Prostitution

„Kannst du dir noch einmal eine Beziehung mit einem Mann vorstellen?“ Ein Text über mein „Outing“ und warum Prostitution alle Frauen betrifft.

Ich habe gerade sehr viel Arbeit (für das Thema Prostitution) und dann bekam ich wieder folgende Frage:

„Kannst du dir noch einmal eine Beziehung mit einem Mann vorstellen?“

Diese Frage ist ein Dauerbrenner und ich bekomme sie sehr oft, genau genommen seit Jahren. Ich möchte nun kurz in diesem Text einmal darauf antworten, denn es geht hier vor allem auch um zwei grundsätzliche Dinge, die nicht nur mich persönlich, sondern viele andere betreffen.

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Studium geschafft: ich bin jetzt Diplomjuristin (Univ.)

Ab heute ist es offiziell – und ich muss es in die Welt rausschrei(b)en, weil ich mich so freue.

Ich habe das 1. Juristische Staatsexamen bestanden und damit mein Jurastudium abgeschlossen.

Ich bin nun Rechtswissenschaftlerin, Diplomjuristin (Univ.) mit dem Schwerpunktbereich „Strafrecht und Internationales“. Mein Schwerpunkt umfasst u.a.:

StPO-Vertiefung, Praxis der Strafverteidigung, Europäisches und Internationales Straf- und Strafprozessrecht, Völkerrecht AT, Internationale Organisationen, Internationaler Menschenrechtsschutz, Humanitäres Völkerrecht.

Das war ein ganz schön langer Weg bis hierher. Seit 2012 verbringe ich nun damit, Bildung nachzuholen. Erst das Abitur nachholen, das ich wegen meines Menschenhändlers abgebrochen hatte, dann das Jurastudium.

Viele Menschen denken, wenn man den Ausstieg geschafft hat, hat man alles geschafft und dieses Leben hinter sich gelassen. Diejenigen, die von Ausbeutung und Prostitution betroffen waren, die wissen, dass dem nicht so ist. Der Ausstieg bedeutet nicht das Ende dieses Lebens, in dem man war, sondern „nur“ den physischen Ausstieg. Die Erlebnisse aber bleiben, das Trauma belastet und zeigt sich in seiner ganzen Intensität meist erst nach dem Ausstieg.

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High Level Online Side Event – Championing the elimination of trafficking in human beings and the exploitation of prostitution

Heute fand eine wichtige Veranstaltung mit vielen bedeutenden Personen im Kampf gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung statt. Ich war auch dabei und konnte ein paar mir wichtige Dinge einbringen. Unten im Video könnt ihr alles anschauen.

Side event Parallel to 47th Human Rights Council & 79th CEDAW Sessions – Co-sponsored by France, Iceland & Sweden – In cooperation with OHCHR & OSCE/ODIHRIn English – French – Spanish – German

On the occasion of the 47th Regular Session of the Human Rights Council and the 79th Session of the Committee on the Elimination of Discrimination against Women in Geneva, CAP International gathers States, International organisations and Survivors leaders to highlight international human rights law and good practices to eliminate trafficking in human beings and the exploitation of prostitution. Trafficking in human beings and the exploitation of prostitution constitute a serious violation of human rights. Most identified victims are women and girls, their sexual exploitation being the purpose of trafficking is linked to organised crime in most cases. The total number of victims has grown considerably following the unprecedented increase in migration and forced displacement, due to armed conflicts, persecution, human rights violations, and the outbreak of COVID-19. 6 months after the adoption of CEDAW General recommendation No. 38 on trafficking in women and girls in the context of global migration and 2 years after France and Sweden have developed a common strategy for combating human trafficking for sexual exploitation in Europe and globally, this event aims to create a platform to share lessons learned on efforts to eliminate sexual exploitation and to improve cooperation as well as to support advocacy, initiatives and the mobilisation of additional resources.

Discouraging the demand that fosters trafficking for the purpose of sexual exploitation

Ein gibt ein sehr wichtiges neues Dokument der OSCE, das den Blick auf die Nachfrageseite richtet und sich mit verschiedenen gesetzlichen Ansätzen in Bezug auf diese Nachfrage auseinandersetzt. Hier vor allem:

  1. Criminalizing the knowing use of services of a trafficking victim
  2. Criminalizing the use of all trafficking victims (strict liability)
  3. Criminalizing all sex buying

Hier geht es zum Dokument: https://www.osce.org/cthb/489388

Ich habe nun auch einen neuen Menüpunkt „Wichtige Dokumente“ angelegt. Ich werde dort nach und nach wichtige Sachen online stellen und verlinken.

