Prostitution & Trauma

Demand As Root Cause For Human Trafficking – Sex Trafficking & Prostitution

My testimony about demand and a few mechanisms of trafficking and prostitution at a webinar is online. The webinar was with:

Professor Michel Veuthey, Ambassador of the Sovereign Order of Malta to Monitor and Combat Trafficking in Persons

Sr. Mirjam Beike, Representative at the UN in Geneva for the Sisters of Our Lady of Charity of the Good Shepherd

Brian Iselin, Founder of Geneva-based Slave Free Trade, a nonprofit working on leveraging the might of the blockchain to rid the world of slave labor

Sr. Lea Ackermann, Founder of SOLWODI, an international association that helps women in emergency situations

Inge Bell, German human rights activist, entrepreneur and second chairperson of the women’s rights organization Terre des Femmes and the Bavarian branch of the aid organization Solwodi

Ich habe angezeigt – Ermittlungsverfahren gegen meinen Menschenhändler nach über 2 Jahren eingestellt

Dieser Text wird etwas länger. Kürzer geht einfach nicht. Ich habe dem Tag entgegen gefiebert, ihn zu schreiben. Diese Sache bzw. dass überhaupt ein Ermittlungsverfahren lief, das war bis jetzt nicht öffentlich. Es geht um ein bedeutendes Thema. Wer den Text beginnt, sollte ihn bis zum Ende lesen und bei zu wenig Zeit lieber später nochmal vorbei schauen und ihn dann komplett lesen. Es geht um ein wichtiges Kapitel meines Lebens, aber vielmehr noch geht es vor allem auch um allgemeine Dinge im Bereich der Strafverfolgung speziell im Bereich Menschenhandel und der Loverboy-Methode sowie um das Aufzeigen von komplexen Verstrickungen und Mechanismen dort und im Rotlichtmilieu, über die ich immer wieder berichte und die ich nun an meinem Fall noch konkreter und anschaulicher darlegen kann. Es geht auch um die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden und den Umgang mit Betroffenen im Bereich der Loverboy-Methode.

Ich habe die Justitia als Bild für diesen Beitrag gewählt. Warum? Dazu möchte ich den Juristen Heribert Prantl zitieren:

"Warum trägt die Justitia eine Augenbinde? Die landläufige Antwort lautet: weil sie ohne Ansehen der Person urteilen will und urteilen soll. Die Wahrheit ist eine andere. Die Justiz schämt sich, sie schämt sich dafür, wie sie mit den Opfern umgeht, sie schämt sich dafür, dass sie sich nur auf die Täter konzentriert, aber es an Fürsorge für die Opfer fehlen lässt. Das ist ein Jahrhundertfehler der Justiz, das gehört abgestellt."[1] 

In der Tat, die Justitia schämt sich sicherlich für diese Konzentration auf die Täter und die mangelnde Fürsorge für die Opfer, und ja, dieser Jahrhundertfehler, der auch in meinem Verfahren zu Tage getreten ist, gehört abgestellt.

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Über Geld und Freiheit

Heute möchte ich etwas über Geld schreiben.

Meine Beziehung zu Geld ist ziemlich angekratzt, um es mal so zu formulieren. Das hat mit meiner Prostitutionserfahrung zu tun. Von manchen Anhängern der Pro-Lobby, denen mein Aktivismus nicht passt (weil sie um ihren Profit fürchten) und die „Sexarbeit ist Arbeit“ promoten, habe ich schon gelesen, dass ich die Öffentlichkeitsarbeit nur machen würde, um damit Geld zu verdienen. Das ist schon sehr amüsant und ich habe darauf noch nie öffentlich geantwortet, weil es mir einfach zu blöd ist, mich mit solchen Leuten zu unterhalten, aber da ich das Thema heute aufgreife, muss ich mal was dazu sagen: bis auf wenige Ausnahmen habe ich seit Jahren alles umsonst gemacht. Und sogar oft noch draufgezahlt bei meinem Aktivismus.

