Prostitution

Nie wieder Prostitution – ein Text über den physischen und psychischen Ausstieg aus der Prostitution

 

Never Again!

Den nachfolgenden Text habe ich schon vor einer ganzen Weile zusammen mit Dr. Ingeborg Kraus geschrieben und ich möchte ihn heute hier online stellen, da er mir sehr wichtig ist in der ganzen Prostitutionsdebatte. Hier ist der Text:

„Manchmal erscheint ein Weg für uns sehr lang, manchmal zu lang, so dass wir glauben, dass wir nicht genug Kraft haben und es nicht schaffen, ihn zu Ende gehen zu können. Der Ausstieg aus der Prostitution und damit aus einem Milieu, das meist den Körper und die Seele dieses Menschen zerstört hat, ist ein ganz besonders langer und schmerzhafter Weg, der manchmal kein Ende zu nehmen scheint und auf dem man Hürden begegnet, die sich zunächst als unüberwindbar darstellen.

Immer wieder hören und lesen wir von Aussteigerinnen, die mit den Gedanken ringen wieder in die Prostitution einzusteigen oder letztlich wirklich zurückgehen, obwohl sie ihre bereits gemachte Prostitutionserfahrung als traumatisierend ansehen und Prostitution als Gewalt bezeichnen. Dieses Verhalten stößt bei vielen Außenstehenden auf Unverständnis.

Wir möchten mit unserem Text über die Schwierigkeiten des Ausstiegs aus der Prostitution aufklären und zugleich Frauen während des Ausstiegs sowie danach Mut machen.

Wenn in unserer Gesellschaft über Prostitution gesprochen wird, so hat sich durch das ProstG aus dem Jahr 2002 bei vielen die Vorstellung eingeprägt, dass sie ein Job wie jeder andere ist. Prostitution aber hinterlässt tiefe Narben an Körper und Seele. Der Ausstieg ist nicht vergleichbar mit einem einfachen Jobwechsel. Einmal in diesem Prostitutionssystem gefangen, kommen Betroffene oft nur schwer bis gar nicht mehr raus.

Ein physischer Ausstieg aus der Prostitution, also der körperliche Schritt raus ins „Leben“, kann bei vorhandenen Möglichkeiten relativ schnell vollzogen werden. Der physische Ausstieg bedeutet aber nicht gleich den psychischen Ausstieg. In der Prostitution erleben Betroffene die tiefsten Abgründe unserer Gesellschaft: ein unermessliches und unvorstellbares Ausmaß an Gewalt, Demütigungen, Lügen und den größten Unmenschlichkeiten. Man kann physisch aus diesem Leben fliehen, aber psychisch hängen viele noch lange mittendrin – in den Erinnerungen, dem Schmerz und oftmals der aufgrund ihrer Erfahrungen tiefen Überzeugung, nichts wert zu sein, nichts schaffen zu können, nichts anderes zu verdienen. Der physische Ausstieg ist schwer, der psychische Ausstieg noch schwerer, denn er dauert oft Jahre/Jahrzehnte und beinhaltet das Durchbrechen von Schmerz und Trauma. Er ist das langsame Abstand nehmen von diesem früheren Leben voller Gewalt. Dieser psychische Ausstieg ist äußerst wichtig und es geht dabei nicht darum, Erlebtes zu vergessen – es geht darum, die nicht mehr wegzuradierende Vergangenheit anzunehmen, sie in das Leben zu integrieren und sich dennoch von der Parallelwelt Prostitution zu lösen.

Häufig ist den Betroffenen nicht sofort klar, wie sich ihre Verletzungen aus der Prostitution im Alltag äußern können, was den Ausstieg zusätzlich erschwert. Einige Hürden auf dem Weg in ein neues Leben möchten wir folgend erläutern.

Um überhaupt in der Prostitution sein zu können und unzählige Penetrationen von Fremden ertragen zu können, sind zunächst einmal Einstellungen notwendig, die diese Gewalt gewissermaßen verharmlosen: dass all das machbar und/oder nicht so schlimm sei. Wie kommt man zu so einer Haltung?

Wenn sehr früh in der Kindheit der Körper und/oder die Seele missbraucht und verletzt wurden, dann kann sich bei dem betroffenen Menschen die Vorstellung einprägen, dass eine Misshandlung, die an ihm vorgenommen wird, nicht so schwerwiegend oder sogar verdient oder normal ist. In der Psychotraumatologie bezeichnet man das als Täterintrojekte. Täterintrojekte sind Überlebensstrategien, um Gewalt besser ertragen zu können. Kann die gegenwärtige, unerträgliche Situation nicht ausgehalten und auch nicht verändert werden, so nehmen Betroffene häufig die Ansichten des Täters an, denn wenn sie funktionieren wie der Täter es haben möchte, wird das Überleben wahrscheinlicher. „Wenn ich genau mache, was sie mir sagen, werden sie mich vielleicht in Ruhe lassen, wird es vielleicht weniger schlimm.“ Aus einem „Du bist nichts wert“ kann ein „Ich bin nichts wert“ werden. Aus einem „Du wirst es niemals schaffen“ ein „Ich werde es niemals schaffen“.

Diese Verinnerlichung und Übernahme von Tätergedanken aus Schutzgründen heraus manifestiert sich oft bis ins Erwachsenenalter hinein und prägt den Alltag nicht nur in Form eines negativen Selbstbildes, sondern auch in Form von mangelndem Selbstschutz und mangelnder Selbstfürsorge. Wer als Überlebensstrategie zeitig lernen musste, Gewalt zu ertragen, der kann sich später oft nicht davor schützen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Eigene Bedürfnisse und vor allem Grenzen werden nicht wahrgenommen, da sich die Opfer von früh an auf die Bedürfnisse des Täters eingestellt haben und zugleich permanent Grenzverletzungen erleben mussten.

Wenn dann auch noch in einer Gesellschaft und in einem Staat sexualisierte Gewalt in Form von Prostitution nicht als solche benannt, sondern diese verharmlosend als machbare Dienstleistung bezeichnet wird, werden diese Täterintrojekte nicht aufgelöst, sondern verstärkt. Prostituierten Menschen wird durch die Legalität von Sexkauf vermittelt, dass die Gewalt, die sie durch die Prostitution erleben, keine richtige Gewalt ist, da legal ist, dass sie zur sexuellen Benutzung gekauft werden können. Der Staat signalisiert mit seiner liberalen Gesetzgebung: „Prostitution ist keine Gewalt, sondern ein Job“. Diese Ansicht wird übernommen, im Übrigen auch von vielen Beratungsstellen. Das ist gefährlich, denn sie verleitet Menschen auch, überhaupt erst in die Prostitution einzusteigen ohne sie über die immense Gewalt aufzuklären, die sie dort erwartet.

