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Warum Frauen ihre Ausbeutung verteidigen

 

Hände

Bild: Rosa Makstadt

Ein Text von Sandra Norak und Dr. Ingeborg Kraus, 01.12.2019

 

Es fällt uns auf, dass bei manchen Veranstaltungen zum Thema Prostitution und Nordisches Modell Profiteure des Systems auftauchen, dass u.a. ganz ungeniert Zuhälter und Bordellbetreiber auftreten und Zwischenrufe tätigen. Uns fällt auf, dass diese vermehrt mit Frauen auftauchen, die in ihren Etablissements als Prostituierte tätig waren und jetzt ebenfalls von der Prostitution anderer profitieren oder aber dass sie Frauen mitnehmen, die gerade noch in der Prostitution bei ihnen tätig sind. Der Verdacht liegt nahe, dass diese sich noch in der Prostitution befindenden Frauen als Schutzschild für die Zwecke der Profiteure missbraucht werden. Dieses Szenario ist uns sehr stark in einer Veranstaltung diese Woche in Karlsruhe aufgefallen und gab uns den Anlass zu diesem Text.

Es ist eindeutig, dass deren Ziel war, die Veranstaltung zu sprengen und das Nordische Modell ohne jegliche Argumentationskultur oder Diskussion dazu zu diskreditieren. Es schien, als hätten sich diese Menschen gezielt organisiert zu kommen, um die Veranstaltung zu sabotieren.

Ok, dass die Profiteure, wie Bordellbetreiber und Zuhälter, kommen und ihr Wirtschaftsmodell und das viele Geld, das sie damit verdienen, nicht verlieren wollen ist klar und erscheint nicht verwunderlich. Uns fällt allerdings auf, dass vermehrt auch Frauen mitgenommen werden, die noch in der Prostitution sind, um das System zu verteidigen.

Medien stürzen sich dann unreflektiert auf die Aussagen dieser Frauen, drucken es am nächsten Tag und verbreiten dadurch ein verzerrtes und unvollständiges Bild des Rotlichtmilieus. Das ist bedauerlich.

Ich (Sandra) habe mir die Frage gestellt, wie hätte ich damals reagiert, als ich noch in der Prostitution war, von einem Menschenhändler und Zuhälter ausgebeutet wurde, und von Leuten aus einem Bordell zu so einer Veranstaltung mitgenommen worden wäre. Wie hätte ich mich nach außen hin verhalten?

Ich hätte meine Ausbeuter und das System bis aufs Blut verteidigt. Ich hätte meinen Schmerz weggedrückt, ausgeblendet.

Warum? Das ist die große Frage.

Einmal aufgrund fehlenden Opferbewusstseins, das bei vielen vorherrscht. Auf der anderen Seite ist die Bindung zu einem Täter und zu einem System, das auf Ausbeutung aufgebaut ist, höchst unsicher, gefährlich, auf Druck und „Funktionieren“ aufgebaut und verlangt eine vollständige Loyalität nach außen hin. Die Maske muss aufrechterhalten werden. Die Gewalt darf nicht ausgesprochen werden. Ein Abweichen dieser Loyalität führt zu einem Bruch der Bindung, zu einem Ausschluss aus einem System, was für viele der Betroffenen in ihrem Leben den einzigen Halt zu geben scheint, weil sie trotz ihrer Ausbeutung eine Art Familien – /Zugehörigkeitsgefühl entwickelt haben. Nach der Vorstellung: es ist besser einen Menschen zu haben, der an meiner Ausbeutung, an meinem Leid beteiligt ist, anstatt niemanden zu haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen Bindungen und viele Menschen, vor allem in vulnerablen Lebenslagen, haben große Angst davor allein zu sein.