Gespräch und Diskussion mit Liliam Altuntas

Am Freitag, den 30.04.2021, hat Liliam Altuntas zum ersten Mal öffentlich in Deutschland gesprochen und uns ihre Geschichte erzählt.

Bereits im Alter von 6 Jahren wurde Liliam von ihrem Onkel sexuell missbraucht und geriet danach in die Fänge von Menschenhändlern. Im Alter von 14 Jahren wurde sie von Brasilien nach Deutschland in die Prostitution gezwungen.

Das Video geht fast 3 Stunden. Bitte nehmt euch die Zeit und hört ihr zu. Sie ist eine ganz starke, warmherzige, liebenswürdige und tolle Frau. Liliam hat uns zum Weinen, aber auch zum Lächeln gebracht.

Edit:

Das Gespräch ist jetzt auf YouTube, die anfänglichen 10 Minuten mit Warten und Technikproblemen konnte ich rausschneiden.

Ein Text über die Sexualität von Frauen

Für dieses Thema bin ich eigentlich die falsche Ansprechpartnerin, dachte ich anfangs. In gewisser Weise schon, aber letztlich auch wieder nicht, denn ich habe einiges erlebt, gesehen und gehört. Meine Geschichte und der Umgang damit ist der Grund, weshalb mich immer wieder Frauen ansprechen, die Rat suchen und mit mir über dieses Thema reden möchten. Über ein spezielles Thema: es ist das Thema Sexualität von Frauen im Generellen oder eher: warum mit ihrem Partner diesbezüglich alles schiefläuft.

Dieses Thema ist sehr schambehaftet und daher wird es häufig unter den Teppich gekehrt. Deshalb mache ich es nun einmal publik und fasse in diesem Text die wichtigsten Punkte zusammen, die ich immer wieder höre, denn es betrifft sehr viele Frauen.

Das Thema Sexualität von Frauen ist ein Thema, welches auch, aber nicht nur etwas mit der Prostitution zu tun hat. Mit der Prostitution hat es nur insofern etwas zu tun, als dass die Prostitutionsausübung rein gar nichts mit der Sexualität von Frauen zu tun hat.

Frauen in der Prostitution prostituieren sich nicht, weil sie Lust auf Sex haben, sondern sie tun es für Geld, wobei die Gründe dafür divers sein können: Ausbeutung durch Dritte, Trauma, Armut, eine Kombination aus allem, etc. Natürlich müssen sie sagen, dass sie das alles toll finden und auch so tun, das gehört zum „Geschäft“ dazu, zur Illusion, die man für den Freier schaffen muss, dafür wird man bezahlt – die Wahrheit ist es allerdings nicht. Dort, wo Sexualität gekauft wird, kann logischerweise keine Lust entstehen. Im Gegenteil. Es fühlt sich an wie Missbrauch. Eine Aussteigerin sagte mal, es ist wie ein Vertrag, den man unterschreibt, vergewaltigt zu werden. Ich stimme ihr vollends zu, so ähnlich fühlt es sich an. Man hat seine Einwilligung „in den Akt“ zwar abgegeben, aber das Gefühl, missbraucht zu werden, das verschwindet dadurch nicht.

Wer spricht heutzutage schon offen über die Sexualität von Frauen? Viele schauen Pornos und dort wird quasi verkauft, dass die dort ausgeübte Sexualität das sei, was Männer und Frauen wollen. Es findet dadurch auch eine Art Sozialisation statt, wie Sex auszusehen hat. Dass Männer das oftmals wollen, weiß ich leider durch das, was ich in der Prostitution gesehen habe. Was in Pornos stattfindet, ist allerdings nicht das, was Frauen schön finden. Pornografie ist letztlich nur gefilmte Prostitution. Das, was die allermeisten Frauen nicht wollen, ist mit der Pornografie daher in den Haushalten von vielen heterosexuellen Beziehungen angekommen – und wird als Basis für sexuelle Handlungen verwendet. Das entfremdet die Frauen meist vollständig von ihrer eigenen Sexualität. Viele werden auch taub in Bezug auf ihre eigenen Empfindungen.