Als mich (Sandra) mein Zuhälter damals bei der Rekrutierung als Heranwachsende das erste Mal in ein Bordell schleppte, hatte ich ein sehr schlechtes Bauchgefühl und wollte am liebsten fliehen. Ich war jung, instabil und wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte und auch nicht, in welch gefährlicher Situation ich mich befand. Er brachte mich zur Prostitution, drängte mich, ich solle mich nicht so anstellen, es sei ja alles ganz normal. Ich erinnerte mich an die Ansicht unseres Staates, dass Prostitution in unserem Land als Job angesehen wird und Zuhälter sowie Bordellbetreiber in „seriösen“ Talkshows auftreten und als Geschäftsleute betitelt werden anstatt als Kriminelle. Ich erinnerte mich daran, dass dieses Milieu überwiegend als nicht so schlimm beschrieben wird. Genau dieses Bild von der Normalität des Prostitutionsmilieus vermittelt also auch unser Staat durch seine Gesetzgebung und so konnte ich noch weniger sehen, dass ich auf dem Weg war, mitten in ein kriminelles Gewaltmilieu abzurutschen. Es wurde nicht als solches benannt und wird weiterhin nicht als solches benannt. Doch unser Staat hat eine Verantwortung in Form einer Vorbild- und Orientierungsfunktion vor allem für junge und vulnerable Menschen. Hätte er damals in Form eines Sexkaufverbots laut zu mir gesagt: „Prostitution ist Gewalt und eine Menschenwürdeverletzung“, hätte dieser Menschenhändler es viel schwerer gehabt, mich in die Prostitution zu bringen. Die traurige Wahrheit aber ist: unser Staat hat verinnerlicht, dass sexualisierte Gewalt gegen Frauen normal ist, denn nichts anderes bedeutet seine liberale Prostitutionsgesetzgebung. Und daran orientieren sich die Menschen, so wachsen Kinder in Deutschland auf – in dem Glauben, dass es keine Gewalt ist, wenn Menschen in der Prostitution tagtäglich penetriert und ihrer Würde beraubt werden.

Aber es ist Gewalt und diese traumatischen Erfahrungen in der Prostitution führen häufig zu posttraumatischen Belastungsstörungen, deren Symptome die Wiedereingliederung in ein Leben abseits der Prostitution enorm erschweren können, da sie existieren, aber für Außenstehende oft nicht sichtbar sind und aufgrund von Ablehnungsängsten auch häufig versteckt werden. Diverse Situationen können nach Prostitutionserfahrungen triggern (nicht nur Tätermerkmale, sondern auch Stress, eine Jahreszeit, Geräusche,…) und Ängste auslösen, was mit heftigen körperlichen Reaktionen einhergehen und daher den Einstieg in ein anderes Leben sowie die Aufnahme neuer sozialer Kontakte stark behindern kann. Extreme Gefühle, die während der Prostitution dissoziiert waren, können im Alltag der Ausgestiegenen durch Kleinigkeiten hervorgerufen werden und den Kontakt zu neuen Bekanntschaften verunsichern, was sich zu einem Teufelskreis formen kann, da es das Gefühl allein zu sein verstärkt und man sich weiterhin fremd und oft nur von bekannten Personen aus dem Rotlichtmilieu verstanden fühlt. Das erhöht die Gefahr, dass Aussteigerinnen erneut in die Prostitution abrutschen. Häufige Symptome sind beispielsweise auch Panikattacken und dissoziative Phänomene. In manchen Fällen führen diese Symptome dazu, dass die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit so stark eingeschränkt ist, dass das Dasein zur einzigen Qual wird. Neben den Traumata sind auch körperliche Erkrankungen sehr häufig.

Ein weiteres Problem beim Ausstieg ist, dass ein Leben in der Prostitution isoliert. Diese Isolation stellt auch eine gezielte Täterstrategie dar, um Betroffene intensiver an sich zu binden. Einsame Menschen sind leichter in der Spur zu halten als solche, die Kontakte zu anderen pflegen. Viele sich prostituierende Menschen sind bei ihrem Ausstieg komplett allein, müssen von null anfangen, da nur die Kontakte ins Rotlichtmilieu bestehen. Viele sind bereits in jungen Jahren in die Prostitution eingestiegen und konnten somit keine Schul- und/oder Berufsausbildung abschließen. Sie kommen aus der Prostitution und sehen keine Perspektive für sich. Um diese verloren gegangene Zeit und das, was einem in der Prostitution gestohlen wurde, nachzuholen, persönlich wie beruflich, benötigt es teilweise Jahre und verlangt von den Betroffenen neben der Aufarbeitung ihrer schmerzhaften Vergangenheit ein großes Ausmaß an Geduld und einen festen Glauben an sich selbst, der nach einer Prostitutionserfahrung leider oft tief erschüttert ist.

In der Prostitution regiert die Gewalt – dennoch haben viele das Gefühl, als hätten sie dort wenigstens einen Platz. Das Leben außerhalb erscheint fremd, als ob sie in dieser neuen Welt niemals akzeptiert und niemals willkommen sein werden. Eine uns bekannte ehemalige Prostituierte suchte nach ihrem Ausstieg aus der Prostitution einen Job und versuchte es mit Ehrlichkeit. Sie erzählte ihrem potentiellen Arbeitgeber, dass sie Prostituierte war und einen Ausweg suche. Sie bekam folgende Antwort: „Meine Frau hat ein Problem damit, wenn Sie hier arbeiten und Prostituierte waren, aber wenn Sie wollen, dann können wir beide uns heute Abend privat im Hotel treffen. Ich zahle auch gut.“ Für die Aussteigerin war diese Begegnung tief demütigend. Sie wollte sich aus dem Prostitutionssystem, in dem sie objektiviert und zu einer Ware degradiert wurde, herauskämpfen. Anstatt einer Unterstützung bekam sie erneut den Stempelaufdruck: „Du bist nichts anderes wert als sexuell benutzt zu werden.“ Genauso fühlen sich Menschen in der Prostitution. Wenn sie dann während der Ausstiegsphase solch eine Erfahrung machen, ist es wahrscheinlich, dass sie die Hoffnung verlieren und wieder ins System zurückfallen. Wenn sonst niemand sie will, wenn sie sonst nichts wert sind, wenn sie sonst nichts können, so die Gedankengänge, so gehen sie wieder an ihren alten Platz zurück. Für die Betroffenen ist es sehr schwer, diesem Kreislauf zu entkommen.

Eine Sache ist sicher: Der Ausstieg aus der Prostitution ist extrem schwierig, ein steiniger Weg, oft geprägt von hoffnungslosen Situationen und scheinbaren Ausweglosigkeiten. Ein Wiedereinstieg in die Prostitution ist aber keine hilfreiche Stufe auf dem Weg aus der Misere, sondern eine weitere Hürde. Die Rückkehr in die Prostitution ist nicht ein Teil des Weges, der nach draußen und damit langsam zur Freiheit führt, wie manche annehmen und vielleicht deshalb wieder einzusteigen überlegen, sondern bringt einen Menschen auf einen ganz anderen Weg zurück – auf einen Weg der kompletten Zerstörung von Körper, Geist und Seele, den er einst genau aus diesem Grund verlassen hat.

Der Wiedereinstieg gleicht einer Form der Verharmlosung der schwerwiegenden Traumatisierung gegenüber sich selbst, die nicht nur durch sichtbare körperliche Symptome einhergeht, sondern die Fortsetzung der Zerstörung des Selbstwertgefühls, des Selbstvertrauens und der Selbstliebe bedeutet. Viele wichtige Fähigkeiten wie diese wurden vielleicht erst gar nicht entwickelt, wenn der Einstieg in die Prostitution sehr früh stattfand, oder gehen in der Prostitution verloren. Wurde nach einem Ausstieg angefangen, diese Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten, so verblassen sie mit einem Wiedereinstieg erneut. Es ist als würde man auf eine Löschtaste drücken. Die Rückkehr in die Prostitution ist keine vorübergehende Lösung und niemals ein Vorankommen.