Ein Abweichen der Loyalität nach außen hin wird auch als Verrat angesehen, also als das Schlimmste, was man im Rotlichtmilieu tun kann. Das sagt auch Manfred Paulus, 1. Kriminalhauptkommissar a.D., der jahrzehntelang im Bereich des Rotlichts und der organisierten Kriminalität gearbeitet hat und die Strukturen und eigenen Regeln des Milieus kennt. Das, was die Strukturen, die organisierte Kriminalität und das ganze Prostitutionssystem am Leben erhält, ist bedingungslose Loyalität nach außen hin. Die Konsequenzen eines Verrats dieser Loyalität, wozu auch abweichende Meinungen zählen können, sind in der Regel schwerwiegend, was bedeutet, dass Menschen, die aus dem System ausbrechen und reden, mit gravierenden Folgen rechnen müssen. Das sind die Gründe, warum das Rotlichtmilieu ein Milliardengeschäft ist und so gut funktionieren kann – weil nur wenige der Ausgebeuteten darüber sprechen. Und hinzu wird es Betroffenen auch schwer gemacht darüber zu sprechen, da aufgrund unserer Gesetzgebung das ganze Milieu normalisiert und bagatellisiert wird. Unser Gesetz zu Prostitution:

„…lügt uns an, es verleugnet die Wahrheit. Es ist Realitätsverleugnung, welche uns staatlich angeordnet wird.“ (Rosa Makstadt)

Auch das hilft, dieses gewaltbesetzte Milieu am Leben und die Opfer gefangen zu halten.

Die Ur-Oma von einer Überlebenden der Prostitution aus Amerika, Vednita Carter, war eine Sklavin. Auch zu ihrer Zeit wollten viele in der Sklaverei bleiben, weil es ihnen eine gewisse Sicherheit gab, Unterkunft und Essen. Die Freiheit hat vielen auch Angst gemacht wegen der mit ihr verbundenen Ungewissheit. Wir brauchen keine Verbesserung der Situation der Sklaven, sondern wir brauchen eine Abschaffung der Sklaverei, sagte die Ur-Oma. In Bezug auf die Prostitution, in der Carter war, sagt sie heute, dass wir eine Revolution benötigen. Eine Abschaffung des Systems, keine Verbesserung der Ausbeutung.

Es geht uns nicht darum, die Frauen in diesen Situationen anzugreifen, das sollte keiner tun, sondern es geht uns darum, die Mechanismen von in der Ausbeutung steckenden Menschen verständlich zu machen und damit die Medien, aber auch alle anderen Menschen, in die Verantwortung zu nehmen, dass sie genauer hinschauen, genauer hinhören, um ein richtiges Bild der Realität der Prostitution zu zeichnen. Sonst unterstützen und fördern sie ein System der Gewalt.

Wir wollen Menschen mit auf den Weg geben, dass die Mechanismen der Gewaltverleugnung/Gewalthinnahme der Betroffenen des Ausbeutungssystems der Prostitution vergleichbar sind mit denen, wie sie sich bei Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt sind, äußern: auch sie lächeln einen oft noch mit einem überschminkten blauen Auge an und werden sagen, dass alles in Ordnung ist und dass ihr Mann sie liebt.

Ist deswegen alles in Ordnung?

Nie wieder Prostitution – ein Text über den physischen und psychischen Ausstieg aus der Prostitution

 

Never Again!

Den nachfolgenden Text habe ich schon vor einer ganzen Weile zusammen mit Dr. Ingeborg Kraus geschrieben und ich möchte ihn heute hier online stellen, da er mir sehr wichtig ist in der ganzen Prostitutionsdebatte. Hier ist der Text:

„Manchmal erscheint ein Weg für uns sehr lang, manchmal zu lang, so dass wir glauben, dass wir nicht genug Kraft haben und es nicht schaffen, ihn zu Ende gehen zu können. Der Ausstieg aus der Prostitution und damit aus einem Milieu, das meist den Körper und die Seele dieses Menschen zerstört hat, ist ein ganz besonders langer und schmerzhafter Weg, der manchmal kein Ende zu nehmen scheint und auf dem man Hürden begegnet, die sich zunächst als unüberwindbar darstellen.

Immer wieder hören und lesen wir von Aussteigerinnen, die mit den Gedanken ringen wieder in die Prostitution einzusteigen oder letztlich wirklich zurückgehen, obwohl sie ihre bereits gemachte Prostitutionserfahrung als traumatisierend ansehen und Prostitution als Gewalt bezeichnen. Dieses Verhalten stößt bei vielen Außenstehenden auf Unverständnis.

Wir möchten mit unserem Text über die Schwierigkeiten des Ausstiegs aus der Prostitution aufklären und zugleich Frauen während des Ausstiegs sowie danach Mut machen.