Dann sagen mir einige Leute (die es gut mit mir meinen und die ich auch sehr schätze) immer und immer wieder: Sandra, nimm doch bitte das Geld an. Nimm doch bitte dieses Geschenk an. Nimm doch bitte unsere Unterstützung an. Und was macht Sandra? Sandra denkt sich: Nein, ich mache Aufklärungsarbeit aus meiner tiefen Überzeugung heraus, ich kann doch dafür kein Geld nehmen.

Wenn mir jemand Geld anbietet, dann lehne ich meist ab. Ich sollte es nicht ablehnen und es wird auch nach und nach (nach Jahren) besser, aber das steckt ziemlich tief in mir drin. Woher kommt das?

Geld anzunehmen, da fühle ich mich oft gekauft. Wie damals, bei Freiern. Wenn das Geld auf dem Tisch lag, dann musste ich tun, was ausgemacht war. Ich war unfrei und konnte nicht mehr über meinen Körper bestimmen, obwohl ich anwesend war, denn der Geldschein hatte vorher festgelegt, was der Mann mit mir machen und nicht machen darf, egal wie es mir dabei ging (und viele haben sich an das „nicht machen darf“ nicht gehalten und es in der Situation dann einfach trotzdem getan). Eine Stunde mit ausgemachtem „Service“ bezahlt, eine Stunde war zu liefern. Und wenn es mir zum Heulen war, ich hatte zu lächeln und mein Schauspiel abzuziehen.

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„Loverboy“-Methode und Sprache

Immer wieder lese ich im Internet, dass Betroffene der „Loverboy“-Methode beschämt werden. Sie seien dumm, selbst schuld, naiv.

Wer das sagt, erkennt die Täterstrategie und die Gewaltmechanismen dahinter nicht und stellt sich mit dieser Sprache, wenn auch sicherlich oft unbewusst und ungewollt, auf die Seite des Täters, der den Opfern lange eingeredet hat, sie seien schuld daran, wenn ihm etwas passiert, sie seien schuld an dies und jenem. „Loverboys“ sind Menschenhändler. Das ist ein Teil der Täterstrategie: das Opfer beschämen und noch verletzlicher machen, noch mehr schwächen und zwar genau an den Punkten, wo es sowieso schon verletzlich ist.

Wer schwach ist, kann sich noch weniger wehren. Wer gebrochen ist, kann sich noch weniger wehren, was der Grund dafür ist, dass Betroffene der „Loverboy“-Methode am Anfang oft, wenn der gezielte Beziehungsaufbau abgeschlossen ist (Stadium 1) und die Konfrontation, dass die Frau sich prostituieren soll (Stadium 2), anfängt, gezielt von den Tätern durch sexuelle Gewalt gebrochen werden. Das macht die Betroffenen psychologisch häufig wehrlos, denn sie fühlen sich dreckig und missbraucht und fügen sich – und die Täter wissen das. Es braucht keine 100 Freier um traumatisiert zu werden, es genügt manchmal der Erste, denn es ist ungewollter Geschlechtsverkehr und das hinterlässt tiefgreifende Spuren.

Eine (junge) Frau darf lieben. Eine (junge) Frau darf verletzlich, schwach und vulnerabel sein, denn sie sucht sich ihre Verletzlichkeit und Vulnerabilität nicht aus, sondern befindet sich in einer schwierigen Lebenssituation. Kein Mensch aber hat das Recht, nur weil er wissentlich überlegen ist, in solchen Situationen gezielt emotionale Abhängigkeiten zu erzeugen und die Vulnerabilität des Schwächeren auszunutzen.

Zu lieben ist nicht naiv.
Zu lieben ist keine Blödheit.
Zu lieben ist nicht dumm.
Menschen in Not helfen zu wollen, vor allem solchen, die man liebt, ist eine gute Charaktereigenschaft.

Wer die Liebesfähigkeit und die Hilfsbereitschaft einer solchen (jungen) Frau derart ausnutzt, um sie in die Prostitution zu treiben und auszubeuten, ist erbärmlich.

Es gibt heutzutage in dieser schnelllebigen Welt immer weniger Menschen, die ehrlich und tief lieben können, die selbstlos handeln und hilfsbereit sind, ohne dabei Eigeninteressen zu verfolgen. Wenn man über Menschen spricht, die ehrlich geliebt haben und dafür ausgebeutet wurden, sollte man sie nicht beschämen.