Nichtsdestotrotz: Prostitution ist sexuelle Gewalt und hier herrschen Gewaltmechanismen, die Betroffene zurücktreiben und fern jeder Logik liegen können, die Unbeteiligte zu verstehen vermögen. Auch wenn man aufgeklärt ist und Bescheid weiß über das System und seine Mechanismen, über die Gewalt, über die Ursachen und die Folgen, so können gerade in der Festigungsphase des Ausstiegs nicht nur die nicht ausreichend vorhandenen Hilfen, sondern innere verletzte Anteile aktiv werden und dafür sorgen, Betroffene in die Prostitution zurückzudrängen und ihren Ausstieg zu sabotieren. Einen Vorwurf auf persönlicher Ebene kann und darf man Menschen, die wieder einsteigen, deshalb auf gar keinen Fall machen.

Eine Rückkehr in die Prostitution sollte jedoch öffentlich niemals als eine Lösung dargestellt werden. Hier setzt der Abolitionismus an, der Menschen aus dem System herausholen möchte, selbst dann, wenn die Prostitution in Deutschland noch als normale Dienstleistung bezeichnet wird und sich das „nordische Modell“ noch nicht durchsetzen konnte. Denn er weiß: Eine Rückkehr in die Prostitution ist kein Weg hinaus, sondern eine fortdauernde permanente Grenzverletzung, die immer etwas mit einem Menschen macht, die einen Menschen immer weiter zerstört anstatt ihn vorwärts zu bringen. Sie lässt die Wunden nicht verheilen, sondern reißt sie immer wieder auf.

Was wichtig ist, ist ein vermehrter und einfacherer Zugang zur Traumatherapie, um die schweren Hürden nach der Prostitution besser bewältigen zu können und den Ausstieg zu festigen. Sie kann helfen, Grenzen oft erst kennenzulernen, sie dann setzen und sich von gewalttätigen Beziehungen und/oder Lebensweisen lösen zu können. Nur wer versteht, was passiert, kann, wenn er das möchte, nach Lösungen suchen und einen Ausweg finden. Die Überwindung der Traumafolgen ist von enormer Bedeutung, aber nicht möglich, wenn man jene Tätigkeit weiterhin ausübt, die das Trauma verursacht hat oder mit der man andere Traumata reinszeniert.

Manchmal erscheint dieser Weg des Ausstiegs zu lang, so dass man aufgeben will, weil man denkt, dass man nicht genügend Kraft hat und das Ende des Tunnels niemals erreichen wird, aber man sollte für sich selbst weitergehen bis man sein Ziel erreicht hat.

Auch für mich (Sandra) war der Weg aus der Prostitution ein langer und schwieriger. Allein der physische Ausstieg und das Nachholen einer Schulausbildung bis an die Universität hin zu einem Studium schienen kaum machbar. 2012 fing ich im Bordell an mein Abitur nachzuholen. Ich wurde belächelt: „Die wird es niemals schaffen“. Diesen Satz trug ich lange mit mir herum, ich hatte ihn verinnerlicht, doch irgendwann fing ich an, mich dagegen zu wehren. Ich wollte es schaffen. Ich wollte da raus. Ich wollte ein Leben. 2014 konnte ich aus der Prostitution aussteigen und habe das Abitur beendet. Heute, im Jahr 2018, neigt sich mein Studium langsam dem Ende zu. Seit 6 Jahren bin ich nun am Lernen, um Bildung nachzuholen, die mir durch die Prostitution gestohlen wurde. Ich wusste: Bildung ist der Schlüssel aus dem Elend. Die Prostitution verlassen zu wollen und sie letztlich zu verlassen bedeutet, die große Herausforderung anzunehmen, sich ins Leben zurück zu kämpfen, was einen zeitweise verzweifeln lassen kann.

Das Trauma kann sich auch im Körper verankern und auf unterschiedliche Weise äußern. Nach meinem Ausstieg traten Traumafolgestörungen nicht nur in Form von Panikattacken auf, die mir den neuen Alltag mit Atemnot und einem stetigen Gefühl von Bewusstseinsverlust unerträglich machten. Sie äußerten sich auch an meinem Bewegungsapparat, der so schwach wurde, dass ich kaum mehr gehen konnte. Gewalt ertragen zu müssen, schwächt Körper und Seele. Gewalt ertragen zu müssen, die nicht als Gewalt anerkannt wird (so wie in Deutschland nicht anerkannt wird, dass Sexkauf Gewalt ist), schwächt Körper und Seele noch mehr, denn zum einen redet man sich zunächst ein, dass alles nicht so schlimm sein kann und erwartet von sich selbst, aushalten zu müssen, was nicht auszuhalten ist.

Später habe ich mir die Frage gestellt, wie ich es dennoch 6 Jahre aushalten konnte. Nicht nur die Betäubung mit Alkohol half dabei, sondern vor allem, was mir erst später klar wurde, die Dissoziation. Die Dissoziation ist ein Schutzmechanismus des Körpers, der Empfindungen vom Bewusstsein trennt, um nicht aushaltbare Gewalt ertragen zu können. Es hat Jahre gebraucht bis ich überhaupt verstanden habe, was Dissoziation ist, wie sie funktioniert und in welcher Art und Weise sie mir geholfen hatte. Sie kann sich in vielen verschiedenen Formen äußern: Bei mir war es dieses Gefühl, nicht richtig da zu sein und alle Sinne gedämpft wahrzunehmen, wie in Watte. Ich habe mich und das Leben wie hinter einer schalldichten Glaswand erlebt, wie durch einen Tunnel bin ich durchs Leben gelaufen. So spürt man natürlich weniger seelischen und körperlichen Schmerz – das ist das Ziel der Dissoziation. Ich war permanent in einer Art Trance-Zustand und es hat lange gedauert, diesen bereits zum Automatismus erstarkten Schutzmechanismus nach der Prostitution aufzulösen und mich und das Leben um mich herum wieder richtig spüren zu können. Lange wusste ich nicht, was mit mir los war und das daraus entstehende Vermeidungsverhalten und der Rückzug trieben mich noch mehr in die Isolation.

Heute bin ich ein anderer Mensch. Damals geschwächt von den Traumafolgen kann ich jetzt Berge besteigen und habe ein unerschütterliches Selbstvertrauen entwickelt, so dass ich zu 100 % weiß, dass ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme und wofür ich hart kämpfe. Ich genieße jedes kleine Detail. Seit ich aus der Prostitution ausgestiegen bin, entdecke ich die Welt neu. Ich bin stark geworden und nichts kann mich mehr erschüttern. Eines ist klar: Die Prostitution werde ich niemals vergessen, aber ich bin physisch und psychisch ausgestiegen. Für immer!