Wenn in unserer Gesellschaft über Prostitution gesprochen wird, so hat sich durch das ProstG aus dem Jahr 2002 bei vielen die Vorstellung eingeprägt, dass sie ein Job wie jeder andere ist. Prostitution aber hinterlässt tiefe Narben an Körper und Seele. Der Ausstieg ist nicht vergleichbar mit einem einfachen Jobwechsel. Einmal in diesem Prostitutionssystem gefangen, kommen Betroffene oft nur schwer bis gar nicht mehr raus.

Ein physischer Ausstieg aus der Prostitution, also der körperliche Schritt raus ins „Leben“, kann bei vorhandenen Möglichkeiten relativ schnell vollzogen werden. Der physische Ausstieg bedeutet aber nicht gleich den psychischen Ausstieg. In der Prostitution erleben Betroffene die tiefsten Abgründe unserer Gesellschaft: ein unermessliches und unvorstellbares Ausmaß an Gewalt, Demütigungen, Lügen und den größten Unmenschlichkeiten. Man kann physisch aus diesem Leben fliehen, aber psychisch hängen viele noch lange mittendrin – in den Erinnerungen, dem Schmerz und oftmals der aufgrund ihrer Erfahrungen tiefen Überzeugung, nichts wert zu sein, nichts schaffen zu können, nichts anderes zu verdienen. Der physische Ausstieg ist schwer, der psychische Ausstieg noch schwerer, denn er dauert oft Jahre/Jahrzehnte und beinhaltet das Durchbrechen von Schmerz und Trauma. Er ist das langsame Abstand nehmen von diesem früheren Leben voller Gewalt. Dieser psychische Ausstieg ist äußerst wichtig und es geht dabei nicht darum, Erlebtes zu vergessen – es geht darum, die nicht mehr wegzuradierende Vergangenheit anzunehmen, sie in das Leben zu integrieren und sich dennoch von der Parallelwelt Prostitution zu lösen.

Häufig ist den Betroffenen nicht sofort klar, wie sich ihre Verletzungen aus der Prostitution im Alltag äußern können, was den Ausstieg zusätzlich erschwert. Einige Hürden auf dem Weg in ein neues Leben möchten wir folgend erläutern.

Um überhaupt in der Prostitution sein zu können und unzählige Penetrationen von Fremden ertragen zu können, sind zunächst einmal Einstellungen notwendig, die diese Gewalt gewissermaßen verharmlosen: dass all das machbar und/oder nicht so schlimm sei. Wie kommt man zu so einer Haltung?

Wenn sehr früh in der Kindheit der Körper und/oder die Seele missbraucht und verletzt wurden, dann kann sich bei dem betroffenen Menschen die Vorstellung einprägen, dass eine Misshandlung, die an ihm vorgenommen wird, nicht so schwerwiegend oder sogar verdient oder normal ist. In der Psychotraumatologie bezeichnet man das als Täterintrojekte. Täterintrojekte sind Überlebensstrategien, um Gewalt besser ertragen zu können. Kann die gegenwärtige, unerträgliche Situation nicht ausgehalten und auch nicht verändert werden, so nehmen Betroffene häufig die Ansichten des Täters an, denn wenn sie funktionieren wie der Täter es haben möchte, wird das Überleben wahrscheinlicher. „Wenn ich genau mache, was sie mir sagen, werden sie mich vielleicht in Ruhe lassen, wird es vielleicht weniger schlimm.“ Aus einem „Du bist nichts wert“ kann ein „Ich bin nichts wert“ werden. Aus einem „Du wirst es niemals schaffen“ ein „Ich werde es niemals schaffen“.

Diese Verinnerlichung und Übernahme von Tätergedanken aus Schutzgründen heraus manifestiert sich oft bis ins Erwachsenenalter hinein und prägt den Alltag nicht nur in Form eines negativen Selbstbildes, sondern auch in Form von mangelndem Selbstschutz und mangelnder Selbstfürsorge. Wer als Überlebensstrategie zeitig lernen musste, Gewalt zu ertragen, der kann sich später oft nicht davor schützen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Eigene Bedürfnisse und vor allem Grenzen werden nicht wahrgenommen, da sich die Opfer von früh an auf die Bedürfnisse des Täters eingestellt haben und zugleich permanent Grenzverletzungen erleben mussten.

