu lächeln, während man fühlt, sexuell missbraucht zu werden. Und das bis zu 10 – 20 Mal am Tag. Von anderen kenne ich noch höhere Zahlen.

In der Prostitution wird nicht nur von einem erwartet, dass man es aushält und über sich ergehen lässt, sondern es wird darüber hinaus erwartet, dass man Freiern „ein Lächeln“ schenkt, was diese dann so interpretieren können wie der Freier oben im Textausschnitt, nämlich dass sie den Frauen „ein Lächeln ins Gesicht zaubern“.

Dass dieses Lächeln nicht echt ist, wissen die allermeisten Freier, denn es gibt immer Momente, in denen der Gesichtszug aufgrund von unerträglichen Schmerzen und des Nachlassens der Wirkung des Alkohols entgleitet. Das habe ich auch im Hinblick auf andere Frauen beobachten können, wenn ein Freier zwei Frauen haben wollte und ich mit einer anderen Frau und diesem Freier auf Zimmer war. In manchen Momenten, wenn ich gerade nicht „an der Reihe war“, konnte ich die Freier und das, was da gerade zwischen dem Freier und der Frau geschah sowie Augen, Mimik und Gesichtsausdrücke besonders gut beobachten, was mir das Herz zerbrochen hat, denn MAN SIEHT DIE GEWALT, auch dann, wenn die Frau versucht, es nicht als solche aussehen zu lassen. Viele Freier erregt es auch, wenn sie merken, dass man Schmerzen hat und sie sehen, dass man damit kämpft, sich das Weinen zu verkneifen, oder es ist ihnen schlicht einfach egal, ob man lacht oder weint, man wird als lebende Puppe behandelt, die die ausgemachte Zeit herzuhalten hat. Dass es einem schlecht geht, wird von Freiern entweder toll gefunden, als Teil der Machtausübung und Erniedrigung, oder es wird ignoriert. Sie sehen es, aber sie wollen ihren Spaß, sie wollen das, wofür sie bezahlt haben. Momente, in denen der Schmerz mehr als sichtbar wird, blenden sie aus, erwähnen ihn nicht und erzählen dann lieber – ähnlich zum Freier oben – nur von dem „Lächeln“ der Frau, dessen Aufgesetztheit im Übrigen jeder halbwegs normale Mensch mit auch nur ein bisschen Empathie spüren kann.

Der Freier oben sagt, dass er sich duscht und den „Service“ einhält.

Dadurch entsteht aber dennoch kein sexueller Konsens auf Seiten der prostituierten Frau, wirklich mit diesem Menschen intim werden zu wollen. Da kann er sich 20 Mal duschen und schrubben und sich das teuerste Parfum draufsprühen und die Frau in ein 5 Sterne Hotel mit Rosen auf dem Bett empfangen: Eine gefühlte Vergewaltigung, ein gefühlter Missbrauch, ändert sich nicht dadurch, dass jemand nicht stinkt, den „Service“ einhält und dich im Luxushotel empfängt. Ein abwegiger Gedanke, eine ungewollte Nähe und Penetration würde dadurch „nett“, „respektvoll“ oder was auch immer, weil die äußeren Umstände „gut“ sind. Missbrauch ändert sich nicht dadurch, dass man die äußeren Umstände um ihn herum „schön“ gestaltet und versucht, ihn damit „respektvoll“ auszuüben, was im Übrigen auch gar nicht geht. Schmerz ist Schmerz, seelisches Leid ist seelisches Leid, egal ob in einem Keller auf einer schäbigen Matratze oder im Himmelbett mit Champagner und Erdbeeren neben dran, egal ob ein Mensch geduscht oder ungeduscht ist.

Schlimmer geht natürlich immer. Zum Beispiel wenn Freier Drogen genommen haben und handgreiflich werden. Steigerungen von Missbrauch und Gewalt gibt es immer. Dass es immer schlimmer geht, bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass duschen und vermeintliches gut riechen sowie „Service“ einhalten dazu führt, dass es nicht schlimm ist. Viele meiner Freier hatten Parfum dran, wo andere sagen würden: Das riecht doch gut. Nach meinem Ausstieg bekam ich Flashbacks, wenn ich die Parfums meiner damaligen Freier irgendwo an anderen Männern oder in Geschäften gerochen habe. Da es sehr viele Freier und daher sehr viele Parfums waren, war das keine Seltenheit.

Missbräuchliches Verhalten ist und bleibt missbräuchliches Verhalten und man kann es nicht dadurch ausschalten, dass man gut riecht oder sich duscht. Im Gegenteil: Der Geruch wird Teil des Missbrauchs und dann oft zum Triggerpunkt als Traumafolge.

Dass viele meiner Freier sich geduscht und den „Service“ eingehalten haben, hat übrigens an der Tatsache, dass ich von Menschenhandel und Zuhälterei betroffen war und lange Zeit nahezu alles abgeben musste, nichts geändert. Meine Zwangsprostitution ist durch die Dusche und das Parfum eines Freiers nicht schöner geworden.