Betroffene der „Loverboy“-Methode, die bei ihren Tätern bleiben, oft wieder zu ihren Tätern zurückkehren, sind genauso wenig schuld an ihrer Ausbeutung wie Opfer häuslicher Gewalt nicht daran schuld sind, dass sie erneut geschlagen werden, wenn sie wieder zu ihrem Täter zurückgekehrt sind. Der Täter begeht die Straftat, nicht das Opfer. Diese Betroffenen befinden sich in einem Abhängigkeitsverhältnis, sind schwach, von ihren Tätern geschwächt, von der psychischen/seelischen/physischen Gewalt geschwächt, ihrem Wert beraubt worden. Sie fügen sich, weil der Täter gezielt ein Gefängnis in ihrem Kopf erzeugt hat. Und er weiß genau, was er machen muss, damit die unsichtbaren Ketten festgezogen bleiben. Bärbel Kannemann, ehemalige Kriminalhauptkommissarin, die den Verein „No Loverboys“ gründete und unzähligen Betroffenen half, sagte mir, dass bis zu 50 % der „Loverboy“-Betroffenen zu ihren Tätern zurückkehren. Man hilft diesen Frauen nicht, indem man sie beschämt. Man kann ihnen nur helfen, wenn man versucht, den Gewaltzyklus und ihre Verletzungen zu durchbrechen. Diese Betroffenen brauchen unbedingt stabile Hilfe von außen, weil sie es alleine meist nicht schaffen. Man muss dran bleiben, man muss Geduld haben und warmherzig sein, aber es braucht keine Beschämungen, die die Betroffenen nur weiter in ihrem Gewalt – und Ausbeutungszyklus festhalten.

Bist Du selbst betroffen? Kommst Du nicht raus aus diesem Teufelskreis?

Such Dir Hilfe. Du bist nicht alleine. Es gibt Menschen, die Dich und Deine Situation verstehen. Wenn Du nicht weißt wohin Du Dich wenden kannst, zögere nicht und schreib mich an. Ein anderes Leben ist möglich.

Du denkst, es ist zu schwierig Dich von Deinem Täter zu lösen? Du bist vielleicht gerade erst dabei anzufangen zu realisieren, dass die Person, die Dich ausbeutet, eigentlich ein Täter ist und niemand, der Dich wirklich liebt? Du hast Angst, wirst bedroht, bist hoffnungslos? Such Dir Hilfe und schäme Dich nicht. Viele haben aufgrund der engen emotionalen Bindung und Beziehung zum Täter lange kein Opferbewusstsein. Das ist typisch und war bei mir auch so.

Du fühlst Dich nach allem dreckig und denkst, Prostitution sei das Einzige, was Du noch in deinem Leben verdienst? Du denkst, Du bist nicht mehr wert? Prostitution ist nicht das, was Du verdienst, auch wenn es sich für Dich so anfühlt, weil du so viel Schmerz und Demütigung wegen der ganzen sexuellen Akte verspürst, dass Du glaubst, dass dieser Schmerz sowieso nie mehr aufhören wird, auch dann nicht, wenn Du jetzt Hilfe suchst und aussteigst, weshalb Du einen Ausstieg als sinnlos betrachtest und daher weiter in der Prostitution verharrst. Aber Dein Schmerz kann leichter werden, ich verspreche es Dir. Es ist ein langer Weg sich nach diesen Erlebnissen selbst wieder lieben und wertschätzen zu können, seinen Wert und seine Würde wiederzufinden. Es ist ein harter Weg, auf dem man viel Geduld braucht, den es sich aber lohnt zu gehen. Bitte geh ihn. Für Dich. Du verdienst es, wertgeschätzt zu werden. Du verdienst es, wirklich geliebt zu werden. Du verdienst es, würdevoll und liebevoll behandelt zu werden.

Du verdienst ein Leben ohne Gewalt. Du verdienst es, glücklich zu sein.

Meine Kontaktdaten findest du unter „Kontakt“.