Wenn dann auch noch in einer Gesellschaft und in einem Staat sexualisierte Gewalt in Form von Prostitution nicht als solche benannt, sondern diese verharmlosend als machbare Dienstleistung bezeichnet wird, werden diese Täterintrojekte nicht aufgelöst, sondern verstärkt. Prostituierten Menschen wird durch die Legalität von Sexkauf vermittelt, dass die Gewalt, die sie durch die Prostitution erleben, keine richtige Gewalt ist, da legal ist, dass sie zur sexuellen Benutzung gekauft werden können. Der Staat signalisiert mit seiner liberalen Gesetzgebung: „Prostitution ist keine Gewalt, sondern ein Job“. Diese Ansicht wird übernommen, im Übrigen auch von vielen Beratungsstellen. Das ist gefährlich, denn sie verleitet Menschen auch, überhaupt erst in die Prostitution einzusteigen ohne sie über die immense Gewalt aufzuklären, die sie dort erwartet.

Als mich (Sandra) mein Zuhälter damals bei der Rekrutierung als Heranwachsende das erste Mal in ein Bordell schleppte, hatte ich ein sehr schlechtes Bauchgefühl und wollte am liebsten fliehen. Ich war jung, instabil und wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte und auch nicht, in welch gefährlicher Situation ich mich befand. Er brachte mich zur Prostitution, drängte mich, ich solle mich nicht so anstellen, es sei ja alles ganz normal. Ich erinnerte mich an die Ansicht unseres Staates, dass Prostitution in unserem Land als Job angesehen wird und Zuhälter sowie Bordellbetreiber in „seriösen“ Talkshows auftreten und als Geschäftsleute betitelt werden anstatt als Kriminelle. Ich erinnerte mich daran, dass dieses Milieu überwiegend als nicht so schlimm beschrieben wird. Genau dieses Bild von der Normalität des Prostitutionsmilieus vermittelt also auch unser Staat durch seine Gesetzgebung und so konnte ich noch weniger sehen, dass ich auf dem Weg war, mitten in ein kriminelles Gewaltmilieu abzurutschen. Es wurde nicht als solches benannt und wird weiterhin nicht als solches benannt. Doch unser Staat hat eine Verantwortung in Form einer Vorbild- und Orientierungsfunktion vor allem für junge und vulnerable Menschen. Hätte er damals in Form eines Sexkaufverbots laut zu mir gesagt: „Prostitution ist Gewalt und eine Menschenwürdeverletzung“, hätte dieser Menschenhändler es viel schwerer gehabt, mich in die Prostitution zu bringen. Die traurige Wahrheit aber ist: unser Staat hat verinnerlicht, dass sexualisierte Gewalt gegen Frauen normal ist, denn nichts anderes bedeutet seine liberale Prostitutionsgesetzgebung. Und daran orientieren sich die Menschen, so wachsen Kinder in Deutschland auf – in dem Glauben, dass es keine Gewalt ist, wenn Menschen in der Prostitution tagtäglich penetriert und ihrer Würde beraubt werden.

Aber es ist Gewalt und diese traumatischen Erfahrungen in der Prostitution führen häufig zu posttraumatischen Belastungsstörungen, deren Symptome die Wiedereingliederung in ein Leben abseits der Prostitution enorm erschweren können, da sie existieren, aber für Außenstehende oft nicht sichtbar sind und aufgrund von Ablehnungsängsten auch häufig versteckt werden. Diverse Situationen können nach Prostitutionserfahrungen triggern (nicht nur Tätermerkmale, sondern auch Stress, eine Jahreszeit, Geräusche,…) und Ängste auslösen, was mit heftigen körperlichen Reaktionen einhergehen und daher den Einstieg in ein anderes Leben sowie die Aufnahme neuer sozialer Kontakte stark behindern kann. Extreme Gefühle, die während der Prostitution dissoziiert waren, können im Alltag der Ausgestiegenen durch Kleinigkeiten hervorgerufen werden und den Kontakt zu neuen Bekanntschaften verunsichern, was sich zu einem Teufelskreis formen kann, da es das Gefühl allein zu sein verstärkt und man sich weiterhin fremd und oft nur von bekannten Personen aus dem Rotlichtmilieu verstanden fühlt. Das erhöht die Gefahr, dass Aussteigerinnen erneut in die Prostitution abrutschen. Häufige Symptome sind beispielsweise auch Panikattacken und dissoziative Phänomene. In manchen Fällen führen diese Symptome dazu, dass die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit so stark eingeschränkt ist, dass das Dasein zur einzigen Qual wird. Neben den Traumata sind auch körperliche Erkrankungen sehr häufig.