Gehobener Escort muss auch nicht immer Selbstbestimmtheit heißen, denn Zuhältern ist es natürlich auch lieber, wenn sie pro Stunde mehr kassieren können als in irgend einem Bordell. Als ich im Flat-Rate-Bordell war, musste ich erstmal 15-20 Freier machen, bis mein Zuhälter am Ende des Tages zwischen 150-200 Euro in der Hand hatte, je nachdem wieviel eine Frau pro Freier bekam (was davon abhing wie oft ein Freier mit seiner an den Betreiber gezahlten Pauschale auf Zimmer ging). Durch den Escort und die Haus- und Hotelbesuche bekam ich das oder mehr in 1 Stunde.

Nicht vom Schein trügen lassen:

Nur weil etwas nach außen hin wie Selbstbestimmtheit aussieht, muss noch lange keine dahinter stecken. Nur weil eine prostituierte Frau lächelt, weil sie es – aus unterschiedlichen Gründen – muss, ist dieses Lächeln nicht echt. Nur weil eine prostituierte Frau sagt, dass es ihr gut geht und alles ok ist, weil sie es – aus unterschiedlichen Gründen – muss, heißt das noch lange nicht, dass es auch so ist.

Ich hatte viele Freier, die so geredet haben wie der Freier oben im Textausschnitt – und sie haben mich ganz besonders angewidert, weil sie den von ihnen begangenen Missbrauch verleugnet haben. Die Leugnung von Missbrauch und das Verdrehen von Dingen (z.B. als wäre der Missbrauch etwas „Nettes“), kann auf der emotionalen Ebene noch schwieriger zu ertragen sein.

Die „freiwillige“ Prostitution als Folge von sexueller Gewalt & Zwangsprostitution

Foto: Max Kovalenko

Ich kenne viele Geschichten von Frauen, die nach dem an ihnen verübten Menschenhandel und der Zwangsprostitution „freiwillig“ in der Prostitution blieben oder später in die „freiwillige“ Prostitution gegangen sind. Auch meine Geschichte ist durch eine Phase solch einer Freiwilligkeit geprägt.

Oft fragen sich die Menschen, warum man denn noch freiwillig da bleibt oder wieder zurück geht, wenn alles so schlimm war und man endlich gehen könnte, wenn man da nie wieder sein müsste.

Der Hauptgrund ist: Die Frauen bleiben oder gehen oft zurück, weil sie keine Perspektive sehen, keinen Ausweg sehen, keinen Lebensmut mehr haben und dieses Leben während der Ausbeutung zwischen Missbrauch und Gewalt in der Prostitution derart prägend und traumatisierend war, dass sie fühlen, durch die ganzen Freier ihre Würde verloren zu haben, am Rande der Gesellschaft zu stehen, nirgends mehr hinzugehören. Nirgends, außer in die Prostitution. Oft ist die spätere freiwillige Prostitution auch Teil des Versuchs, die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzugewinnen. Wo vorher die Täter Geld mit dem Körper der Frauen verdient haben, wird von diesen später versucht, das nun selbst zu tun. In dem Glauben, so bekämen sie ihre Selbstbestimmung zurück. In der Hoffnung, die Ausbeutung wäre dann nicht mehr ganz so schlimm, weil man nun auch etwas „davon hat“. Dann kommt auch häufig irgendwann der nächste Zuhälter oder wieder der alte Zuhälter und die Ausbeutung geht weiter. Nicht selten folgt daraufhin ein Teufelskreis, der die Frauen über Jahre oder auch Jahrzehnte weiter in diesem System festhält – ohne dass sie jemals dorthin wollten.

Umgedreht ist es mit Missbrauchsopfern in der Kindheit, die später „freiwillig“ in die Prostitution einsteigen. Hier gibt es vielleicht nicht immer einen Täter beim Einstieg in die Prostitution. Der Täter, der der Frau ihre Würde geraubt hat, war aber schon in der Kindheit da.

In all diesen Varianten der „freiwilligen“ Prostitution gab es zuvor Täter, die schwere Straftaten an den Frauen begangen haben, und zwar solche, die einen Menschen in seiner Persönlichkeit brechen können. Diese Frauen sind in Bezug auf eine Reviktimisierung hoch gefährdet. Ein gebrochener Mensch wehrt sich oft nicht mehr. Er nimmt hin. Er erträgt. Er funktioniert. Er hat sich mit der Gewalt abgefunden. (Sexuelle) Gewalt auszuhalten ist für diesen Menschen normal geworden.

Wir haben also fortan die freiwillige Prostituierte.

Und Teile unserer Gesellschaft jubeln den Spruch der Profiteure:

„Sexarbeit ist Arbeit“

…ohne zu wissen, was bei den Allermeisten hinter dieser „Arbeit“ steckt und wie viel (sexuelle) Gewalt ein Mensch ertragen musste, damit er das irgendwann „freiwillig“ tut.

