Beziehung

Ein paar Zeilen. An ein paar Männer.

Ein paar Zeilen. Für ein paar Männer (ausgenommen die, die bereits respektvoll mit Frauen umgehen).

Ein rotes Tuch: Männer, die mich irgendwo (Internet/Zeitung/Fernsehen) gesehen haben und mir niveaulose Facebook Nachrichten oder anderswo Annäherungsversuche schreiben, mich treffen wollen, mich „kennenlernen“ wollen. Sätze wie z.B. die letzten Tage wieder:

„Guten Morgen Schönheit“ oder man schreibt gleich direkt die Telefon-Nummer rein, wo ich mich zum Kennenlernen melden soll.

Es ist primitiv und respektlos.

An solche Männer da draußen, ihr seid auf einem Profil, wo eine Frau, ich, über erlebte sexuelle Gewalt und Ausbeutung DURCH MÄNNER spricht. Ihr seid hier NICHT auf einer Single – oder Kontaktbörsenseite. Ich bin an der Öffentlichkeit, um über Gewalt und Ausbeutungsverhältnisse aufzuklären, um diese Dinge zu verhindern, um vor allem junge vulnerable Mädchen und Frauen zu schützen, und nicht, um mich Annäherungsversuchen durch irgendwelche Männer auszusetzen, die meinen, ihren nicht vorhandenen Charme versprühen zu müssen. Im Übrigen: es wird bei mir nie wieder eine Beziehung mit einem Mann geben. Ich verrate euch jetzt mal einen meiner größten Wünsche für die Zeit, die ich noch auf dieser Erde bin: ich möchte nie wieder ein männliches Geschlechtsteil sehen.

Das heißt nicht, dass ich eine „Männerhasserin“ bin. Ich kenne sehr nette Männer, die sich auch engagieren und die ich menschlich sehr mag. Ich schätze ehrenvolle Männer sehr, die sich wie normale Menschen und nicht wie triebgesteuerte Affen verhalten.

Bitte mehr davon.

Leider wollen manche Männer im Jahr 2020 immer noch nicht verstehen, dass sie keine Affen sind. So oft höre ich: „Aber mein Trieb, der ist biologisch bedingt, aber wenn ich keinen Sex habe, dann tut mir mein „Sack“ weh…“ Oh bitte… ich kann es nicht mehr hören. Ihr seid doch keine Tiere. Wenn dem so sein sollte, benutzt eure Hand oder was auch immer. Ihr seid doch erwachsene Menschen, die allerlei Möglichkeiten haben. Ihr habt aber kein Recht, eine Frau als euer „Selbstbefriedigungswerkzeug“ anzusehen und sie als solches zu benutzen, nur weil ihr eure Sexualität nicht im Griff habt oder haben wollt oder denkt, jemand anderes müsse dafür herhalten.

Und ich sage das vor allem auch aus diesem Grund:

ich habe mit so vielen Frauen gesprochen, die nicht in der Prostitution waren, aber mit Männern in Beziehungen waren und so viele erzählten mir, dass es sich oft wie Prostitution anfühle, denn oft wollten sie keinen Sex, sie würden sich eben hinlegen und die paar Minuten über sich ergehen lassen, damit der Partner aufhört zu drängeln und zufrieden ist, damit er hat, was er möchte. Das habe ich nicht einmal gehört, sondern ständig. Darüber spricht bei uns in der Gesellschaft keiner so richtig. Es gibt keinen Anspruch auf Sex. Auch nicht in einer Beziehung. Es braucht immer Konsens. Wenn eure Partnerin nicht möchte, dann möchte sie nicht. Wer es dennoch tut, um seinen Trieb zu befriedigen, der hat eine Vergewaltigerdenke verinnerlicht, ob er es wahrhaben möchte oder nicht. Sex ist nicht zu trennen von Körper und Seele. Ungewollter Sex macht immer etwas mit einem Menschen. Auch in einer Beziehung. Auch in einer Beziehung ist ungewollter Sex Missbrauch. Denn nur weil man zusammen ist, heißt das nicht, dass man zu jeder Zeit einen Anspruch auf den Körper des anderen hat. Der Körper gehört immer noch dem anderen Partner. Es braucht bei jedem Akt Konsens. Ist dieser nicht da, ist es schlicht und einfach Missbrauch.

In vielen Beziehungen herrscht dieser Missbrauch, weil die Frauen es gewohnt sind, sich eben „hinzulegen“, die Augen zuzumachen und zu warten, bis es vorbei ist. Für viele ist das die tägliche, wöchentliche oder monatliche „Routine“. Viele erkennen es nicht mal mehr als Missbrauch, weil die Leute oft sagen „In der Beziehung macht man das halt, da muss ja der Druck irgendwie abgelassen werden“. Der BGH war ja damals auch sehr komisch drauf und schrieb, dass die Ehepartner den Geschlechtsverkehr nicht „nur“ teilnahmslos über sich ergehen lassen sollen, sondern sie sollten quasi auch so tun, als ob es ihnen gefällt und die Ehe verbiete es, beim Sex „Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.“ (BGH, 02.11.1966 – IV ZR 239/65). Das war 1966. Wir sind jetzt im Jahr 2020 und so ein Urteil würde heute ganz bestimmt nicht mehr ergehen. Im Familienrecht sagen manche Stimmen zwar sogar heute noch, dass es eine Pflicht zum Geschlechtsverkehr in der Ehe gibt. Das kann allerdings nicht vollstreckt werden (*Ironie off). Darüber überhaupt sprechen zu müssen ist so absurd, denn es geht hier nicht darum, den Frühstückstisch zu decken, Staub zu saugen, Wäsche zu machen oder um sonstige „Aufgaben“ in einer Ehe, sondern um ungewollten Geschlechtsverkehr. Und der ist immer Missbrauch und kann niemals eine „Aufgabe“ oder „Pflicht“ sein. Wenn eure Partnerin weniger Sex haben möchte als ihr oder auch keinen Sex, dann akzeptiert das und wenn es nicht in euer „Lebenskonzept“ passt, weil ihr anstatt zu lieben und den anderen in seinen Wünschen und Gefühlen zu respektieren lieber eure regelmäßige „Triebabfuhr“ wünscht, dann trennt euch am besten, aber begeht keinen Missbrauch.

Dieser fängt auch oft schon visuell oder verbal auf der Straße an: sexualisierte Blicke, sexualisierte Sprüche und sexualisierte Anekdoten. Das ist auch eine Form von Gewalt.

Ich empfehle diese Seite: https://www.acalltomen.org/ Ich habe Ted Bunch schon live gehört und sowas bräuchte es auch dringend in Deutschland. Männer können und sollten Teil der Lösung sein, wenn es darum geht, Gewalt gegen Frauen zu stoppen: https://www.acalltomen.org/resources/a-call-to-men-the-next-generation-of-manhood/

„I founded A Call To Men with Ted Bunch almost 20 years ago. Since that time, our organization has been educating men all over the world to better understand how their collective socialization shapes their views on manhood, women, and girls. Nearly all men are socialized to view women as property, objects, and as having less value than men. That collective socialization lays the foundation for all forms of violence and discrimination to persist… We are asking men to step forward—to move beyond their fear and uncertainty—and become part of the solution to end widespread violence and discrimination against all women and girls.“ https://qz.com/work/1415245/this-ceo-makes-a-strong-case-for-how-feminism-liberates-men/?fbclid=IwAR0NhNOJctKhwGf0bAxBXUgYJVNyR5MQopB4W9ZbBEG9aY1ysLDhxf6OVj4

Foto: Leif Piechowski