Ein weiteres Problem beim Ausstieg ist, dass ein Leben in der Prostitution isoliert. Diese Isolation stellt auch eine gezielte Täterstrategie dar, um Betroffene intensiver an sich zu binden. Einsame Menschen sind leichter in der Spur zu halten als solche, die Kontakte zu anderen pflegen. Viele sich prostituierende Menschen sind bei ihrem Ausstieg komplett allein, müssen von null anfangen, da nur die Kontakte ins Rotlichtmilieu bestehen. Viele sind bereits in jungen Jahren in die Prostitution eingestiegen und konnten somit keine Schul- und/oder Berufsausbildung abschließen. Sie kommen aus der Prostitution und sehen keine Perspektive für sich. Um diese verloren gegangene Zeit und das, was einem in der Prostitution gestohlen wurde, nachzuholen, persönlich wie beruflich, benötigt es teilweise Jahre und verlangt von den Betroffenen neben der Aufarbeitung ihrer schmerzhaften Vergangenheit ein großes Ausmaß an Geduld und einen festen Glauben an sich selbst, der nach einer Prostitutionserfahrung leider oft tief erschüttert ist.

In der Prostitution regiert die Gewalt – dennoch haben viele das Gefühl, als hätten sie dort wenigstens einen Platz. Das Leben außerhalb erscheint fremd, als ob sie in dieser neuen Welt niemals akzeptiert und niemals willkommen sein werden. Eine uns bekannte ehemalige Prostituierte suchte nach ihrem Ausstieg aus der Prostitution einen Job und versuchte es mit Ehrlichkeit. Sie erzählte ihrem potentiellen Arbeitgeber, dass sie Prostituierte war und einen Ausweg suche. Sie bekam folgende Antwort: „Meine Frau hat ein Problem damit, wenn Sie hier arbeiten und Prostituierte waren, aber wenn Sie wollen, dann können wir beide uns heute Abend privat im Hotel treffen. Ich zahle auch gut.“ Für die Aussteigerin war diese Begegnung tief demütigend. Sie wollte sich aus dem Prostitutionssystem, in dem sie objektiviert und zu einer Ware degradiert wurde, herauskämpfen. Anstatt einer Unterstützung bekam sie erneut den Stempelaufdruck: „Du bist nichts anderes wert als sexuell benutzt zu werden.“ Genauso fühlen sich Menschen in der Prostitution. Wenn sie dann während der Ausstiegsphase solch eine Erfahrung machen, ist es wahrscheinlich, dass sie die Hoffnung verlieren und wieder ins System zurückfallen. Wenn sonst niemand sie will, wenn sie sonst nichts wert sind, wenn sie sonst nichts können, so die Gedankengänge, so gehen sie wieder an ihren alten Platz zurück. Für die Betroffenen ist es sehr schwer, diesem Kreislauf zu entkommen.

Eine Sache ist sicher: Der Ausstieg aus der Prostitution ist extrem schwierig, ein steiniger Weg, oft geprägt von hoffnungslosen Situationen und scheinbaren Ausweglosigkeiten. Ein Wiedereinstieg in die Prostitution ist aber keine hilfreiche Stufe auf dem Weg aus der Misere, sondern eine weitere Hürde. Die Rückkehr in die Prostitution ist nicht ein Teil des Weges, der nach draußen und damit langsam zur Freiheit führt, wie manche annehmen und vielleicht deshalb wieder einzusteigen überlegen, sondern bringt einen Menschen auf einen ganz anderen Weg zurück – auf einen Weg der kompletten Zerstörung von Körper, Geist und Seele, den er einst genau aus diesem Grund verlassen hat.