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Aufklärungsarbeit in Schulen

Heute war ich wieder bzgl. Aufklärungsarbeit im Bereich Prostitution und Menschenhandel an einer Schule bzw. wegen Covid-19 wurde das online durchgeführt. Mittlerweile wird vermehrt über die Themen Prostitution und Menschenhandel (insbesondere auch über die Loverboy-Methode) gesprochen, aber trotzdem noch zu wenig. Diese Themen gehören aber flächendeckend in den Schulunterricht, denn es ist die Aufgabe des Staates, Kinder und Jugendliche zu schützen. Diese flächendeckende Aufklärung gibt es leider immer noch nicht.

An das erste Mal Aufklärungsarbeit in der Schule kann ich mich gut erinnern. Ich war so dermaßen nervös, dass ich kurz vorm Weglaufen war. Junge Menschen, die in dem Alter sind, in dem ich damals rekrutiert wurde. Das hat irgendwas in mir ausgelöst und tut es heute noch, wenn ich mit ihnen rede. Ich fühle eine ganz besondere Verantwortung und auch eine Art Verbundenheit, denn sie sind ein noch verletzlicher und ganz besonders zu schützender Teil unserer Gesellschaft. Auch ich gehörte damals zu diesem Teil.

Letztlich ist die Arbeit mit jungen Menschen genau das, was am aller wichtigsten ist und mir viel bedeutet. Sie sind es, die heranwachsen und die neue Generation bilden, die unsere Gesellschaft in Zukunft prägen und formen werden. Wenn jemand langfristig diese Welt verändern kann, auch in Bezug auf die Themen Prostitution und Menschenhandel, dann sind sie es.

Wenn ich mit Jugendlichen und Heranwachsenden ins Gespräch komme, dann kann ich in deren Reaktionen sehen, dass es unmittelbar, jetzt in diesem Moment, etwas bringt, was ich hier tue.

Einmal war ich in einer Klasse, in der ein Junge anfangs vor dem Gespräch sehr auffällig und nervös war. Während der Diskussion hat er sich dann gemeldet und gesagt, dass sein Vater Zuhälter und im Gefängnis war und dass er es total super findet, dass ich aus einer anderen Perspektive darüber berichte. Wie aus einem Wasserfall ist alles aus ihm herausgebrochen. Die Lehrerin schien diese Offenbarungen auch nicht erwartet zu haben. Die Gespräche dort waren sehr locker, wie eine Art Lagerfeuergespräch unter Kumpels, alles auf einer Wellenlänge. Die Schüler und Schülerinnen waren sehr interessiert und bombardierten mich regelrecht mit Fragen – wie nahezu immer, wenn ich an Schulen oder sonstigen Jugendeinrichtungen auftauche und mit diesen ins Gespräch komme.

Dann war ich auch mal ganz oben im Norden Deutschlands an einer Schule. Das hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt dort organisiert. Da wurden am Ende meines Vortrags Zettel ausgeteilt, auf die die Schüler und Schülerinnen Fragen schreiben konnten, die sie an mich haben. Somit war das eine Art anonyme Fragestunde, ohne dass sich jemand melden musste. Ich habe dann Zettel um Zettel aus der Box genommen und die Fragen laut vorgelesen und sie beantwortet. Eine Frage davon war, wo man sich Hilfe suchen kann, wenn man sexuell missbraucht wird. Warum solch eine Frage gestellt wird, kann man mutmaßen. Auch diese Frage habe ich laut vorgelesen und beantwortet, denn nun stand die Möglichkeit im Raum, dass ein Schüler oder eine Schülerin hier sexuell missbraucht wird, sich nicht offenbaren, aber eine professionelle Anlaufstelle suchen möchte. Auszuschließen war das jedenfalls bei so einer Fragestellung nicht. Die Lehrerin sowie auch ich waren besorgt und gaben die nötigen Hilfestellungen sowie auch Gesprächsangebote.

Man denkt es nicht, aber nahezu in jeder Schule und Einrichtung, wo ich war, gab es Schnittpunkte zum Rotlicht /Prostitution oder zu sexuellem Missbrauch. Die Teilnehmenden heute waren etwas älter als 15 Jahre, als ich zunächst dachte. Eine davon war als Minderjährige schon in der Prostitution. Dies zeigt sehr gut, dass die Aufklärung früher beginnen muss. Viele denken immer, diese Themen sind so weit weg, aber das sind sie ganz und gar nicht. Sie finden mitten unter uns statt, werden nur häufig leider totgeschwiegen, was Kindern und Jugendlichen nicht hilft, im Gegenteil.

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Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit – wie ich dazu kam, was diese in sich birgt und was ich mir von Menschen wünsche, die mit Aussteigerinnen und Betroffenen zum Zweck der Informationsgewinnung sprechen

Angefangen hat es bei mir mit diesem Blog. Zunächst habe ich einfach nur anonym geschrieben, denn ich liebe das Schreiben und fing das schon in sehr jungen Jahren an. Es war eine Art Ventil für mich. Dass ich mich schon früh aufgrund der Situation zuhause ins Internet geflüchtet habe, ist ja bekannt und früher habe ich dann im Internet vor allem auch viele Gedichte und Aphorismen auf einer Literaturplattform geschrieben, mich dort mit anderen Schreibenden ausgetauscht und war auch Teil einer Anthologie. Heute kann ich im Generellen aber nur ausdrücklich und mit Nachdruck davor warnen, dass Kinder und Jugendliche über ihre Probleme, wie ich damals, im Internet schreiben und darüber erzählen, sei es in Gedichten, Chaträumen, Instagram, Facebook, etc., denn leider gibt es viele, die die wunden Punkte der Kinder und Jugendlichen für ihre Zwecke zu nutzen wissen, so wie es mein Zuhälter dann tat, als ich ihn im Chat kennenlernte. Ihr könnt eure Kinder natürlich nicht dauerüberwachen, aber ihr solltet sie frühzeitig über mögliche Gefahren des Internets aufklären. Das ist zwar leider keine Garantie dafür, dass sie von den Gefahren verschont bleiben, aber jedenfalls eine wichtige und dringend nötige Warnung, so dass sie zumindest sensibilisiert sind und bestimmte Muster und Vorgehensweisen erkennen können.

Das Schreiben auf diesem Blog war anfangs vor allem eine Art Auseinandersetzung mit meinen ganzen Jahren im Milieu, denn vieles habe ich zunächst selbst überhaupt gar nicht richtig einordnen können. Dass es sehr vielen Betroffenen ähnlich geht, merke ich auch daran, dass mich immer wieder Frauen aus der Prostitution anschreiben und mir sagen, dass ihnen meine Texte helfen oder es ihnen hilft, wenn sie mich sprechen hören, um die ganzen (psychologischen) Zusammenhänge und Mechanismen und somit auch ihre eigene Geschichte in ihrer jeweils individuellen Ausprägung vollends verstehen sowie teilweise auch erst aufarbeiten zu können. Vor allem im Bereich der Loverboy-Methode. Außenstehende, die nicht in diesem Thema drin sind, können das häufig nicht nachvollziehen, da ist es mehr als gut mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten und sich austauschen zu können.

Durch diesen Blog bekam ich dann jedenfalls nach und nach Kontakte zu anderen Menschen, die in diesem Bereich aufklären und Stück für Stück habe ich meine Anonymität immer weiter aufgegeben. Das war alles ein Prozess. Ich wusste, dass es unschön werden wird, wenn ich anfange, mein Gesicht zu zeigen und aus der Anonymität heraus zu treten, aber irgendwann war ich an dem Punkt angelangt, dass ich es dennoch tat.

Und ja, es wurde sehr unschön, aber damit hatte ich gerechnet und dies in Kauf genommen.

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Prostitution & Vergewaltigung

Prostitution als empowernde und problemlose „Sexarbeit“? Hierbei wird immer ausgeblendet, wie enorm hoch vor allem die sexuellen Gewalterfahrungen in der Prostitution sind, u.a. Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe. Natürlich gibt es auch diverse andere Übergriffe, aber mir geht es nachfolgend nun vor allem um sexuelle Gewalt. Ja, Profiteure der Sexindustrie (ob sie nun unmittelbar oder mittelbar profitieren) leugnen das, sie wollen die heile Glitzerwelt der Prostitution aufrecht erhalten, um ihren Profit zu schützen. Das ändert aber nichts an den hohen sexuellen Gewalterfahrungen in der Prostitution, wozu es im Übrigen auch Studien gibt, die dies belegen. Junge Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen, haben ein Recht darüber aufgeklärt zu werden, um gewarnt zu sein, anstatt die Schleife der ewigen Verharmlosungen und Bagatellisierungen von Prostitution zu hören!

Reden wir also Klartext: Prostitution ist der Garant dafür, schwere sexuelle Gewalterfahrungen zu machen.

Die Wahrscheinlichkeit, in der Prostitution vergewaltigt zu werden oder anderen sexuellen Übergriffen ausgesetzt zu sein, ist enorm hoch. In der Prostitution finden oft Vergewaltigungen sowie auch andere sexuelle Übergriffe gegen die Frauen statt. Hinter verschlossenen Türen. Sie bleiben meist ungeahndet. Manche Freier sowie auch andere Personen sind der Ansicht, eine prostituierte Frau könne man gar nicht vergewaltigen, man habe sie schließlich für den Geschlechtsverkehr bezahlt. Dies ist natürlich, auf gut Deutsch gesagt, totaler Quatsch. Unabhängig davon, dass Prostitution an sich für die meisten Frauen eine sexuelle Gewalterfahrung darstellt und schwer traumatisierend ist, sie die erlebte und gefühlte Gewalt aus Schutzgründen heraus aber meist leugnen müssen, sind Vergewaltigungen selbstverständlich auch in der Prostitution möglich und finden dort auch zahlreich statt. Das Problem ist allerdings: wer glaubt schon einer prostituierten Frau, die erzählt, sie sei vergewaltigt worden? Diese Frage schwebt in den Köpfen vieler der Frauen herum und ist einer der Gründe, warum viele nicht anzeigen. Sie schämen sich eh schon für ihr Leben und ihr ganzes Dasein und dann noch die mögliche Gefahr in Kauf nehmen, dass man von einer Vergewaltigung erzählt, die einem keiner glaubt? Will man das? Nein, es ist das Letzte, was man in dieser Situation braucht.

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Fehlendes Opferbewusstsein im Bereich der sexuellen Ausbeutung

Empathie = die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen (Duden 📒).

Empathie ist überall im Leben wichtig. Besonders wichtig ist sie auch, um Betroffenen von Prostitution und Menschenhandel helfen zu können. Sie zu verstehen ist essenziell, um sie da raus holen zu können.

Im nachfolgenden Text geht es mir besonders um ein Thema, das ich immer mal wieder angesprochen habe:

fehlendes Opferbewusstsein im Bereich der Ausbeutung in der Prostitution.

Viele betroffene Frauen von Ausbeutung durch dritte Personen sagen/schreiben mir, sie hatten auch kein Opferbewusstsein in Bezug auf Menschenhandel und Zwangsprostitution. Manche haben es heute noch nicht so richtig, obwohl ihnen die schlimmsten Dinge passiert sind. Es sei ihre Wahl gewesen, sie fühlen sich schuldig – obwohl sie ausgebeutet wurden.

Das häufig nicht vorhandene Opferbewusstsein, vor allem im Bereich der sog. Loverboy-Methode, ist ein großes Problem im Bereich des Menschenhandels und der Zwangsprostitution. Wie soll sich jemand Hilfe suchen, wenn er sich nicht als Opfer fühlt? Wie kann man einer Frau helfen, die immer wieder Hilfe von außen abweist, weil sie sich nicht als Opfer wahrnimmt? Weil sie denkt, es sei normal, was man mit ihr macht, da sie keinen guten Umgang mit sich kennt. Weil sie denkt, sie muss das alles aushalten können, etc.

Das ist ein Thema, worüber nicht so gerne gesprochen wird, weil viele es nicht verstehen und nicht nachvollziehen können, dieses „kein Opferbewusstsein haben“ im Bereich sexueller Ausbeutung. Sie haben die „Frau in Ketten“ im Kopf, die irgendwo in einem Keller sitzt und vor Freude jubeln würde, wenn die Polizei auftaucht, um sie zu retten, aber nicht jene, die sich selbst nicht als Opfer sehen, ihre Situation nicht artikulieren können.

Das betrifft aber so viele. Immer wieder schreiben mir Frauen und sagen, dass sie dieses Opferbewusstsein nicht hatten. Ich bekomme immer wieder Nachrichten, die davon handeln, dass die eigene Ausbeutung durch dritte Personen (meist durch den sog. „Freund“/ „Mann“ oder die eigene Familie) lange Zeit geleugnet wurde, dass die Polizei penetrant abgewiesen wurde, dass der/die Täter und das ganze System „Rotlichtmilieu“ energisch verteidigt wurden.

Eine Sensibilisierung diesbezüglich ist daher sehr wichtig.

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