Du findest mich auch hier auf Facebook: https://www.facebook.com/sandra.norak89/

Sowie auf Instagram: https://www.instagram.com/sandranorak/?hl=de

Warum Frauen ihre Ausbeutung verteidigen

 

Hände

Bild: Rosa Makstadt

Ein Text von Sandra Norak und Dr. Ingeborg Kraus, 01.12.2019

 

Es fällt uns auf, dass bei manchen Veranstaltungen zum Thema Prostitution und Nordisches Modell Profiteure des Systems auftauchen, dass u.a. ganz ungeniert Zuhälter und Bordellbetreiber auftreten und Zwischenrufe tätigen. Uns fällt auf, dass diese vermehrt mit Frauen auftauchen, die in ihren Etablissements als Prostituierte tätig waren und jetzt ebenfalls von der Prostitution anderer profitieren oder aber dass sie Frauen mitnehmen, die gerade noch in der Prostitution bei ihnen tätig sind. Der Verdacht liegt nahe, dass diese sich noch in der Prostitution befindenden Frauen als Schutzschild für die Zwecke der Profiteure missbraucht werden. Dieses Szenario ist uns sehr stark in einer Veranstaltung diese Woche in Karlsruhe aufgefallen und gab uns den Anlass zu diesem Text.

Es ist eindeutig, dass deren Ziel war, die Veranstaltung zu sprengen und das Nordische Modell ohne jegliche Argumentationskultur oder Diskussion dazu zu diskreditieren. Es schien, als hätten sich diese Menschen gezielt organisiert zu kommen, um die Veranstaltung zu sabotieren.

Ok, dass die Profiteure, wie Bordellbetreiber und Zuhälter, kommen und ihr Wirtschaftsmodell und das viele Geld, das sie damit verdienen, nicht verlieren wollen ist klar und erscheint nicht verwunderlich. Uns fällt allerdings auf, dass vermehrt auch Frauen mitgenommen werden, die noch in der Prostitution sind, um das System zu verteidigen.

Medien stürzen sich dann unreflektiert auf die Aussagen dieser Frauen, drucken es am nächsten Tag und verbreiten dadurch ein verzerrtes und unvollständiges Bild des Rotlichtmilieus. Das ist bedauerlich.

Ich (Sandra) habe mir die Frage gestellt, wie hätte ich damals reagiert, als ich noch in der Prostitution war, von einem Menschenhändler und Zuhälter ausgebeutet wurde, und von Leuten aus einem Bordell zu so einer Veranstaltung mitgenommen worden wäre. Wie hätte ich mich nach außen hin verhalten?

Ich hätte meine Ausbeuter und das System bis aufs Blut verteidigt. Ich hätte meinen Schmerz weggedrückt, ausgeblendet.

Warum? Das ist die große Frage.

Einmal aufgrund fehlenden Opferbewusstseins, das bei vielen vorherrscht. Auf der anderen Seite ist die Bindung zu einem Täter und zu einem System, das auf Ausbeutung aufgebaut ist, höchst unsicher, gefährlich, auf Druck und „Funktionieren“ aufgebaut und verlangt eine vollständige Loyalität nach außen hin. Die Maske muss aufrechterhalten werden. Die Gewalt darf nicht ausgesprochen werden. Ein Abweichen dieser Loyalität führt zu einem Bruch der Bindung, zu einem Ausschluss aus einem System, was für viele der Betroffenen in ihrem Leben den einzigen Halt zu geben scheint, weil sie trotz ihrer Ausbeutung eine Art Familien – /Zugehörigkeitsgefühl entwickelt haben. Nach der Vorstellung: es ist besser einen Menschen zu haben, der an meiner Ausbeutung, an meinem Leid beteiligt ist, anstatt niemanden zu haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen Bindungen und viele Menschen, vor allem in vulnerablen Lebenslagen, haben große Angst davor allein zu sein.

Ein Abweichen der Loyalität nach außen hin wird auch als Verrat angesehen, also als das Schlimmste, was man im Rotlichtmilieu tun kann. Das sagt auch Manfred Paulus, 1. Kriminalhauptkommissar a.D., der jahrzehntelang im Bereich des Rotlichts und der organisierten Kriminalität gearbeitet hat und die Strukturen und eigenen Regeln des Milieus kennt. Das, was die Strukturen, die organisierte Kriminalität und das ganze Prostitutionssystem am Leben erhält, ist bedingungslose Loyalität nach außen hin. Die Konsequenzen eines Verrats dieser Loyalität, wozu auch abweichende Meinungen zählen können, sind in der Regel schwerwiegend, was bedeutet, dass Menschen, die aus dem System ausbrechen und reden, mit gravierenden Folgen rechnen müssen. Das sind die Gründe, warum das Rotlichtmilieu ein Milliardengeschäft ist und so gut funktionieren kann – weil nur wenige der Ausgebeuteten darüber sprechen. Und hinzu wird es Betroffenen auch schwer gemacht darüber zu sprechen, da aufgrund unserer Gesetzgebung das ganze Milieu normalisiert und bagatellisiert wird. Unser Gesetz zu Prostitution:

„…lügt uns an, es verleugnet die Wahrheit. Es ist Realitätsverleugnung, welche uns staatlich angeordnet wird.“ (Rosa Makstadt)

Auch das hilft, dieses gewaltbesetzte Milieu am Leben und die Opfer gefangen zu halten.

Die Ur-Oma von einer Überlebenden der Prostitution aus Amerika, Vednita Carter, war eine Sklavin. Auch zu ihrer Zeit wollten viele in der Sklaverei bleiben, weil es ihnen eine gewisse Sicherheit gab, Unterkunft und Essen. Die Freiheit hat vielen auch Angst gemacht wegen der mit ihr verbundenen Ungewissheit. Wir brauchen keine Verbesserung der Situation der Sklaven, sondern wir brauchen eine Abschaffung der Sklaverei, sagte die Ur-Oma. In Bezug auf die Prostitution, in der Carter war, sagt sie heute, dass wir eine Revolution benötigen. Eine Abschaffung des Systems, keine Verbesserung der Ausbeutung.

Es geht uns nicht darum, die Frauen in diesen Situationen anzugreifen, das sollte keiner tun, sondern es geht uns darum, die Mechanismen von in der Ausbeutung steckenden Menschen verständlich zu machen und damit die Medien, aber auch alle anderen Menschen, in die Verantwortung zu nehmen, dass sie genauer hinschauen, genauer hinhören, um ein richtiges Bild der Realität der Prostitution zu zeichnen. Sonst unterstützen und fördern sie ein System der Gewalt.

Wir wollen Menschen mit auf den Weg geben, dass die Mechanismen der Gewaltverleugnung/Gewalthinnahme der Betroffenen des Ausbeutungssystems der Prostitution vergleichbar sind mit denen, wie sie sich bei Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, äußern: auch sie lächeln einen oft noch mit einem überschminkten blauen Auge an und werden sagen, dass alles in Ordnung ist und dass ihr Mann sie liebt.

Ist deswegen alles in Ordnung?

Nie wieder Prostitution – ein Text über den physischen und psychischen Ausstieg aus der Prostitution

Never Again!

Den nachfolgenden Text habe ich schon vor einer ganzen Weile zusammen mit Dr. Ingeborg Kraus geschrieben und ich möchte ihn heute hier online stellen, da er mir sehr wichtig ist in der ganzen Prostitutionsdebatte. Hier ist der Text:

„Manchmal erscheint ein Weg für uns sehr lang, manchmal zu lang, so dass wir glauben, dass wir nicht genug Kraft haben und es nicht schaffen, ihn zu Ende gehen zu können. Der Ausstieg aus der Prostitution und damit aus einem Milieu, das meist den Körper und die Seele dieses Menschen zerstört hat, ist ein ganz besonders langer und schmerzhafter Weg, der manchmal kein Ende zu nehmen scheint und auf dem man Hürden begegnet, die sich zunächst als unüberwindbar darstellen.

Immer wieder hören und lesen wir von Aussteigerinnen, die mit den Gedanken ringen wieder in die Prostitution einzusteigen oder letztlich wirklich zurückgehen, obwohl sie ihre bereits gemachte Prostitutionserfahrung als traumatisierend ansehen und Prostitution als Gewalt bezeichnen. Dieses Verhalten stößt bei vielen Außenstehenden auf Unverständnis.

Wir möchten mit unserem Text über die Schwierigkeiten des Ausstiegs aus der Prostitution aufklären und zugleich Frauen während des Ausstiegs sowie danach Mut machen.

Wenn in unserer Gesellschaft über Prostitution gesprochen wird, so hat sich durch das ProstG aus dem Jahr 2002 bei vielen die Vorstellung eingeprägt, dass sie ein Job wie jeder andere ist. Prostitution aber hinterlässt tiefe Narben an Körper und Seele. Der Ausstieg ist nicht vergleichbar mit einem einfachen Jobwechsel. Einmal in diesem Prostitutionssystem gefangen, kommen Betroffene oft nur schwer bis gar nicht mehr raus.

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3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen, April 2019 in Mainz

Anfang April 2019 fand der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen an der Universität Mainz von CAP International (http://www.cap-international.org/) zusammen mit SOLWODI (https://www.solwodi.de/) und Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (https://www.armut-gesundheit.de/) statt.

Mehr Informationen zum Kongress hier https://www.solwodi.de/seite/388513/weltkongress-2019.html und hier https://solwodiweltkongress.blogspot.com/.

Nachfolgend meine Rede (im Video bleibt leider ein paar Mal der Ton weg).

 

ZDFinfo Dokumentation über Prostitution, 18.11. um 22 Uhr

 

Sandra

Fotoquelle: ZDF / Jan Sindel

 

Am Samstag, den 18.11. um 22 Uhr, läuft eine Dokumentation über Prostitution auf ZDFinfo, wo ich auch zu sehen bin (siehe Bild). Man kann sich das Ganze aber auch danach in der Mediathek ansehen.

Hier der Text zur Dokumentation:

Prostitution und organisierte Kriminalität
 
„Bordell Deutschland“: Diese TV-Doku wird für Wirbel sorgen
Von Frank Rauscher

Sie werden geschlagen, missbraucht und ausgebeutet: Der Alltag von Prostituierten in Deutschland ist zum großen Teil von der organisierten Kriminalität bestimmt. In der TV-Doku „Bordell Deutschland“ kommen Fakten und Hintergründe ungeschönt auf den Tisch.

Für fast alles gibt es in Deutschland Statistiken. Ohne Zweifel ließe sich jedoch die Zahl der freilaufenden Hühner exakter benennen, als die der Frauen, die hierzulande dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen. Denn: Für den Bereich der Prostitution gibt es keine belastbaren Zahlen, weiß der Kriminalist Manfred Paulus. Schätzungen gingen von 400.000 bis zu über einer Million aktuell in Deutschland tätigen Sexarbeiterinnen aus, laut statistischem Bundesamt nehmen täglich rund 1,2 Millionen Männer sexuelle Dienstleistungen in Anspruch. Und „seit der Legalisierung werden es immer mehr“, sagt Paulus, der drei Jahrzehnte im Rotlichtmilieu ermittelte und nun auch als Protagonist einer der umfassendsten TV-Dokus, die je zu diesem Themenkomplex gedreht wurden, gegen organisierte Kriminalität und Menschenhandel ankämpft. Die Legalisierung der Prostitution, die mit dem 2002 verabschiedeten Prostitutionsgesetz de facto erfolgte, steht im Fokus des spielfilmlangen Beitrags, der sich unter dem Titel „Bordell Deutschland“ am Samstag, 18. November 2017 (22 Uhr, ZDFinfo), mit dem „Milliardengeschäft Prostitution“ befasst.

„Legalisierung“: Das klingt positiv, doch schon das ist eines der Probleme, wie der engagierte Film von Christian P. Stracke verdeutlicht. Die Begrifflichkeit mag dem Freier das Gewissen erleichtern, aber hilft so ein Schlagwort auch den Frauen?

Der Journalist geht, ohne irgendetwas zu beschönigen, der Frage nach, warum Deutschland zur internationalen Drehscheibe für Zwangsprostitution und Mädchenhandel geworden ist. „Was läuft falsch bei uns?“, heißt es gleich zu Beginn des Beitrages, der Antworten liefert, die niemandem gefallen und viel Staub aufwirbeln dürften. Was auch der Sender erkannt hat: Der Film über die Zusammenhänge von Zuhälterei, Prostitution und internationalem Menschenhandel war zunächst auf 45 Minuten angelegt. ZDFinfo hat sich aber „aufgrund der Fülle von Aspekten und Standpunkten“ für eine Verdopplung der Länge entschieden. „Eine entsprechende Anpassung war schnell und unkompliziert möglich, ein Vorteil, den vermutlich nur ZDFinfo bieten kann“, heißt es jetzt seitens der Produktion. Schließlich gibt es im Digitalkanal keine genormten Sendeformate.

Authentische Innenansichten einer Parallelwelt

Über ein Jahr recherchierte Stracke an seiner Story, die ohne die Voyeurismuskarte zu spielen beinahe so packend wie ein Thriller ist, weil sie authentische Innenansichten einer tabuisierten und immer wieder als „schillernd“ oder „cool“ verklärten Parallelwelt präsentiert. Er sprach mit Prostituierten, Polizisten, Sozialarbeitern, Vertretern des Prostituiertenverbandes, Politikern und Psychologen. Stracke ist quer durch Deutschland gereist, hat sich vor Ort vom Edelbordell bis zum Straßenstrich ein Bild von den Ausprägungen der Prostitution gemacht.

Zu Wort kommen auch eher exotisch anmutende Protagonistinnen wie Cleo aus Berlin, die – freiwillig, wie sie betont – in einer „Erlebniswohnung“ an Gangbang-Partys teilnimmt. Bis zu 30 Männer haben dabei Sex mit einer Frau. Oder Typen wie Andreas Marquardt, der früher als Zuhälter die Frauen nach eigener Aussage „wie Dreck“ behandelte, wegen Menschenhandels im Gefängnis saß und sich heute für Gewaltprävention einsetzt. Vor allem aber prägen Frauen wie Sandra Norak Strackes Film. Sie hat jahrelang als Prostituierte gearbeitet und den Ausstieg geschafft. Dabei hat sie fast alle Geschäftsmodelle des Milieus durchlaufen und in nahezu jedem Menschenhandel und Gewalt gesehen.

Zum ersten Mal spricht sie öffentlich über ihr Leben und ein Gewerbe, das sie „fast kaputt gemacht“ habe. „Das ist keine Arbeit“, sagt sie, „das ist einfach nur Gewalt, was man da erlebt … Und ich hatte da bestimmt 400/500 Männer in vier Wochen.“ Die heute 27-Jährige geht mit ihrer Geschichte jetzt ganz bewusst an die Öffentlichkeit, möchte mit dem Mythos der Freiwilligkeit aufräumen, sie studiert Jura und setzt sich für die Abschaffung der Prostitution ein. „In jedem Club, in dem ich war, habe ich Menschenhandel gesehen“, berichtet sie. „Ich habe natürlich auch Frauen gesehen, die geschlagen werden. Und ich habe auch Freier gesehen, die das gesehen haben und dann trotzdem die Dienstleistung in Anspruch genommen haben.“

Neun von zehn Frauen zur Prostitution gezwungen

Kein Einzelfall, wie Denisa, eine junge Rumänin, die nun, nach ihrem Ausstieg ebenfalls gegen die Missstände ankämpft. Jahrelang hat sie in Deutschland als Zwangsprostituierte gearbeitet, sie weiß alles über die Hintergrunde des Geschäfts: „90 Prozent haben Zuhälter“, sagt sie und berichtet aus eigener Erfahrung: „Die Männer sind scharf auf Minderjährige. Es gibt so viele Pädophile.“ Dem Mythos der Freiwilligkeit widerspricht die ehemalige Zwangsprostituierte entschieden: „Die Freier denken sich, die macht das aus Spaß. Du musst so tun, als ob es dir gut geht, aber innerlich geht’s dir nicht gut.“

Zu der Einschätzung gelangen auch Experten der Polizei, ihren Angaben zu Folge werden neun von zehn Frauen zur Prostitution gezwungen. Heute spricht Denisa in rumänischen Armenbezirken vor Schulkassen, um die Mädchen zu warnen und sie, genau wie der Kriminalist Manfred Paulus, über die Maschen der als „Loverboys“ getarnten Handlanger der Mädchenhändler aufzuklären.

Die Traumatherapeutin Ingeborg Kraus vergleicht den Beruf der Prostituierten mit dem von Soldaten, ihre traumatischen Erfahrungen mit denen von Folteropfern. Fast 70 Prozent der Frauen leiden unter Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung: „Dieser Beruf ist gefährlicher, als in den Krieg zu ziehen.“ Die Sterblichkeitsrate unter Prostituierten ist 40-mal so hoch wie beim Durchschnitt der Bevölkerung, heißt es in der Doku. Allein das Risiko, ermordet zu werden, sei über 18-mal höher als bei anderen Frauen – unabhängig davon, ob sie freiwillg arbeiten oder dazu gezwungen werden.

Ungeachtet all dieser Hintergründe, das macht der sauber recherchierte Film deutlich, haben Escortangebote und Bordelle in Deutschland mehr Zulauf denn je. Das Marketing der Freudenhäuser hat sich offenbar der Mentalität der Freier angepasst: „Komm so oft du willst“, „All you can fuck“ oder „20 Minuten Sex für 20 Euro – der Spartarif im Discountpuff“ – so werben Flatrate-Puffs in den Städten. In Online-Foren tauschen sich Männer ungeniert und oft auf menschenverachtende Weise über die Leistungen der Sexarbeiterinnen aus.

Deutschland als Reiseziel für Freier

Vor der Kamera wollte kaum einer offen über so etwas Auskunft geben, aber während der Recherchen hat Autor Stracke mit vielen Freiern gesprochen. Sein Eindruck: Unrechtsbewusstsein ist auf Seiten der Männer kaum vorhanden. So ist Deutschland auch zu einem der begehrtesten Reiseziele für Freier aus alle Welt geworden. „Besuche über zehn Clubs in sechs Tagen“, preist ein Veranstalter ungeniert ein Package mit Kunst und Kultur an, das die Kundschaft ins „Bordell Deutschland“ locken soll.

Die Frage ist, wie es so weit kommen konnte. Glaubt man diesem Film, der auch die Tätigkeit der Prostituiertenverbände kritisch hinterfragt, kamen mehrere Faktoren auf unselige Weise zusammen: Das fraglos gut gemeinte Gesetz zur Legalisierung der Prostitution von 2002 hat den Bordellbetreibern und Freiern mehr geholfen als den Frauen. Seine Einführung ging zeitlich mit der EU-Osterweiterung einher, derweil sich in Deutschland gerade eine „Geiz ist geil“-Mentalität breitmachte.

Während bei den Mädchen wenig hängen bleibt, lässt sich mit der Prostitution viel Geld verdienen. Laut Bundeskriminalamt bringt allein eine Prostituierte ihrem Zuhälter bis zu 100.000 Euro pro Jahr. Und auch der Staat verdient durch die Steuereinnahmen kräftig mit. Der Markt ist umkämpft, die Konkurrenz ist groß, es kommen immer mehr und immer jüngere Frauen, die alles ungeschützt mitmachen …

Vorbild Schweden

Ob sich mit dem seit Juli geltenden „Prostituiertenschutzgesetz“, welches das Prostitutionsgesetzes von 2002 ergänzt, Wesentliches zum Guten ändert, ist fraglich. Anfangs, so lässt der Autor Christian P. Stracke durchblicken, sei auch er der Meinung gewesen, dass freiwillige Prostitution erlaubt sein sollte. Mittlerweile ist er aber zu der Überzeugung gelangt, auch freiwillige Prostitution verletze die Menschenrechte. „Deshalb muss sich dringend etwas ändern“, fordert er. „Doch um Kriminalität, Zwangsprostitution und Menschenhandel wirksam einzudämmen, müssen sich die Rahmenbedingungen ändern.“ Für ihn ein Vorbild: das nordische Modell in Schweden, das mit dem Sexkaufverbot den Freier bestraft.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

 

Link: prisma.de

 

Auf die Freiheit!

Video unten: Klaus Ferdinand Hempfling – Free and Connected

„Freedom of spirit… Authentic and real… Connection of body and spirit…“

„It is all in us

Be yourself