Der Wiedereinstieg gleicht einer Form der Verharmlosung der schwerwiegenden Traumatisierung gegenüber sich selbst, die nicht nur durch sichtbare körperliche Symptome einhergeht, sondern die Fortsetzung der Zerstörung des Selbstwertgefühls, des Selbstvertrauens und der Selbstliebe bedeutet. Viele wichtige Fähigkeiten wie diese wurden vielleicht erst gar nicht entwickelt, wenn der Einstieg in die Prostitution sehr früh stattfand, oder gehen in der Prostitution verloren. Wurde nach einem Ausstieg angefangen, diese Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten, so verblassen sie mit einem Wiedereinstieg erneut. Es ist als würde man auf eine Löschtaste drücken. Die Rückkehr in die Prostitution ist keine vorübergehende Lösung und niemals ein Vorankommen.

Nichtsdestotrotz: Prostitution ist sexuelle Gewalt und hier herrschen Gewaltmechanismen, die Betroffene zurücktreiben und fern jeder Logik liegen können, die Unbeteiligte zu verstehen vermögen. Auch wenn man aufgeklärt ist und Bescheid weiß über das System und seine Mechanismen, über die Gewalt, über die Ursachen und die Folgen, so können gerade in der Festigungsphase des Ausstiegs nicht nur die nicht ausreichend vorhandenen Hilfen, sondern innere verletzte Anteile aktiv werden und dafür sorgen, Betroffene in die Prostitution zurückzudrängen und ihren Ausstieg zu sabotieren. Einen Vorwurf auf persönlicher Ebene kann und darf man Menschen, die wieder einsteigen, deshalb auf gar keinen Fall machen.

Eine Rückkehr in die Prostitution sollte jedoch öffentlich niemals als eine Lösung dargestellt werden. Hier setzt der Abolitionismus an, der Menschen aus dem System herausholen möchte, selbst dann, wenn die Prostitution in Deutschland noch als normale Dienstleistung bezeichnet wird und sich das „nordische Modell“ noch nicht durchsetzen konnte. Denn er weiß: Eine Rückkehr in die Prostitution ist kein Weg hinaus, sondern eine fortdauernde permanente Grenzverletzung, die immer etwas mit einem Menschen macht, die einen Menschen immer weiter zerstört anstatt ihn vorwärts zu bringen. Sie lässt die Wunden nicht verheilen, sondern reißt sie immer wieder auf.

Was wichtig ist, ist ein vermehrter und einfacherer Zugang zur Traumatherapie, um die schweren Hürden nach der Prostitution besser bewältigen zu können und den Ausstieg zu festigen. Sie kann helfen, Grenzen oft erst kennenzulernen, sie dann setzen und sich von gewalttätigen Beziehungen und/oder Lebensweisen lösen zu können. Nur wer versteht, was passiert, kann, wenn er das möchte, nach Lösungen suchen und einen Ausweg finden. Die Überwindung der Traumafolgen ist von enormer Bedeutung, aber nicht möglich, wenn man jene Tätigkeit weiterhin ausübt, die das Trauma verursacht hat oder mit der man andere Traumata reinszeniert.

Manchmal erscheint dieser Weg des Ausstiegs zu lang, so dass man aufgeben will, weil man denkt, dass man nicht genügend Kraft hat und das Ende des Tunnels niemals erreichen wird, aber man sollte für sich selbst weitergehen bis man sein Ziel erreicht hat.

Auch für mich (Sandra) war der Weg aus der Prostitution ein langer und schwieriger. Allein der physische Ausstieg und das Nachholen einer Schulausbildung bis an die Universität hin zu einem Studium schienen kaum machbar. 2012 fing ich im Bordell an mein Abitur nachzuholen. Ich wurde belächelt: „Die wird es niemals schaffen“. Diesen Satz trug ich lange mit mir herum, ich hatte ihn verinnerlicht, doch irgendwann fing ich an, mich dagegen zu wehren. Ich wollte es schaffen. Ich wollte da raus. Ich wollte ein Leben. 2014 konnte ich aus der Prostitution aussteigen und habe das Abitur beendet. Heute, im Jahr 2018, neigt sich mein Studium langsam dem Ende zu. Seit 6 Jahren bin ich nun am Lernen, um Bildung nachzuholen, die mir durch die Prostitution gestohlen wurde. Ich wusste: Bildung ist der Schlüssel aus dem Elend. Die Prostitution verlassen zu wollen und sie letztlich zu verlassen bedeutet, die große Herausforderung anzunehmen, sich ins Leben zurück zu kämpfen, was einen zeitweise verzweifeln lassen kann.

Das Trauma kann sich auch im Körper verankern und auf unterschiedliche Weise äußern. