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Neuigkeiten

Ich habe einen neuen Menüpunkt „Aktuelles“ geschaffen. Dort werdet ihr ab jetzt immer aktuelle Dinge zum Thema finden, seien es Veranstaltungen, Ankündigungen, wichtige Neuigkeiten, wichtige Dokumente, etc. Schaut also gerne ab und an nach, wenn ihr auf dem Laufenden bleiben möchtet. Die Webseite hier werde ich in der nächsten Zeit noch weiter ausbauen und informationsreicher gestalten.

Den ersten Beitrag unter „Aktuelles“ teile ich auch hier nochmal:

SAVE THE DATE für eine internationale und hochkarätige englisch-deutsche online Fachtagung am 24.6. und 25.6., organisiert von der Konrad Adenauer Stiftung, dem ODIHR (OSZE) und Gemeinsam gegen Menschenhandel.

Programm: Programm / Program | GGMH Fachtagung 2021

Anmeldung unter: Registration (google.com)

Dann möchte ich mich noch bei den Menschen bedanken, die hinter mir stehen und mich unterstützen. Von gestern greife ich nur mal ein paar Facebook-Kommentare auf meinen Detektiv-Beitrag hin auf:

„Es bedeutet, dass deine wertvolle Arbeit inzwischen so viel Wirkung entfaltet, dass diese Gruppe ihre Felle davon schwimmen sieht.“

„Es zeigt, wieviel Angst die Pro-Lobby vor Frauen wie dir hat! Lass dich bloß nicht einschüchtern, der Blick auf Prostitution in Politik und Bevölkerung ändert sich langsam, aber stetig und das haben Frauen wie du geschafft!“

„Das System Prostitution ist gekennzeichnet von Gewalt und ein Angriff auf eine Person aus dem Hinterhalt ist ein Akt der Gewalt. Es zeigt aber auch wieviel Angst die haben. Gegen eine starke Frau wie Dich haben sie keine Chance!“

„Jede laute Stimme provoziert Täter und Täterinnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich wozu TäterInnen fähig sind, um solche Stimmen wie Deine zum Schweigen zu bringen, daher gib gut auf Dich acht.“

„Ich sag nur "follow the money". Eine schwerreiche Ausbeuterlobby handelt hier gemäss ihrem sonstigen ethischen Niveau.“

„Atemberaubend, was die sich alles einfallen lassen. Es wirft mal wieder kein gutes Licht auf die Proprostitutionslobby. Wie gut, dass du es öffentlich machst. Wir stehen an deiner Seite.“

Danke für eure Unterstützung ❤

Gespräch und Diskussion mit Liliam Altuntas

Am Freitag, den 30.04.2021, hat Liliam Altuntas zum ersten Mal öffentlich in Deutschland gesprochen und uns ihre Geschichte erzählt.

Bereits im Alter von 6 Jahren wurde Liliam von ihrem Onkel sexuell missbraucht und geriet danach in die Fänge von Menschenhändlern. Im Alter von 14 Jahren wurde sie von Brasilien nach Deutschland in die Prostitution gezwungen.

Das Video geht fast 3 Stunden. Bitte nehmt euch die Zeit und hört ihr zu. Sie ist eine ganz starke, warmherzige, liebenswürdige und tolle Frau. Liliam hat uns zum Weinen, aber auch zum Lächeln gebracht.

Edit:

Das Gespräch ist jetzt auf YouTube, die anfänglichen 10 Minuten mit Warten und Technikproblemen konnte ich rausschneiden.

Aufklärungsarbeit in Schulen

Heute war ich wieder bzgl. Aufklärungsarbeit im Bereich Prostitution und Menschenhandel an einer Schule bzw. wegen Covid-19 wurde das online durchgeführt. Mittlerweile wird vermehrt über die Themen Prostitution und Menschenhandel (insbesondere auch über die Loverboy-Methode) gesprochen, aber trotzdem noch zu wenig. Diese Themen gehören aber flächendeckend in den Schulunterricht, denn es ist die Aufgabe des Staates, Kinder und Jugendliche zu schützen. Diese flächendeckende Aufklärung gibt es leider immer noch nicht.

An das erste Mal Aufklärungsarbeit in der Schule kann ich mich gut erinnern. Ich war so dermaßen nervös, dass ich kurz vorm Weglaufen war. Junge Menschen, die in dem Alter sind, in dem ich damals rekrutiert wurde. Das hat irgendwas in mir ausgelöst und tut es heute noch, wenn ich mit ihnen rede. Ich fühle eine ganz besondere Verantwortung und auch eine Art Verbundenheit, denn sie sind ein noch verletzlicher und ganz besonders zu schützender Teil unserer Gesellschaft. Auch ich gehörte damals zu diesem Teil.