Die vielfältigen Traumatisierungen von Betroffenen von Gewalt in diesem Bereich sind mit der einfach menschlichen Logik „wenn es Gewalt ist, geh‘ doch nicht mehr hin“ nicht zu erfassen. Wer sehr viele Frauen im System Prostitution verstehen möchte, der muss verstehen lernen, wie sich Gewalt – vor allem sexuelle Gewalt (durch Freier, Zuhälter, etc.), geprägt von den mitunter schlimmsten menschlichen Erniedrigungen und Demütigungen, die das Intimste eines Menschen betreffen – auswirken kann. Wer diese Frauen verstehen möchte, muss verstehen lernen, wie sich komplexe Traumatisierungen auswirken und zu Tage treten können – ohne die Betroffenen zu pathologisieren. Nur wer versteht, der kann auch helfen.

Menschenhandel und seine Spätfolgen – und wie jeder von euch helfen kann

Bild: In der Laserklinik nach der 1. Sitzung

Ich war das ganze Wochenende über sehr traurig. Der Grund, warum ich das mit euch teile, ist themenbezogen. Es geht darum, dass der Menschenhandel für die Betroffenen nicht aufhört, nur weil die Tat beendet ist. Das kann sich verschieden äußern. Körperliche Folgen, Traumafolgen, die Liste ist lang.

Heute wurde begonnen das Tattoo, das mein Zuhälter mir damals stechen ließ, um mich als sein Eigentum zu markieren, wegzulasern. Falls ihr neu hier seid und nicht wisst, um was es geht, hier findet ihr es: Tattoos als Eigentumsstempel. Es werden bei mir wohl mindestens 10 Sitzungen werden.

Gestern überlegte ich noch, ob ich alle Lasertermine absagen soll. Heute früh auch noch, denn am Wochenende brachte ich in Erfahrung, dass beim Weglasern von größeren Tattoos krebserregende Stoffe und andere toxische Spaltprodukte im Körper freigesetzt werden können, da die Farbteile des Tattoos mit dem Laser in unzählige kleine Teile zersprengt werden, von denen wohl viele im Körper verbleiben und sich im Lymphsystem und möglicherweise auch woanders im Körper ansiedeln. Alles noch zu wenig erforscht, um sicher sagen zu können, was das wirklich im Körper macht. Warnungen gibt es aber zahlreich.

Das Weglasern ist schmerzhafter als das Tätowieren selbst, es fühlt sich an, als würde man eine Nadel nehmen und diese im Millisekundentakt über deinen Rücken jagen. Zum Glück dauert eine Sitzung nicht so lange. Normalerweise schmiert man sich vorher eine Betäubungssalbe drüber, ich habe das nicht, weil ich es erstmal so ausprobieren wollte. Die Prozedur ist mit 10 Sitzungen oder noch mehr langwierig. Nach jedem Lasertermin braucht es 4 – 8 Wochen, damit die Haut zur Ruhe kommt, bevor man weiter lasern kann, daher wird die Zeit, bis das Tattoo weg ist, auf 1-3 Jahre angesetzt. Dazu bestehen Risiken. Und dann ist es noch nicht mal ganz sicher, dass das Tattoo auch wirklich ganz weggehen wird. Der Arzt meinte, dass es oft so ist, dass man nach der 3 oder 4 Sitzung die ersten richtig sichtbaren Ergebnisse sieht.

Die letzten 3 Tage habe ich mich damit beschäftigt, ob ich das alles wirklich möchte oder nicht doch lieber absagen soll. Der Grund, warum ich so arg zweifelte da heute hinzugehen und warum ich so traurig war ist, weil ich nicht mehr möchte, dass mein Körper aufgrund meiner Vergangenheit noch einmal leidet. Er hat so viel Schaden erlitten damals, es ist genug. Mein Körper hat mich durch all den Horror mit den Freiern getragen, unzählige und höllische Schmerzen durch die ganzen Penetrationen ausgehalten, hat mich durch den hohen Alkoholkonsum, in den schlimmsten Zeiten durch 2-3 Schachteln Zigaretten am Tag, durch meine Selbstverletzungen, durch katastrophale Ernährung und Magersucht getragen und sich bis heute wacker geschlagen. Viele Frauen, die in der Prostitution waren, hassen ihren Körper danach. Ich tue das nicht. Ich liebe meinen Körper, denn ich bin meinem Körper so extrem dankbar. Dankbar dafür, dass er noch atmet, läuft, fühlt. Dankbar, dass er nicht schlapp gemacht hat, obwohl er jahrelang mit Füßen getreten und missbraucht wurde. Wer hält sowas aus, ohne kaputt zu gehen? Mein Körper hat es ausgehalten, er ist mir heilig. Und jetzt, nachdem er das alles ausgehalten und mich da durchgetragen hat, soll ich ihm nun 1 bis 3 Jahre in monatlichen Abständen die nächsten Schmerzen und ungewissen Nebenwirkungen zufügen – wieder wegen dieser Vergangenheit? Jetzt, wo er endlich zur Ruhe gekommen ist?