Das ProstG von 2002 gilt seit Jahren als gescheitert. Öfter wurde angebracht, dass prostituierte Menschen sich selbst organisieren und für ihre Rechte eintreten sollten, aber das ist schwierig bis unmöglich, weil sie in der Prostitution zugrunde gehen und zwar nicht nach Jahren, sondern sofort. Bei mir war die Überwindungsgrenze mich mit dem ersten Freier einzulassen sehr hoch. Gefühle wie Ekel, Abscheu, Scham, Trauer und Angst machten es mir nahezu unmöglich, diesen Akt durchzuführen. Ich war kurz davor zu schreien, zu weinen. Als der Akt vorbei war, war etwas in mir kaputt gegangen. Ich wollte schreien, aber ich konnte nicht mehr. Ich wollte weinen, aber ich konnte es nicht mehr. Was ich fühlte, war betäubt und abgetötet. Die Fähigkeit sich zu wehren und Widerstand zu leisten geht bei jedem Freier mehr verloren, weil durch diesen Akt der ungewollten Penetration nicht nur die Dissoziation den Körper beherrscht, sondern auch die Persönlichkeit immer weiter gebrochen wird. Dieser Akt der Penetration bedeutet eine permanente Demütigung und Degradierung zu einem Objekt sexueller Benutzung. Die Menschenwürde wird entzogen. Man hört auf, sich als fühlender Mensch wahrzunehmen. Das ist einer der Gründe, warum viele Menschenhandelsopfer auch später, wenn der Täter auf Abstand gerückt ist, in der Prostitution bleiben. Ihre Persönlichkeit, ihr Wille, ihre Identität, wurde gebrochen. Es ist absurd anzunehmen, dass genau jene Menschen dann Widerstand leisten und für ihre Rechte kämpfen sollen. Der Staat ist es, der hier die Aufgabe hat, diese Menschen zu schützen! Deswegen ist es auch skandalös von den Grünen, die das ProstG 2002 auf den Weg gebracht haben, dass sie auf ihrem kürzlich veranstalteten feministischen Zukunftskongress am 7. und 8. September keine kritischen Stimmen zur Prostitution gehört haben, sondern weiterhin ungeniert an ihrer liberalen Prostitutionsgesetzgebung festhalten.

Die Prostitution hinter sich zu lassen ist ein Kampf für einen selbst gegen alle Hindernisse und (Selbst-) Zweifel, gegen einen Staat, der diese Gewalt normalisiert, indem er sie legitimiert anstatt ihr einen Riegel vor zu setzen. Unsere Gesellschaft sollte endlich begreifen, dass Prostitution Gewalt ist und der Ausstieg aufgrund der ganzen Umstände auch in Deutschland sehr schwierig ist. Sie sollte Arme und Tore öffnen anstatt sie zu schließen. Der Ausbau von Ausstiegshilfen ist enorm wichtig, denn wir haben in Deutschland viel zu wenig davon.

Für Aussteigerinnen ist es wichtig, trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten an das Gute zu glauben, an respektvolle Beziehungen, an die Liebe, an echte Freundschaften. Geduld ist der Schlüssel. Hoffnung und Vertrauen (in sich selbst), dass der Ausstieg klappen wird, dass es besser werden und man den Weg hinaus dauerhaft finden wird.

Ein wichtiger Punkt ist dieser innere Prozess des psychischen Ausstiegs. Ein innerer Prozess der tiefen Überzeugung, dass Prostitution aufgrund der Gewalt, die dort passiert, nie wieder eine Option sein kann. Ein innerer Prozess, dass man sich nie wieder demütigen lassen wird, weil man etwas wert ist und eine Würde hat, die unverletzbar ist. Ein innerer Prozess, dass man seine Selbstliebe nie wieder so aufgibt, dass Freier die Macht bekommen, einen derart verletzen und traumatisieren zu können. Deutschland muss endlich aufwachen und diejenigen bestrafen, die Gewalt antun – die Freier. Aber wir hoffen und wollen mit diesem Text bezwecken, dass bis der deutsche Staat seine Schutzpflichtaufgabe verstanden hat, Aussteigerinnen sich dennoch nicht aufgeben, indem sie wieder in die Prostitution zurückkehren. Deswegen ist unsere Botschaft an alle Frauen, die Wiedereinstiegsgedanken haben:

NIE WIEDER PROSTITUTION!“

 

Ersterscheinung: https://www.trauma-and-prostitution.eu/2018/12/28/nie-wieder-prostitution/

3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen, April 2019 in Mainz

Anfang April 2019 fand der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen an der Universität Mainz von CAP International (http://www.cap-international.org/) zusammen mit SOLWODI (https://www.solwodi.de/) und Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (https://www.armut-gesundheit.de/) statt.

Mehr Informationen zum Kongress hier https://www.solwodi.de/seite/388513/weltkongress-2019.html und hier https://solwodiweltkongress.blogspot.com/.

Nachfolgend meine Rede (im Video bleibt leider ein paar Mal der Ton weg).

 

Ein historisches Urteil!

 

Heute wurde Deutschlands wohl bekanntester Bordellbetreiber Jürgen Rudloff nach einem fast 1-jährigen Prozess zu einer 5-jährigen Freiheitsstrafe u.a. wegen Beihilfe zum Menschenhandel verurteilt. Seit Jahren propagierte er in den Medien und Talkshows die saubere Prostitution, während im Prozess festgestellt wurde, dass in seinem Bordell die Hells Angels und United Tribuns[1] das Sagen hatten. Auch sein Marketing-Chef Michael Beretin, der ebenfalls in Talkshows und Medien von der heilen Welt der Prostitution sprach, wurde zu 3 Jahren und 3 Monaten verurteilt.

„Mit der Eröffnung seines Großbordells Paradise in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) im Jahr 2008 hatte Jürgen Rudloff medienwirksam eine „saubere Prostitution“ propagiert. Er bot eine „Wellnessoase für den Mann, in der Frauen freiwillig arbeiteten“.[2]

Das Urteil ist historisch, denn erstmals wird ein Bordellbetreiber zur Verantwortung gezogen.

„Es ist der erste umfangreiche Großprozess, der kriminelle Praktiken hinter legaler Prostitution offen gelegt hatte.“[3]

Die meisten Bordellbetreiber wissen oder nehmen zumindest billigend in Kauf, dass die Prostituierten, die bei ihnen in das Bordell kommen bzw. gebracht werden, Opfer von Menschenhandel sind. Sie nehmen es in Kauf, weil sie ansonsten ihren Laden nicht vollkriegen und einen wirtschaftlichen Ruin erleiden würden, wie auch dieser Prozess zeigt.

Das war eine herausragende Arbeit der Ermittlungsbehörden!

[1] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/Mammutverfahren-vor-dem-Stuttgarter-Landgericht-Urteile-im-Paradise-Prozess-erwartet,paradise-prozess-urteil-erwartet-100.html.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

 

Hilke Lorenz zum Prozess:

 

 

Hier geht’s weiter zum ganzen Artikel:

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.urteil-im-paradise-prozess-keiner-kann-mehr-sagen-ich-weiss-nicht-was-in-bordellen-passiert.84fed5bb-ebeb-4134-93cc-02a3b23e7280.html?fbclid=IwAR1JgHSvSwemtGO9Ciuf9zIi3waTqv8MsmiXOvAmrbAdC84LWqee0pqnQGM

Deutschland und die Sache mit der Menschenwürde – Eine Weihnachtsreflexion –

 

Längere Zeit war es jetzt ruhig hier. Ich habe kurz vor Weihnachten einen wichtigen Teil meines Studiums beendet. Durch meinen Schwerpunktbereich habe ich einen großen Einblick in das Europa- und Völkerrecht bekommen, auch in das europäische und internationale Strafrecht sowie in die Geschichte und die Entwicklung des europäischen und internationalen Menschenrechtsschutzes. Ich bin sehr dankbar, dass ich all das lernen kann und diesen Weg nun gehen darf. Ich weiß aber auch um all die Betroffenen, die verzweifelt den Weg raus aus der Prostitution suchen, ihn aber nicht finden, weil sie keine Hilfe oder Angst haben.

Wenn ich an den Anfang meines Studiums zurückblicke, erinnere ich mich an den Zeitpunkt, als ich das erste Mal ein gelbes Nomos Gesetzbuch aus dem öffentlichen Recht vor mir liegen hatte. Auch die deutschen Grundrechte waren Teil dieses Buches. Ich sah Artikel 1 an und war zunächst erstarrt von seiner Wortmächtigkeit. Er liest sich voll tiefer Überzeugung.

Der erste Absatz von Artikel 1 lautet wie folgt:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Nachdem ich den Artikel das erste Mal gelesen habe, wurde ich nachdenklich und traurig. Denn wenn ich eines in diesem Land erlebt habe, dann dass die Menschenwürde nicht nur antastbar anstatt unantastbar ist, sondern dass sie für Menschen in der Prostitution, vor allem junge Mädchen und Frauen, oft gar nicht existiert.

Neulich war ich in Frankreich. Kurz vor der Grenze zu Frankreich fühlte ich eine tiefe Verbundenheit zu diesem Land, weil ich wusste, dass ich, wenn ich gleich die Grenzen überschreite, in einem Land sein werde, welches all das, was ich in diesem Blog hier über Prostitution und Menschenhandel geschrieben habe, versteht und für die Rechte der Schwächsten kämpft.

Frankreich hat 2016 anerkannt, dass Prostitution Gewalt ist und ein Sexkaufverbot nach schwedischem Vorbild eingeführt. In Frankreich ist es demnach verboten, Menschen zur sexuellen Benutzung zu kaufen. Ein weiteres Land hat damit den Kampf aufgenommen, der Menschenwürdeverletzung in der Prostitution nicht mehr tatenlos zuzusehen, sondern dagegen aufzustehen, anstatt wie Deutschland mit fadenscheinigen Argumenten zu resignieren. Frankreich hat sich mit diesem Schritt auf die Seite der Vulnerabelsten der Gesellschaft gestellt und kann verdammt stolz auf sich sein!

Obwohl ich dem System entkommen bin, fühle ich mich von Deutschland allein gelassen. Ich habe unzählige Male auch bei anderen Frauen gesehen, dass Prostitution kein Job ist. Ich habe mit eigenen Augen gesehen wie die Freier rücksichtlos in den Zimmern über die Frauen hergefallen sind und ihnen ihr letztes Stückchen Menschsein genommen haben. Ich habe gesehen, wie sie in unserem „modernen, fortgeschrittenen“ Deutschland verwahrlosen, kaputt gemacht, misshandelt und zutiefst in ihrer Menschenwürde verletzt und derer beraubt werden. Legal – jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde. Und unser Staat kassiert davon auch noch Steuern.

Als ich in Frankreich war, habe ich mich verstanden gefühlt. Meine Würde und die der anderen Frauen wäre verteidigt worden. Kein Mann hätte uns dort legal kaufen können. Keiner hätte uns legal wehtun können, denn Frankreich hat Sexkauf als Unrecht anerkannt. Junge Menschen müssen nicht mit dem Bild aufwachsen, dass es normal ist, sich einen Menschen wie eine Zigarettenschachtel kaufen, benutzen und danach wegwerfen zu können.

Anders in Deutschland: vor ein paar Monaten war ich in Frankfurt und habe dort die Taunusstraße besucht, eine Straße des Frankfurter Rotlichtviertels direkt am Bahnhof. Sie ist jedem zugänglich.

Hier zwei traurige Bilder, wie Kinder und Jugendliche in Deutschland aufwachsen:

 

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Solche Bilder, Werbung und Prostitution an sich prägen den Blick auf alle Frauen.

Als ich am helllichten Tag durch die Taunusstraße gelaufen bin, musste ich mich auch immer wieder daran erinnern zu atmen, denn dieser Anblick hat mir meinen Atem trotz meiner früheren Erfahrung oder vielleicht gerade deswegen genommen. Ich bin enttäuscht und fassungslos, dass unser Staat noch immer nichts tut. Überall sah ich Müll, drogenabhängige Menschen, völlig zugedröhnt mitten auf der Straße – und mittendrin die Prostituierten und die Bordelle.

Diese Straße war trotz ihrer Größe, ihrer direkten Lage beim Bahnhof, leer und verlassen. Nur dunkle Gestalten waren dort zu sehen. Ich fühlte mich am helllichten Tag mitten in der Stadt nicht sicher – und das traurige ist, keiner ist dort sicher. Hier gelten die Regeln des Milieus. Die Polizei und die Justiz sind in Wahrheit nahezu machtlos gegen diese Strukturen, da die Kriminellen Genies sind, wenn es darum geht, legale Strukturen für ihre Machenschaften auszunutzen, was auch die Europäische Kommission bestätigt.[1]

Wann will unsere Gesellschaft, wann will unsere Politik endlich aufwachen? Mitten in Deutschlands Städten befinden sich unzählige, Vergewaltigungslagern ähnliche, Bordelle, abgesegnet vom deutschen Staat. Und nein, es ist nicht übertrieben oder respektlos, dieses Wort zu benutzen. Es ist eine grausame Tatsache, der in die Augen zu sehen endlich angefangen werden sollte.

Wie ich bereits in anderen Beiträgen geschrieben und verlinkt habe, bekennen sich auch das Europäische Parlament und der Europarat zum schwedischen Modell.

Der Schritt, den Frankreich mit dem Nordischen Modell gewählt hat, ist kein leichter, sondern eine knallharte Aufgabe, wenn es darum geht, ein Sexkaufverbot und ein neues Gesellschaftsbewusstsein vor allem in der Praxis umzusetzen. Für viele scheint es unmöglich, immer wieder hört man von der Politik „Deutschland ist noch nicht so weit“. Dazu kann ich nur eines sagen: diejenigen, denen die Fähigkeit fehlt, an das Gute und bahnbrechende Veränderungen zu glauben, die sollten nicht Politik machen, denn der Glaube daran, dass es möglich werden kann, ist eine Voraussetzung, um den Kampf zu gewinnen.

In Deutschland und überall in der Prostitution sind zu viele Profiteure unterwegs, die einen Richtungswechsel sehr erschweren. Als Profiteure bezeichne ich nicht nur Zuhälter und Menschenhändler, sondern vor allem auch die Freier, die aus jedem Gesellschaftsteil unseres Landes kommen und oftmals hohe Positionen innehaben. Wer möchte sich schon den „Spaß“ mit einer Prostituierten nehmen lassen und für ein Sexkaufverbot plädieren? Die Einführung des Sexkaufverbotes ist ein Schritt gegen breite Massen unserer Bevölkerung, nämlich gegen diejenigen, die jeden Tag sexuelle „Dienstleistungen“ in Anspruch nehmen, meistens bewusst das Elend ausnutzen und davon profitieren.

Wenn jemand so wie ich in der Prostitution war, so kann man den Sieg der Gerechtigkeit in der Luft spüren, wenn man durch Frankreichs Straßen läuft. Ich konnte aufatmen, ich hatte mehr Raum, Sicherheit und Freiheit als irgendwo anders bisher. Menschen, die nie in der Prostitution waren, können wahrscheinlich nicht nachempfinden, was es für Menschen wie mich bedeutet, in einem Land wie Frankreich zu sein, in dem genau das verboten ist, von dem ich gesehen habe, dass es unzählige Menschen kaputt gemacht hat und von dem ich weiß, dass es jeden Tag weitere tausende kaputt macht.

Frankreichs Weg ist wie Balsam auf der Seele und für alle Opfer des Ausbeutungssystems der Prostitution eine Hilfe auf dem Weg der Heilung. Ihre Erfahrung und ihr Leid wird anerkannt. Anerkennung von Gewalt ist ein wichtiger Schritt zur Heilung sowie ein unerlässlicher Schritt in Sachen Gewaltprävention.

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Heute bin ich wieder weit von Frankreich entfernt, aber seine Solidarität gegenüber Menschen, wie ich damals einer von ihnen war, spüre ich immer noch. Viele engagierte Menschen haben für Frankreichs Richtungswechsel gekämpft und es wird ein Kampf bleiben, weil die Sex-Industrie und dessen Profiteure alles tun werden, um diesen Sieg der Gerechtigkeit wieder zu kippen. Die Einführung des Nordischen Modells ist nur der Anfang. Es umzusetzen und es zu halten, so dass alles wirklich funktionieren kann, sind weitere unerlässliche Schritte auf dem Kampf gegen das Prostitutionssystem.

Ich hoffe sehr, dass Frankreich durchhält und dass sie alles tun werden, um ihr Gesetz beizubehalten. Es ist der einzig richtige Weg. Wenn man sagt, dass es falsch ist, einen Menschen zu kaufen, seinen Körper zu handeln, dann gibt es nur einen Weg: es zu verbieten, denn von allein wird der Missbrauch leider nicht aufhören.

Deutschland sagt, Menschen üben in der Prostitution einen Beruf aus, eine sexuelle Dienstleistung.

Frankreich sagt, niemand darf Menschen kaufen, niemand hat das Recht, jemanden sexuell zu benutzen, zu einem Objekt zu degradieren, zu verletzen.

Frankreich sagt damit, es gibt hier eine Würde, die unantastbar ist. Sie zu wahren ist eine Schutzpflicht des Staates.

Was Frankreich und andere Länder begriffen haben, muss Deutschland noch lernen.

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Besinnung, der Wärme, der Liebe und der Empathie. Vergessen werden dürfen aber nicht jene Menschen, die an diesen Tagen in Bordellen oder anderswo in der Prostitution ihr Dasein fristen müssen. Auch ich war einmal an Weihnachten im Bordell mit Freiern, die danach zu ihren Familien nachhause gefahren sind, um nach dem sexuellen Missbrauch an der Prostituierten und dem Betrug an ihren Frauen und Kindern das „Fest der Liebe“ zu feiern. Daher weiß ich, wie scheinheilig und verlogen Weihnachten sein kann. Es ist traurig, aber Realität, dass viele Männer vor oder nach dem Fest Prostituierte aufsuchen, um dem „Familienstress“ zu entkommen.

Ich möchte deshalb an dieser Stelle all diejenigen ins Bewusstsein aller rufen, die es gerade nicht schön haben und in der Weihnachtszeit sexuelle Ausbeutung anstatt Liebe erfahren.

Deutschland, unternimm endlich was!

 

 

[1] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:52016DC0267&from=DE.

Fachtagung „Die Loverboy-Methode“ + Beitrag von Nadine

 

Grenzüberschreitende Fachtagung von Hadassah an der Universität Saarbrücken zum Thema Loverboys am 14.4. ab 10:30 Uhr

Redner/innen:

Prof. Dr. Jens Vogelgesang, Kommunikationswissenschaften der Universität Stuttgart, Deutschland

Linda Terpstra, Leiterin des Schutzhauses fier, Niederlande

Karin Werkmann, Mitarbeiterin von fier, Niederlande

Viviane Wagner, Verantwortliche der Delegation Mouvement du Nid-Moselle, Frankreich

Inge Hauschildt-Schön, Bürgerinitiative Marburg, Deutschland

– Und ich bin auch dabei!

 

Hadasah

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Mehr dazu hier:

http://hadassah.website/


 

Und im Folgenden findet ihr noch einen kleinen Beitrag von Nadine. Sie war Prostituierte und ihr jetziger Freund half ihr aus der Prostitution raus. Sie hat ihre Geschichte in kurzen Abschnitten aufgeschrieben und möchte sie hier teilen. Ich drücke ihr die Daumen für ihr neues Leben – drückt mit! 🙂

 

Prostitution – Ein Job wie jeder andere!? (by Nadine)

Du hattest doch eine schöne Kindheit, nicht!? Du hattest doch alles! Jedes Spielzeug. Du durftest dich immer mit Freunden verabreden. In der Schule hattest du immer die besten Noten.

Ja. Bis zur weiterführenden Schule stimmt das auch irgendwie. Subjektiv betrachtet. Aber ich war einsam. Du hast mir nie gesagt, dass du mich liebst oder hast mich in den Arm genommen.

Du hast gesagt, du willst von zu Hause raus. Das kostet viel Geld Mädchen. Du liegst mir echt am Herzen, aber ich kann mich doch nicht um alles kümmern. Unser neues Leben kostet viel Geld. Du musst schon was machen. Prostitution. Hm? Na los!

Warum muss ich dir so viel Geld geben? Wofür? Ich weiß, dass du mich manipulierst. Du bist so viel älter als ich. Aber ich brauche dich so sehr. Ich habe doch niemand anderen. Bitte verlass‘ mich nicht!

Wieviel kostest du? Warum machst du es nicht ohne? Eigentlich müsstest du für mich bezahlen! Es ist mir egal, ob es dir weh tut – ich habe schließlich bezahlt. Du bist doch nur eine Nutte!

Schämst du dich nicht für dein Verhalten? Ich bin doch trotzdem ein Mensch! Aber irgendwie auch nicht. Ein Stück Fleisch, welches man benutzt. Ich darf keine Empfindungen haben, sonst gehe ich hier kaputt. Irgendwie wäre es egal. Ich bin mir egal.

Du bist so ein wunderbarer Mensch, das habe ich gleich bemerkt. Du kannst das schaffen! Ich helfe dir dabei. Ich liebe dich! Aufrichtig!

Du bist ein toller Mann. Einer von der Sorte, die ich bislang noch nicht kennen gelernt habe. Ich liebe dich auch! Ich fange an wieder Gutes zu fühlen. Aber dadurch fällt mir der Job nur noch schwerer. Ich kann nun nicht mehr ein totes Stück Fleisch sein.

Wie ist Ihr bisheriger beruflicher Werdegang? Was sind Ihre Stärken? Welches Ihre Schwächen? Aha. Prostitution!? Es tut uns sehr leid, aber das können wir als seriöses Unternehmen leider nicht vertreten. Vielen Dank für Ihre Bewerbung.

Das ist nicht fair! Ich habe Abitur. Ich bin hoch empathisch. Ich bin sehr zielstrebig und gut organisiert. Ich kann mich gut durchsetzen und besitze eine persönliche Reife von der andere träumen. Aber ich bin für unsere Gesellschaft nicht mehr tragbar. Eine ewige Hure also!?

 

Kommentar zu Nadines Text:

Hierzu fällt mir vor allem eine Sache für alle Arbeitgeber/innen ein: ein Opfer von sexueller Gewalt durch die Prostitution sollte man nicht ein zweites Mal zu einem Opfer machen, in dem man es für die Gewalt, die es erlebt hat, beschämt und ausschließt. Denkt mal darüber nach und werdet aktiv! Auch ihr könnt als Unternehmer/innen aktiv werden, in dem ihr euch über die Mechanismen der Prostitution informiert und Integrationsprogramme schafft, bei denen ihr beispielsweise genau für solche Betroffenen Praktika oder Arbeitsplätze anbietet. Unsere Gesellschaft, und damit meine ich ALLE, sollte dabei helfen, diese Menschen, die man damals im Stich gelassen hat, wieder zurück ins Leben zu holen!

Interview zu „Loverboy-Fällen“ mit Staatsanwalt Stefan Willkomm

 

Nachfolgend stelle ich ein gutes Interview mit Staatsanwalt Stefan Willkomm ein. Wir brauchen in Deutschland mehr Spezialkräfte wie ihn in Bezug auf die Verfolgung von Menschenhandelsfällen. Nur wer Bescheid weiß, wie Menschenhandel funktioniert, welche Formen es gibt, auf was man achten muss, etc… kann in diesem Bereich den Opfern helfen. Leider wissen viele aus Polizei und Justiz nicht Bescheid. Herr Willkomm ist hier ein Hoffnungsschimmer und hoffentlich ein Anreiz für andere, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir brauchen mehr spezialisierte Fachkräfte wie ihn, dann sähe unsere Statistik zu Menschenhandel auch ganz anders aus.

Hier das Interview:

„Stefan Willkomm führt seit dem 17. Juli die Anklage gegen einen mutmaßlichen Loverboy vor dem Landgericht Düsseldorf. Es ist der vierte Loverboy-Prozess in Düsseldorf innerhalb von zwei Jahren.

Was wissen Sie über die Vorgehensweise von Loverboys?

Stefan Willkomm: In unseren Verfahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass Loverboys sich auf eine besondere Art junger Frauen konzentrieren. Sie versuchen, die ausfindig zu machen und über das Internet, soziale Medien oder Telefonchats Kontakt aufzunehmen. Dann probieren sie, bei den Frauen Interesse zu wecken und so zu tun, als würden sie diese Frau lieben. Wenn es dann zu einer Beziehung kommt, versucht der Loverboy, das Opfer vom Umfeld zu isolieren. Sie soll sich auf ihn fixieren. Im nächsten Schritt versucht er dem Mädchen immer wieder den Gedanken und die finanziellen Vorteile der Prostitution einzupflanzen, um sie dann irgendwann so weit zu bringen, dass sie der Prostitution nachgeht.

Welche Art von Mädchen ist interessant für Loverboys?

Mein Eindruck ist, dass sich Loverboys Mädchen suchen, die haltlos sind, die nach jemanden suchen, der ihnen diesen Halt im Leben gibt. Es gibt unterschiedlichste Geschichten, immer wieder Streit im Elternhaus und eine problematische Jugend. In dieser Situation wird das fehlende Selbstbewusstsein der Mädchen ausgenutzt, um so zu tun, als sei man der Halt in dieser Beziehung.

Wie haben sich die Opfer in den bisherigen Prozessen verhalten?

Also in den Verfahren, die wir hier in den letzten Jahren geführt haben, gab es das ganze Spektrum an Reaktionen von Opfern. Das beginnt damit, dass die Mädchen nicht glauben können, dass sie auf eine Masche reingefallen sind. Man muss sich vorstellen, dass die vorher Jahre in dieser geschaffenen Welt leben und das nicht einfach ist, wenn die Polizei und Staatsanwaltschaft sagen: stimmt so gar nicht, was dir da vorgespielt worden ist. Da gibt es teilweise auch eine Verweigerungshaltung. Die Mädchen wollen einfach nicht glauben, dass das so ist. Auch wenn man versucht, es ihnen mit objektiven Beweismitteln klar zu machen. Teilweise bricht dann die Welt für sie zusammen. Was für uns aber gut ist, weil sie dann kooperieren und uns ihre Seite der Geschichte erzählen. Teilweise herrscht auch eine gewisse Selbstverleugnung bei Opfern, weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass sie auf sowas reingefallen sind.

Kommen Loverboys auch davon, wenn Geschädigte nicht aussagen?

Das passiert wahrscheinlich zigfach. Verfahren im Bereich Menschenhandel haben die höchsten Einstellungs- und Freispruchquoten von allen Deliktsfeldern. Es gibt einen hohen Anteil an Verfahren, die erst gar nicht angeklagt werden können, weil die Beweismittel nicht reichen und somit später auch nicht zu einer Verurteilung führen.

Und dann noch die Fälle, in denen gar nicht erst ermittelt wird, weil es keinen Anhaltspunkt dafür gibt. Wenn sie von außen auf ein Verhältnis zwischen Opfer und Täter blicken, ist für sie ja gar nicht unbedingt erkennbar, was dahinter an Manipulation und Täuschung steckt. Also ich glaube, dass unheimlich viele dieser tatsächlich vorkommenden Fälle niemals bei den Strafverfolgungsbehörden landen. Wenn wir dann doch Verfahren führen können, ist es oft so, dass das Opfer herausgefunden hat, dass es noch andere Frauen parallel gibt. Und sie dann zur Polizei geht, ihren Loverboy anzeigt und eine Aussage macht. Wir ermitteln dann und stellen fest, dass es weitere Geschädigte gibt. Ansonsten ist es extrem schwierig, ohne Opferaussagen die Verfahren so zu führen, dass man das, was wirklich passiert ist, nachweisen kann.

Was für Typen sind die Loverboys, gegen die Sie verhandelt haben?

Das sind extrem selbstbewusste Männer, die so einen gewissen Narzissmus haben. Die fühlen sich ganz toll, die müssen gewisse manipulative Fähigkeiten zwingend haben, um ihre Tat umzusetzen. Und durch dieses selbstbewusste Auftreten schaffen sie es auch, den Frauen ein Stück weit zu imponieren. Viele wollen diesen starken Partner, an den sie sich anlehnen können.

Und vom Bildungsgrad her?

Wir haben noch keine Verfahren gegen Beschuldigte geführt mit Hochschulabschluss oder Hochschulreife. Die kamen vom Bildungsgrad her eher aus dem mittleren, unteren Bereich. Wobei ich glaube, dass das in vielen Fällen durchaus intelligente Täter sind. Die müssen ja eine Beziehung zu vier Mädchen gleichzeitig verstehen, durchdenken und auch planen können. Ich würde keinen von den Loverboys, gegen die wir hier ermittelt haben, als unintelligent beschreiben.

Wir hatten einen Täter, der die Frauen in anonymen Telefonchats angesprochen hat. Auf eine ganz dreiste und direkte Art. Wenn die jungen Frauen sich nicht dagegen zur Wehr gesetzt haben, waren sie interessant für ihn. Der hatte einen Riecher dafür, welche Frau für ihn empfänglich sein könnte. An Frauen, die selbstbewusst dagegen gehalten haben, hatte er kein Interesse, weil er sofort erkannt hat, dass die für ihn nicht als Opfer taugen.

Sie sind als Staatsanwalt auf Menschenhandel spezialisiert. Hilft Ihnen das zu erkennen, ob es sich um eine Loverboy-Methode handelt?

Absolut. Wir bekommen ja keine fertigen Ermittlungsakten, sondern die Verfahren kann man nur führen, wenn man als Staatsanwaltschaft schon von Anfang an dabei ist. Quasi ab der ersten Aussage. Wenn die Geschädigten ihre Aussagen machen, klingen die erst mal so, als sei da keine Form von direktem Zwang angewendet worden. Da braucht man auch viel Psychologie, um die Tricks, die Einwirkungen und die Manipulation zu erkennen, denn die sieht man den Aussagen auf den ersten Blick oft nicht direkt an. Man muss sich dafür interessieren, sich weiterbilden, bis man hinter den Aussagen dieses Delikts-Phänomen erkennt.

Also einem Staatsanwalt, der sich nicht damit auskennt, kann das entgehen?

Es gibt bestimmt die Gefahr. Wie oft es in der Praxis passiert, weiß ich nicht. Aber wenn man da nicht geschult ist und das nicht erkennt, diese Tricks und die Manipulation die dahinter stehen, kann es dazu führen, dass ein Staatsanwalt das Verfahren nicht führt oder relativ früh einstellt.

Wie hoch waren die Haftstrafen in Ihren Prozessen?

Ich fang mal mit dem ersten Verfahren an, das ich geführt habe und das mich veranlasst hat, mich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen. Da ist es so gewesen, dass keine Verurteilung erfolgt ist, weil das Opfer nicht mehr zur Verfügung stand. Ich würde bestimmte Teile heute anders würdigen und wahrnehmen. Ab da habe ich mich tiefer in das Loverboy-Phänomen eingearbeitet. Es ist danach zu weiteren Verfahren gekommen mit Verurteilungen in Höhe von vier bis zu zehn Jahren.

Wie aufwändig ist es für einen Staatsanwalt, sich auf Loverboys zu spezialisieren?

Wenn man in dem Bereich arbeitet sollte man Fortbildungen zu dem Thema besuchen. Dann halte ich es für extrem wichtig eine Vernetzung mit den Leuten herzustellen, die den Bereich von anderen Seiten aus bearbeiten: mit Polizeibeamten, die sich auf das Loverboy-Phänomen spezialisiert haben. Und da mit den Leuten darüber sprechen, um zu verstehen, wie dieser Bereich funktioniert.

In Düsseldorf vier Loverboy-Prozesse in zwei Jahren – ist das viel?

Ja, wenn man die Statistik betrachtet und sagt: vier zur Anklage gebrachte Fälle in zwei Jahren an einem Landgericht, dann dürfte das deutlich überdurchschnittlich sein. Aber ich glaube nicht, dass in Düsseldorf die Situation im Bereich der Prostitution schlimmer ist als in anderen Städten. Es ist eher so, dass auch bei anderen Staatsanwaltschaften auffällt: Da, wo sich bestimmte Kollegen engagieren, können mehr Verfahren durchgeführt werden.

Worauf basiert die Anklage bei dem aktuellen Prozess, den Sie seit dem 17. Juli am Landgericht gegen einen mutmaßlichen Loverboy führen?

Die Anklage lautet: verschiedene Fälle von Menschenhandel zur ausbeuterischen Zuhälterei, dann eine Reihe von Körperverletzungsdelikten. Als Besonderheit in dem Verfahren gibt es noch eine Anstiftung zum Schwangerschaftsabbruch in einem Fall. Das sind die Haupt-Anklagevorwürfe gegen den Angeklagten.

Wie viele Opfer sind betroffen und wie viele Opfer sagen aus?

In dem Verfahren sind vier Opfer bekannt geworden, und ich gehe davon aus, dass alle vier auch in der Hauptverhandlung Aussagen machen werden. Alle vier haben gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft im Ermittlungsverfahren Aussagen gemacht.

Wie ist das Ganze aufgeflogen?

Das Ermittlungsverfahren, das zu der Hauptverhandlung geführt hat, hat durch die Aussage einer Geschädigten seinen Anfang genommen. Sie hat ihn verlassen, sich an die Polizei gewandt und hat da ihre Geschichte erzählt, was ihr in den Jahren davor passiert ist. Und dann hat man, an diese Aussage anschließend, begonnen zu ermitteln, was in der Vergangenheit passiert ist. Die Zeugin hatte da schon Angaben zu potentiellen weiteren Geschädigten gemacht. Was dann die Möglichkeit gibt, nicht nur in die Vergangenheit ermitteln zu müssen, sondern laufende Straftaten zu beobachten und zu dokumentieren.

Wird es in Zukunft mehr Prozesse gegen Loverboys geben?

Ich glaube, dass der Fokus der Polizei stärker drauf liegt und dass es in Zukunft noch eine ganze Reihe von Verfahren aus diesem Bereich geben wird, die zu führen sind.“

Quelle: http://www.daserste.de/unterhaltung/film/themenabend-loverboys/hintergrund/interview-staatsanwalt-stefan-willkomm-104~_seite-1.html

 

Präventionsarbeit zum Schutz vor „Loverboys“

 

Am 2.1.18 war ich mit Tabita von http://www.freethem.de/ in einer Jugendhilfeeinrichtung für Mädchen. Wir haben dort präventive Arbeit in Form von Aufklärung über „Loverboys“ geleistet und mit den Mädchen über Prostitution und Menschenhandel gesprochen, wie man sich am besten vor „Loverboys“ schützen kann, wie man sie erkennt, was ihre Methoden sind, etc… Tabita hatte die Mädchen im Rahmen ihres Projektes bereits vorher mit dem Thema vertraut gemacht. Danke Tabita und auch Carina von Freethem!

Diese Präventionsarbeit liegt mir sehr am Herzen. Wer in diesem Bereich Infos/Hilfe möchte (LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen, Hilfeeinrichtungen, etc…) kann sich gerne bei mir melden. Zusammen können wir ein Konzept erstellen, behutsam aufklären, vor allem die Risikogruppen, und damit versuchen besser zu verhindern, dass es Opfer in dem großen Ausmaß gibt. Es ist wichtig, junge Menschen vor so etwas zu warnen und zu schützen!

Mit freundlicher Erlaubnis von Tabita unten ein Foto von uns beiden. Meine liebe Hündin war auch mit dabei, die Mädchen haben sich sehr darüber gefreut und die Atmosphäre wurde dadurch noch entspannter. Tiere können eine sehr schöne Wirkung auf die verschiedensten Typen von Menschen haben. Wir konnten auch viel lachen, das ist wichtig, damit das Thema bei den Mädels nicht zu schwer im Magen liegt.

Ein glückliches und gesundes neues Jahr euch allen!

 

Tabita und Sandra 2 (2)

Rechts: Tabita; Links: Ich