Letztlich ist die Arbeit mit jungen Menschen genau das, was am aller wichtigsten ist und mir viel bedeutet. Sie sind es, die heranwachsen und die neue Generation bilden, die unsere Gesellschaft in Zukunft prägen und formen werden. Wenn jemand langfristig diese Welt verändern kann, auch in Bezug auf die Themen Prostitution und Menschenhandel, dann sind sie es.

Wenn ich mit Jugendlichen und Heranwachsenden ins Gespräch komme, dann kann ich in deren Reaktionen sehen, dass es unmittelbar, jetzt in diesem Moment, etwas bringt, was ich hier tue.

Einmal war ich in einer Klasse, in der ein Junge anfangs vor dem Gespräch sehr auffällig und nervös war. Während der Diskussion hat er sich dann gemeldet und gesagt, dass sein Vater Zuhälter und im Gefängnis war und dass er es total super findet, dass ich aus einer anderen Perspektive darüber berichte. Wie aus einem Wasserfall ist alles aus ihm herausgebrochen. Die Lehrerin schien diese Offenbarungen auch nicht erwartet zu haben. Die Gespräche dort waren sehr locker, wie eine Art Lagerfeuergespräch unter Kumpels, alles auf einer Wellenlänge. Die Schüler und Schülerinnen waren sehr interessiert und bombardierten mich regelrecht mit Fragen – wie nahezu immer, wenn ich an Schulen oder sonstigen Jugendeinrichtungen auftauche und mit diesen ins Gespräch komme.

Dann war ich auch mal ganz oben im Norden Deutschlands an einer Schule. Das hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt dort organisiert. Da wurden am Ende meines Vortrags Zettel ausgeteilt, auf die die Schüler und Schülerinnen Fragen schreiben konnten, die sie an mich haben. Somit war das eine Art anonyme Fragestunde, ohne dass sich jemand melden musste. Ich habe dann Zettel um Zettel aus der Box genommen und die Fragen laut vorgelesen und sie beantwortet. Eine Frage davon war, wo man sich Hilfe suchen kann, wenn man sexuell missbraucht wird. Warum solch eine Frage gestellt wird, kann man mutmaßen. Auch diese Frage habe ich laut vorgelesen und beantwortet, denn nun stand die Möglichkeit im Raum, dass ein Schüler oder eine Schülerin hier sexuell missbraucht wird, sich nicht offenbaren, aber eine professionelle Anlaufstelle suchen möchte. Auszuschließen war das jedenfalls bei so einer Fragestellung nicht. Die Lehrerin sowie auch ich waren besorgt und gaben die nötigen Hilfestellungen sowie auch Gesprächsangebote.

Man denkt es nicht, aber nahezu in jeder Schule und Einrichtung, wo ich war, gab es Schnittpunkte zum Rotlicht /Prostitution oder zu sexuellem Missbrauch. Die Teilnehmenden heute waren etwas älter als 15 Jahre, als ich zunächst dachte. Eine davon war als Minderjährige schon in der Prostitution. Dies zeigt sehr gut, dass die Aufklärung früher beginnen muss. Viele denken immer, diese Themen sind so weit weg, aber das sind sie ganz und gar nicht. Sie finden mitten unter uns statt, werden nur häufig leider totgeschwiegen, was Kindern und Jugendlichen nicht hilft, im Gegenteil.

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Warum Frauen ihre Ausbeutung verteidigen

 

Hände

Bild: Rosa Makstadt

Ein Text von Sandra Norak und Dr. Ingeborg Kraus, 01.12.2019

 

Es fällt uns auf, dass bei manchen Veranstaltungen zum Thema Prostitution und Nordisches Modell Profiteure des Systems auftauchen, dass u.a. ganz ungeniert Zuhälter und Bordellbetreiber auftreten und Zwischenrufe tätigen. Uns fällt auf, dass diese vermehrt mit Frauen auftauchen, die in ihren Etablissements als Prostituierte tätig waren und jetzt ebenfalls von der Prostitution anderer profitieren oder aber dass sie Frauen mitnehmen, die gerade noch in der Prostitution bei ihnen tätig sind. Der Verdacht liegt nahe, dass diese sich noch in der Prostitution befindenden Frauen als Schutzschild für die Zwecke der Profiteure missbraucht werden. Dieses Szenario ist uns sehr stark in einer Veranstaltung diese Woche in Karlsruhe aufgefallen und gab uns den Anlass zu diesem Text.

Es ist eindeutig, dass deren Ziel war, die Veranstaltung zu sprengen und das Nordische Modell ohne jegliche Argumentationskultur oder Diskussion dazu zu diskreditieren. Es schien, als hätten sich diese Menschen gezielt organisiert zu kommen, um die Veranstaltung zu sabotieren.

Ok, dass die Profiteure, wie Bordellbetreiber und Zuhälter, kommen und ihr Wirtschaftsmodell und das viele Geld, das sie damit verdienen, nicht verlieren wollen ist klar und erscheint nicht verwunderlich. Uns fällt allerdings auf, dass vermehrt auch Frauen mitgenommen werden, die noch in der Prostitution sind, um das System zu verteidigen.

Medien stürzen sich dann unreflektiert auf die Aussagen dieser Frauen, drucken es am nächsten Tag und verbreiten dadurch ein verzerrtes und unvollständiges Bild des Rotlichtmilieus. Das ist bedauerlich.

Ich (Sandra) habe mir die Frage gestellt, wie hätte ich damals reagiert, als ich noch in der Prostitution war, von einem Menschenhändler und Zuhälter ausgebeutet wurde, und von Leuten aus einem Bordell zu so einer Veranstaltung mitgenommen worden wäre. Wie hätte ich mich nach außen hin verhalten?

Ich hätte meine Ausbeuter und das System bis aufs Blut verteidigt. Ich hätte meinen Schmerz weggedrückt, ausgeblendet.

Warum? Das ist die große Frage.

Einmal aufgrund fehlenden Opferbewusstseins, das bei vielen vorherrscht. Auf der anderen Seite ist die Bindung zu einem Täter und zu einem System, das auf Ausbeutung aufgebaut ist, höchst unsicher, gefährlich, auf Druck und „Funktionieren“ aufgebaut und verlangt eine vollständige Loyalität nach außen hin. Die Maske muss aufrechterhalten werden. Die Gewalt darf nicht ausgesprochen werden. Ein Abweichen dieser Loyalität führt zu einem Bruch der Bindung, zu einem Ausschluss aus einem System, was für viele der Betroffenen in ihrem Leben den einzigen Halt zu geben scheint, weil sie trotz ihrer Ausbeutung eine Art Familien – /Zugehörigkeitsgefühl entwickelt haben. Nach der Vorstellung: es ist besser einen Menschen zu haben, der an meiner Ausbeutung, an meinem Leid beteiligt ist, anstatt niemanden zu haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen Bindungen und viele Menschen, vor allem in vulnerablen Lebenslagen, haben große Angst davor allein zu sein.

Ein Abweichen der Loyalität nach außen hin wird auch als Verrat angesehen, also als das Schlimmste, was man im Rotlichtmilieu tun kann. Das sagt auch Manfred Paulus, 1. Kriminalhauptkommissar a.D., der jahrzehntelang im Bereich des Rotlichts und der organisierten Kriminalität gearbeitet hat und die Strukturen und eigenen Regeln des Milieus kennt. Das, was die Strukturen, die organisierte Kriminalität und das ganze Prostitutionssystem am Leben erhält, ist bedingungslose Loyalität nach außen hin. Die Konsequenzen eines Verrats dieser Loyalität, wozu auch abweichende Meinungen zählen können, sind in der Regel schwerwiegend, was bedeutet, dass Menschen, die aus dem System ausbrechen und reden, mit gravierenden Folgen rechnen müssen. Das sind die Gründe, warum das Rotlichtmilieu ein Milliardengeschäft ist und so gut funktionieren kann – weil nur wenige der Ausgebeuteten darüber sprechen. Und hinzu wird es Betroffenen auch schwer gemacht darüber zu sprechen, da aufgrund unserer Gesetzgebung das ganze Milieu normalisiert und bagatellisiert wird. Unser Gesetz zu Prostitution:

„…lügt uns an, es verleugnet die Wahrheit. Es ist Realitätsverleugnung, welche uns staatlich angeordnet wird.“ (Rosa Makstadt)

Auch das hilft, dieses gewaltbesetzte Milieu am Leben und die Opfer gefangen zu halten.

Die Ur-Oma von einer Überlebenden der Prostitution aus Amerika, Vednita Carter, war eine Sklavin. Auch zu ihrer Zeit wollten viele in der Sklaverei bleiben, weil es ihnen eine gewisse Sicherheit gab, Unterkunft und Essen. Die Freiheit hat vielen auch Angst gemacht wegen der mit ihr verbundenen Ungewissheit. Wir brauchen keine Verbesserung der Situation der Sklaven, sondern wir brauchen eine Abschaffung der Sklaverei, sagte die Ur-Oma. In Bezug auf die Prostitution, in der Carter war, sagt sie heute, dass wir eine Revolution benötigen. Eine Abschaffung des Systems, keine Verbesserung der Ausbeutung.

Es geht uns nicht darum, die Frauen in diesen Situationen anzugreifen, das sollte keiner tun, sondern es geht uns darum, die Mechanismen von in der Ausbeutung steckenden Menschen verständlich zu machen und damit die Medien, aber auch alle anderen Menschen, in die Verantwortung zu nehmen, dass sie genauer hinschauen, genauer hinhören, um ein richtiges Bild der Realität der Prostitution zu zeichnen. Sonst unterstützen und fördern sie ein System der Gewalt.

Wir wollen Menschen mit auf den Weg geben, dass die Mechanismen der Gewaltverleugnung/Gewalthinnahme der Betroffenen des Ausbeutungssystems der Prostitution vergleichbar sind mit denen, wie sie sich bei Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, äußern: auch sie lächeln einen oft noch mit einem überschminkten blauen Auge an und werden sagen, dass alles in Ordnung ist und dass ihr Mann sie liebt.

Ist deswegen alles in Ordnung?

3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen, April 2019 in Mainz

Anfang April 2019 fand der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen an der Universität Mainz von CAP International (http://www.cap-international.org/) zusammen mit SOLWODI (https://www.solwodi.de/) und Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (https://www.armut-gesundheit.de/) statt.

Mehr Informationen zum Kongress hier https://www.solwodi.de/seite/388513/weltkongress-2019.html und hier https://solwodiweltkongress.blogspot.com/.

Nachfolgend meine Rede (im Video bleibt leider ein paar Mal der Ton weg).

 

Parlamentarischer Abend, Berlin, 16.01.2019 – Prostitution ist unvereinbar mit der Menschenwürde

Nachfolgend meine Rede vom parlamentarischen Abend in der französischen Botschaft in Berlin vom 16.01.2019, veranstaltet von Sisters e.V. und Gemeinsam gegen Menschenhandel.

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Sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundestages,

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist schön, dass dieser Abend heute stattfindet und dass vermehrt über das Thema Prostitution gesprochen wird, vor allem auch von Seiten der Politik.

Während wir hier in Deutschland eine sehr liberale Gesetzgebung haben und Prostitution als sexuelle Dienstleistung angesehen wird, hat unser Nachbarland Frankreich im Jahr 2016 einen komplett anderen Weg beschritten und das sog. Nordische Modell eingeführt, wie auch schon andere Länder vor ihm.

Das Europäische Parlament hat bereits 2014 in einer Resolution die Meinung vertreten, dass Prostitution, auch die freiwillige Prostitution, nicht mit der Menschenwürde vereinbar ist, dass Prostitution und sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen Formen der Gewalt sind und somit Hindernisse, die der Gleichstellung von Frauen und Männern entgegenstehen, denn nahezu alle Personen, die sexuelle Dienstleistungen kaufen, sind Männer. Diejenigen, die gekauft werden, sind meist Mädchen und Frauen. Die Ausbeutung in der Sexindustrie, so heißt es weiter, ist sowohl Ursache als auch Folge der Ungleichbehandlung der Geschlechter und zementiert die Auffassung, dass die Körper von Frauen und Mädchen käuflich sind. Zugleich wird festgestellt, dass immer mehr Beweise vorliegen, dass mithilfe des Nordischen Modells die Prostitution und der Menschenhandel wirksam verringert und die Gleichstellung der Geschlechter gefördert werden können.[1]

2016 hat das Europäische Parlament in einer Entschließung bzgl. der Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels seine Aufforderung, dem Nordischen Modell zu folgen, wiederholt, indem es die Kommission und die Mitgliedstaaten aufforderte, Leitlinien zur Bestrafung der Kunden nach skandinavischem Vorbild vorzulegen.[2]

Auch der Europarat nahm 2014 Stellung und legte dar, dass er die Kriminalisierung des Kaufs von sexuellen Diensten, basierend auf dem schwedischen Modell, als das wirksamste Instrument zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels ansieht.[3]

Deutschland hingegen geht weiter seinen liberalen Weg und versucht der Prostitution und ihren Auswüchsen mit dem Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) zu begegnen.