Ich war traurig, weil ich diese Tattoo-Entfernung für mich persönlich durchführen muss, was bedeutet, meinen Körper erneut zu verletzen. Ich möchte mit diesem Tattoo nicht auf Dauer leben, ich möchte diese Markierung nicht mehr sehen. Ich bin niemandes Eigentum. Auch wenn ich dem Tattoo eine andere Bedeutung geben kann und das die letzten Jahre auch getan habe, so hat es trotzdem die ursprüngliche Bedeutung, die es hat. Im Sommer war ich beispielsweise Freitauchen und habe auf 5 Meter Tiefe am Boden ein paar Übungen gemacht (wie Flossen aus- und wieder anziehen), die meine Freundin mit der GoPro Kamera aufgenommen hat. Als ich die Videos sah, sah ich wieder dieses Tattoo, wieder die Vergangenheit in meiner Gegenwart, wieder die Erinnerung, dass dieser Mann mich als seinen Besitz markierte und mir sagte, das Tattoo wird dies immer zeigen, egal wo, egal wann, egal was passiere. Auf ewig seins. Das Symbol auf meinem Rücken ist ein Zeichen von Herrschaft über einen Menschen, von Machtausübung, von Fremdbestimmtheit, von Unfreiheit – um mich innerhalb des Gewaltsystems Prostitution sexuell auszubeuten. Ich möchte es nicht mehr sehen. Die Vergangenheit kann ich nicht weglasern, aber das sichtbare Zeichen meiner Unfreiheit schon.

Es tut mir leid, meinen Körper mit dem Lasereinsatz nun wieder verletzen zu müssen. Wieder wegen diesem Zuhälter. 10 Jahre später. Aber das Tattoo muss weg. Ich vertraue meinem Körper – er wird das schaffen. Und meine Seele, die sich so derart über diese Tattoo-Entfernung freut und hochglücklich darüber ist, wird ihm die nötige Kraft und Energie geben. Jede einzelne Betroffene, die solch eine Markierung von ihrem Zuhälter hat, muss für sich selbst entscheiden, wie sie damit umgeht. Dass ich es weglasern lasse, heißt auch nicht, dass ich das jedem rate, es auch zu tun. Es kommt auf eine individuelle Abwägungsentscheidung an. Wenn man sich dafür entscheidet, dann sollte man sich spezialisierte Ärzte und Ärztinnen suchen. Ich lasse die Tattoo-Entfernung in einer Laserspezialklinik von einem Arzt vornehmen. Ihr könnt euch gerne bei mir melden, wenn ihr nähere Infos haben möchtet und auch überlegt, das Tattoo eures Zuhälters weglasern zu lassen.

Das Leben, das ich heute führe, fühlt sich oft an, als stünde ich auf einem Schlachtfeld. Schlachtfeld auf der Haut, Schlachtfeld im realen Leben. Es ist ein Kampf gegen ein Milliardengeschäft, gegen dessen Manipulationen und Verharmlosungen, das allermeist Mädchen und Frauen ausbeutet. Ich bin eine Zielscheibe vieler Profiteure, denn durch mein jahrelanges Leben in der Prostitution und im Milieu weiß ich, was sie tun und was wirklich abläuft – und das wissen sie und stören sich an dem, was ich sage und „aufdecke“ sowie an meiner Reichweite, die ich mittlerweile habe. Dass ich eine Zielscheibe bin, äußert sich verschieden, Beispiele sind zahlreich vorhanden und hören nicht auf, sich anzusammeln. Manchmal habe ich Angst um meine Sicherheit. Viele Menschen verstehen nicht, dass die Prostitution in weiten Teilen von einem kriminellen Milieu geprägt ist und meine Aufklärungsarbeit über und gegen dieses Milieu nicht unbedenklich im Sinne von Gefahren für mich ist.

2016 habe ich angefangen, diesen Blog zu schreiben. Nun haben wir 2022. 6 Jahre, die oft schwierig waren. Die Gesellschaft ist in großen Teilen blind in Bezug auf das Thema Prostitution und glaubt nicht selten lieber Mythen. Das Sehen und Verstehen und Umdenken in der Gesellschaft ist in den letzten Jahren allerdings schon viel besser geworden, nach und nach, aber es ist ein schwieriger Prozess. Wer möchte auch sehen, dass beispielsweise in der schönen Nürnberger Altstadt in einer öffentlichen Straße (Frauentormauer) Frauen täglich gedemütigt, erniedrigt, ausgebeutet und ihrer Menschenwürde beraubt werden? Es passt nicht zum Stadtbild, nicht zum gefeierten „Kulturviertel“ in Nürnberg, wenn jemand ausspricht, was da wirklich stattfindet und womit der Staat am Ende auch noch Geld verdient.

Ich fühle mich oft machtlos und allein, gegen solche Verharmlosungen anzugehen, aber ich bin weder machtlos noch alleine. Der Wind dreht sich. 2022 wird ein anstrengendes Jahr, aber auch ein Kämpferisches. Ein paar Sachen und Projekte bzgl. dieses Themas hier werden richtig toll – stay tuned :=)

Ich wünsche mir für dieses Jahr, dass sich noch mehr Menschen mit vielen anderen und mir auf dieses Schlachtfeld stellen und kämpfen. Für das Richtige. Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun, auch wenn es manchmal schwer und unbequem ist. Auszusprechen, was Prostitution in der Masse wirklich ist, wie gefährlich und gewaltbelastet dieses Milieu wirklich ist, ist nicht immer leicht und nicht selten mit Unannehmlichkeiten verbunden, mit Anfeindungen durch die Sexindustrie, die den Verlust ihres Profits fürchtet, und durch die Leute, die auf deren Lügen und Manipulationen hereinfallen.

Ich wünsche mir für dieses Jahr noch mehr Menschen, die dort Widerstand leisten, wo wir ihn benötigen. Die dort helfen zu verändern, wo sie es können. Sei das im privaten oder im beruflichen Alltag oder im ehrenamtlichen Engagement. Jede und jeder von uns kann etwas tun und aufklären. Ich wünsche mir Menschen, die aussprechen, dass Prostitution gefährlich, kriminalitäts- und gewaltbelastet ist, dass sie nur in einer sehr geringen Minderheit selbstbestimmt stattfindet, wobei die Zwänge vielfältig und auch subtil sein können.

Ich wünsche mir Menschen, die stark genug sind, diese Wahrheiten auszusprechen und auch zu verteidigen, anstatt zu sagen: hier ist alles ok.

Danke an dieser Stelle auch an Sabine Constabel und Sisters e.V., die mir die Last, wieder wegen meines Zuhälters leiden zu müssen und das 10 Jahre nach der Ausbeutung, wenigstens in finanzieller Hinsicht abnehmen und die Kosten der Tattoo-Entfernung übernehmen. Wenn ihr etwas Gutes tun möchtet, spendet gerne an Sisters e.V., bei denen ich auch Mitglied bin. Sie unterstützen viele betroffene Frauen und helfen mir auch, betroffene Frauen zu unterstützen, wenn diese sich an mich wenden. Es gibt wenige selbstlose Menschen, die einfach nur helfen, weil es ihnen vom Herzen her wichtig ist. Sabine ist so ein Mensch. Danke Sabine, dass du kontinuierlich und schon so lange für uns alle da bist und gemeinsam mit uns auf diesem Schlachtfeld stehst.

Es ist schön, um Menschen zu wissen, die mit und neben einem für diese gute Sache kämpfen.

Die äußerliche „Unsichtbarkeit“ der Kriminalität im Rotlichtmilieu – am Beispiel der Frauentormauer in Nürnberg

Bild von mir: Eingang zur Frauentormauer, Nürnberg, 09.12.2021

Heute ist Tag der Menschenrechte und Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Ich bin momentan sehr still hier auf Social Media. Nicht weil ich inaktiv bin, sondern weil ich soviel Arbeit habe, dass mir keine Zeit für Social Media bleibt. Auch für die Menschenrechte vieler in Afghanistan nach dem Einmarsch der Taliban habe ich die letzten 3 Monate viel gearbeitet, Details möchte ich zum Schutz der Arbeit und der Betroffenen aber nicht schreiben.

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren„, lautet der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In der Prostitution kann man davon nichts sehen.

Gestern war ich in Nürnberg für ein Projekt zum Thema. Unter anderem war ich an der Frauentormauer, einem sehr alten Rotlichtviertel. Wenn man als Außenstehender Menschen aus dem Milieu fragt, ob es in deren Milieu-Gegend Menschenhandel, Zuhälterei, Ausbeutung und Gewalt gibt, so antworten nahezu alle mit „nein“.

Das Milieu versteht es, nach außen hin ein sauberes, gewalt- und zwangsloses Bild zu zeichnen. Ein Bild, das keinerlei Menschenrechtsverletzungen erkennen lässt.

Glamour, blinkende Lichter, ansprechende Werbung, freundliche Gesichter, die ewige Propaganda der willigen Prostituierten, Freiwilligkeit überall, „bei uns gibt es keinen Menschenhandel und keine Zuhälterei“. Alles erfunden. Alles Märchen. Alles Mittelalter. Hier doch nicht. Alles von den bösen Medien erfunden.

Die Leute aus dem Milieu können sehr überzeugend sein, wenn es darum geht, dieses scheinbar saubere Image zu verbreiten. Man nehme als Beispiel nur den Bordellbetreiber Jürgen Rudloff, der jahrelang in Talkshows saß und das Bild der sauberen und ausschließlich freiwilligen Prostitution in seinem Bordell propagierte. Ist doch nur ein netter älterer Mann, der Prostituierten mit seinem Wellness-Tempel ein besseres Leben ermöglicht? Herr Rudloff konnte sehr gut reden und die Dinge schön aussehen lassen – und das können die meisten Leute im Milieu. Denn: es ist ihr Kapital. Menschenhandel und Zuhälterei? Gibt es hier nicht. Dann wurde Jürgen Rudloff Jahre später nach aufwendigen Ermittlungen und einem langen Prozess u.a. wegen Beihilfe zum Menschenhandel verurteilt, weil er mit Menschenhändlern kooperierte, damit er sein Bordell mit Frauen vollbekommt.

Auch die Frauentormauer wird oft nach außen hin als ein toller Platz zum Arbeiten mit selbstbestimmten Prostituierten verkauft.

Menschen wie ich, die das Milieu kennen, die kennen auch die Fassade, die das Milieu und alle seine dazugehörigen Akteure (und es sind viele) wegen der hohen Summen an Profit aufrechtzuerhalten versucht. Für Außenstehende ist es oft schwer zu sehen, was wirklich abläuft.

Anhand von Freierberichten können aber auch Außenstehende sehen, was jenseits der „Happy Sexwork“-Propaganda geschieht. Hier nur mal 3 Zitate aus Freierforen über Freier-Besuche an der Frauentormauer:

Schlimm sind diese ganzen Zuhältertypen, die sich gegenüber von den Schaufenstern postieren und gaffen. Der ein oder andere Typ steht noch an der selben Stelle, nachdem ich ein Mädel gefickt habe und mich wieder vom Acker mache.https://huren-test-forum.lusthaus.cc/showthread.php?t=201689&page=12

Die SDL [Sexdienstleisterin] gestern Abend erwähnte die Problematik, dass bei vielen in der FTM [Frauentormauer] im Hintergrund ein Kerl profitiert. Nur halt nicht so offensichtlich.https://huren-test-forum.lusthaus.cc/showthread.php?t=201689&page=11

Sie zieht ihren Slip aus und ist überall blutverschmiert, sie hat wohl heftig ihre Tage. Außerdem kommen jetzt etliche üble blaue Flecken an Po und vor allem den Schenkelinnenseiten zum Vorschein. Bäh! Da hat sie irgendeiner ziemlich übel misshandelt… Als ich zum Eindringen ihre Beine etwas spreizen und leicht nach hinten drücken will, ich bin sicher nicht grob dabei, protestiert sie und drückt mich weg. Ich sehe trotzdem kurz das Ausmaß der Sauerei, die sie verbergen wollte. Mir vergeht es fast, aber ich bin noch ziemlich geil vom Anwichsen. Bitte um Säuberung, denn so geht das ja wirklich gar nicht. Die Fortsetzung bzw. den Beginn des Aktes will ich dann auch in der Doggy, um es schnell mit wenig Körperkontakt abzuschliessen. Doch sie nimmt dabei eine Körperhaltung ein, in der man(n) praktisch nicht in sie eindringen kann. Meine Versuche ihr klar zu machen, dass das so nicht geht, werden mit: „Gel?“ beantwortet. Meinetwegen… Das wird jetzt auf meinem Gummi aufgetragen, aber nicht an ihrer Muschi. Wieder versuche ich vergeblich vorsichtig in sie einzudringen, doch sie zieht immer weg, bevor ich sie überhaupt berühre... Verlange ziemlich aufgebracht 20 Euro zurück, denn Blasen hat sie noch erfüllt (= 30 Euro), Ficken erfolgreich verhindert. Sie dann ziemlich eingeschüchtert, weil ich wirklich richtig sauer wurde… Dem Bodybuilder Security Typ am Eingangskabuff interessiert das Ganze gar nicht, lässt den völlig kalt. Ich hätte den auch nicht angesprochen (wozu auch?), das hat die blöde Kuh gemacht, die sich die Bezahlungskürzung außerhalb des Zimmers nicht mehr gefallen lassen wollte – finde, ich war dabei echt noch fair für das was sie da abgeliefert hat und ohne dass ich ein Finish hatte. Parteiisch war der Typ auch nicht, was mich eher verwunderte. Glaube, dass sie dann erst recht verärgert war, dass ich mit ihm wirklich null Problem hatte. Er meinte nach meiner Schilderung, was überhaupt los ist, nur: „Blutverschmiert? Ist ja ne Sauerei. Aber die ist vom Fenster, keine Stammbelegschaft, da kann ich nichts machen. Macht das untereinander aus, aber bitte nicht hier im Eingangsbereich…„. https://huren-test-forum.lusthaus.cc/showthread.php?t=172842

Ich könnte fortfahren, aber diese 3 Zitate genügen, um zu verdeutlichen, was ich meine:

Das Milieu schafft einen schönen Schein nach außen hin, um seinen Milliarden-Profit zu wahren (auch die sich prostituierenden Frauen, die in diesem System feststecken, müssen beim Erhalt des schönen Scheins mitmachen – wohl keine Frau würde jemandem erzählen, was da wirklich abläuft, solange sie noch im Milieu ist), aber die Realität ist eine ganz andere. Die Realität ist, dass Ausbeutung, Zuhälterei, Menschenhandel und Gewalt auf der Tagesordnung stehen – und damit schwere Menschenrechtsverletzungen an den Frauen. Es ist eine Parallelwelt, in der alle Beteiligten, die von der Prostitution der Frauen profitieren, Rechte haben, nur die Frauen selbst haben keine Rechte. Daran ändern auch das ProstG sowie das ProstSchG nichts, denn das Milieu hat eigene Gesetze.

Das linke Schild ist das „Eingangsschild“ bei der Frauentormauer. Das rechte Schild ist meine Kreation. Das ist noch viel Arbeit, bis dorthin, aber wir werden es schaffen.

Studium geschafft: ich bin jetzt Diplomjuristin (Univ.)

Ab heute ist es offiziell – und ich muss es in die Welt rausschrei(b)en, weil ich mich so freue.

Ich habe das 1. Juristische Staatsexamen bestanden und damit mein Jurastudium abgeschlossen.

Ich bin nun Rechtswissenschaftlerin, Diplomjuristin (Univ.) mit dem Schwerpunktbereich „Strafrecht und Internationales“. Mein Schwerpunkt umfasst u.a.:

StPO-Vertiefung, Praxis der Strafverteidigung, Europäisches und Internationales Straf- und Strafprozessrecht, Völkerrecht AT, Internationale Organisationen, Internationaler Menschenrechtsschutz, Humanitäres Völkerrecht.

Das war ein ganz schön langer Weg bis hierher. Seit 2012 verbringe ich nun damit, Bildung nachzuholen. Erst das Abitur nachholen, das ich wegen meines Menschenhändlers abgebrochen hatte, dann das Jurastudium.

Viele Menschen denken, wenn man den Ausstieg geschafft hat, hat man alles geschafft und dieses Leben hinter sich gelassen. Diejenigen, die von Ausbeutung und Prostitution betroffen waren, die wissen, dass dem nicht so ist. Der Ausstieg bedeutet nicht das Ende dieses Lebens, in dem man war, sondern „nur“ den physischen Ausstieg. Die Erlebnisse aber bleiben, das Trauma belastet und zeigt sich in seiner ganzen Intensität meist erst nach dem Ausstieg.

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Menschenhandel und Trauma-Bonding

Ich habe in zwei Beiträgen bereits explizit über Trauma-Bonding (Trauma-Bindung/traumatische Bindung) im Bereich Menschenhandel geschrieben*, auf der Konferenz der KAS, GGMH und OSCE (ODIHR) am 24.06.2021 habe ich darüber gesprochen (das Video verlinke ich unten) und stelle den Text darüber hier online. Das Thema Trauma-Bonding muss zwingend alle Menschen erreichen, die in diesem Bereich arbeiten, die Gesetze machen, die sich um Betroffene kümmern und vor allem in der Strafverfolgung arbeiten. Hier in Deutschland wird darüber nahezu überhaupt nicht gesprochen. Das ist fatal. Bitte sprecht darüber, klärt darüber auf, nehmt euch diesem Thema an, denn es betrifft so unglaublich viele Betroffene von Menschenhandel. Um ihnen helfen zu können, ist es wichtig, dieses Thema zu verstehen.

Ein sehr wichtiger Schlüsselfaktor, den es bei den nationalen Rechtsrahmen und insbesondere deren Umsetzung zu beachten gilt, ist das Verständnis der verschiedenen Formen des Menschenhandels, der Mechanismen und die Identifizierung von Opfern, was insbesondere auch das Verständnis der individuellen Opfer-Täter-Beziehung bedeutet, die häufig existiert, aber oft nicht gesehen wird. Es gibt verschiedene Formen des Menschenhandels, aber wenn es um den Menschenhandel in Form der Loverboy-Methode geht, „Romeo-Trafficking“, wenn der Menschenhändler der Partner ist, die Familie ist, was sehr oft vorkommt, müssen wir über Trauma-Bonding sprechen.

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High Level Online Side Event – Championing the elimination of trafficking in human beings and the exploitation of prostitution

Heute fand eine wichtige Veranstaltung mit vielen bedeutenden Personen im Kampf gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung statt. Ich war auch dabei und konnte ein paar mir wichtige Dinge einbringen. Unten im Video könnt ihr alles anschauen.

Side event Parallel to 47th Human Rights Council & 79th CEDAW Sessions – Co-sponsored by France, Iceland & Sweden – In cooperation with OHCHR & OSCE/ODIHRIn English – French – Spanish – German

On the occasion of the 47th Regular Session of the Human Rights Council and the 79th Session of the Committee on the Elimination of Discrimination against Women in Geneva, CAP International gathers States, International organisations and Survivors leaders to highlight international human rights law and good practices to eliminate trafficking in human beings and the exploitation of prostitution. Trafficking in human beings and the exploitation of prostitution constitute a serious violation of human rights. Most identified victims are women and girls, their sexual exploitation being the purpose of trafficking is linked to organised crime in most cases. The total number of victims has grown considerably following the unprecedented increase in migration and forced displacement, due to armed conflicts, persecution, human rights violations, and the outbreak of COVID-19. 6 months after the adoption of CEDAW General recommendation No. 38 on trafficking in women and girls in the context of global migration and 2 years after France and Sweden have developed a common strategy for combating human trafficking for sexual exploitation in Europe and globally, this event aims to create a platform to share lessons learned on efforts to eliminate sexual exploitation and to improve cooperation as well as to support advocacy, initiatives and the mobilisation of additional resources.

Hier geht es zum Video:

https://fb.watch/cXZwNaXlgq/

Discouraging the demand that fosters trafficking for the purpose of sexual exploitation

Ein gibt ein sehr wichtiges neues Dokument der OSCE, das den Blick auf die Nachfrageseite richtet und sich mit verschiedenen gesetzlichen Ansätzen in Bezug auf diese Nachfrage auseinandersetzt. Hier vor allem:

  1. Criminalizing the knowing use of services of a trafficking victim
  2. Criminalizing the use of all trafficking victims (strict liability)
  3. Criminalizing all sex buying

Hier geht es zum Dokument: https://www.osce.org/cthb/489388

Ich habe nun auch einen neuen Menüpunkt „Wichtige Dokumente“ angelegt. Ich werde dort nach und nach wichtige Sachen online stellen und verlinken.

Bericht der OSZE – Komplexe Täterbindungen im Bereich Menschenhandel verstehen

Es gibt einen sehr guten, kürzlich erschienenen, Report von der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). Er handelt u.a. ebenfalls, passend zu meinem letzten Beitrag über Trauma Bonding, über komplexe Täterbindungen im Bereich Menschenhandel, die zu erkennen und zu durchdringen wichtig sind. Auf der einen Seite, um den Betroffenen da raus zu helfen, und auf der anderen Seite für eine effektive und erfolgreiche Strafverfolgung und Verurteilung.

Folgend Auszüge von diesem enorm wichtigen Bericht:

Gender and the victim/trafficker relationship


In THB cases, the relationship between the victim and the trafficker may be complex. It may involve trauma bonding, familial ties and romantic relationships, and also violence, fear and manipulation. Exploring the trafficking history and, in particular, the gender dynamics of the victim/trafficker relationship is essential for law enforcement to understand the strategies used by the trafficker to exert power and control over the victim, as well as to identify any impediments to the victim cooperating with law enforcement. This can help answer a common question that comes to mind when the criminal justice system faces a victim: “Why didn’t you just run away?” The UN Special Rapporteur on trafficking in persons has underlined that the power imbalance used by traffickers to impose exploitative conditions “has a strong gender component, as women and girls are subject to intersecting discrimination as a consequence of patriarchal social norms.” Understanding the complexity and nature of victim–perpetrator relationships will also make it easier for law enforcement to comprehend a victim’s behaviour, which is sometimes aimed at protecting their trafficker at their own expense.

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Trauma Bonding – ein Text über Täterbindungen speziell bei der Loverboy-Methode

Foto: 2019 war ich in Washington, D.C., und dort im „National Museum of Women in the Arts„. Dort ist das Bild entstanden. Der Text auf dem Bild wurde von mir eingefügt.

Wir kennen sie wahrscheinlich alle: die Geschichten von häuslicher Gewalt, in denen die betroffene Frau bei ihrem gewalttätigen Mann bleibt. Man fragt sich als Außenstehender, der nicht ins Thema eingearbeitet ist: was ist nur los mit der? Warum wehrt die sich nicht? Warum verlässt sie ihn nicht einfach?

Im Bereich der Loverboy-Methode fragen sich auch viele: warum lässt die das mit sich machen, warum gehen die Frauen denn nicht einfach, wenn sie die Möglichkeit dazu haben bzw. nicht irgendwo eingesperrt sind?

Weil es für die Betroffenen nicht so einfach ist, denn wenn es so einfach wäre, dann würden sie sich dem Täter, logischerweise, entziehen.

Warum die Frauen sich nicht befreien können, dafür kann es verschiedene Gründe geben und viele davon greifen häufig ineinander über. Ein nicht selten anzutreffender Grund neben meist weiteren Problemlagen nennt sich „Trauma Bonding“. Dieses Trauma Bonding kommt oft zwischen Menschenhändler/Zuhälter und seinem Opfer vor, meist dann, wenn die Täter die Familie oder die Partner sind. Es ist der Missbrauch von Macht, das gezielte Erzeugen einer Abhängigkeit sowie die Unterdrückung der Person, um sie in die Ausbeutung zu bringen und dort zu halten. Speziell bei unerfahrenen und sehr jungen Mädchen und Frauen ist diese Vorgehensweise „erfolgreich“.

Das Problem: diese Frauen sind häufig zu schwach, um sich zu wehren. Dafür hat der Täter gezielt und strategisch gesorgt.

Stichwort: „Trauma Bonding“

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