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Fachtagung „Die Loverboy-Methode“ + Beitrag von Nadine

 

Grenzüberschreitende Fachtagung von Hadassah an der Universität Saarbrücken zum Thema Loverboys am 14.4. ab 10:30 Uhr

Redner/innen:

Prof. Dr. Jens Vogelgesang, Kommunikationswissenschaften der Universität Stuttgart, Deutschland

Linda Terpstra, Leiterin des Schutzhauses fier, Niederlande

Karin Werkmann, Mitarbeiterin von fier, Niederlande

Viviane Wagner, Verantwortliche der Delegation Mouvement du Nid-Moselle, Frankreich

Inge Hauschildt-Schön, Bürgerinitiative Marburg, Deutschland

– Und ich bin auch dabei!

 

Hadasah

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Mehr dazu hier:

http://hadassah.website/


 

Und im Folgenden findet ihr noch einen kleinen Beitrag von Nadine. Sie war Prostituierte und ihr jetziger Freund half ihr aus der Prostitution raus. Sie hat ihre Geschichte in kurzen Abschnitten aufgeschrieben und möchte sie hier teilen. Ich drücke ihr die Daumen für ihr neues Leben – drückt mit! 🙂

 

Prostitution – Ein Job wie jeder andere!? (by Nadine)

Du hattest doch eine schöne Kindheit, nicht!? Du hattest doch alles! Jedes Spielzeug. Du durftest dich immer mit Freunden verabreden. In der Schule hattest du immer die besten Noten.

Ja. Bis zur weiterführenden Schule stimmt das auch irgendwie. Subjektiv betrachtet. Aber ich war einsam. Du hast mir nie gesagt, dass du mich liebst oder hast mich in den Arm genommen.

Du hast gesagt, du willst von zu Hause raus. Das kostet viel Geld Mädchen. Du liegst mir echt am Herzen, aber ich kann mich doch nicht um alles kümmern. Unser neues Leben kostet viel Geld. Du musst schon was machen. Prostitution. Hm? Na los!

Warum muss ich dir so viel Geld geben? Wofür? Ich weiß, dass du mich manipulierst. Du bist so viel älter als ich. Aber ich brauche dich so sehr. Ich habe doch niemand anderen. Bitte verlass‘ mich nicht!

Wieviel kostest du? Warum machst du es nicht ohne? Eigentlich müsstest du für mich bezahlen! Es ist mir egal, ob es dir weh tut – ich habe schließlich bezahlt. Du bist doch nur eine Nutte!

Schämst du dich nicht für dein Verhalten? Ich bin doch trotzdem ein Mensch! Aber irgendwie auch nicht. Ein Stück Fleisch, welches man benutzt. Ich darf keine Empfindungen haben, sonst gehe ich hier kaputt. Irgendwie wäre es egal. Ich bin mir egal.

Du bist so ein wunderbarer Mensch, das habe ich gleich bemerkt. Du kannst das schaffen! Ich helfe dir dabei. Ich liebe dich! Aufrichtig!

Du bist ein toller Mann. Einer von der Sorte, die ich bislang noch nicht kennen gelernt habe. Ich liebe dich auch! Ich fange an wieder Gutes zu fühlen. Aber dadurch fällt mir der Job nur noch schwerer. Ich kann nun nicht mehr ein totes Stück Fleisch sein.

Wie ist Ihr bisheriger beruflicher Werdegang? Was sind Ihre Stärken? Welches Ihre Schwächen? Aha. Prostitution!? Es tut uns sehr leid, aber das können wir als seriöses Unternehmen leider nicht vertreten. Vielen Dank für Ihre Bewerbung.

Das ist nicht fair! Ich habe Abitur. Ich bin hoch empathisch. Ich bin sehr zielstrebig und gut organisiert. Ich kann mich gut durchsetzen und besitze eine persönliche Reife von der andere träumen. Aber ich bin für unsere Gesellschaft nicht mehr tragbar. Eine ewige Hure also!?

 

Kommentar zu Nadines Text:

Hierzu fällt mir vor allem eine Sache für alle Arbeitgeber/innen ein: ein Opfer von sexueller Gewalt durch die Prostitution sollte man nicht ein zweites Mal zu einem Opfer machen, in dem man es für die Gewalt, die es erlebt hat, beschämt und ausschließt. Denkt mal darüber nach und werdet aktiv! Auch ihr könnt als Unternehmer/innen aktiv werden, in dem ihr euch über die Mechanismen der Prostitution informiert und Integrationsprogramme schafft, bei denen ihr beispielsweise genau für solche Betroffenen Praktika oder Arbeitsplätze anbietet. Unsere Gesellschaft, und damit meine ich ALLE, sollte dabei helfen, diese Menschen, die man damals im Stich gelassen hat, wieder zurück ins Leben zu holen!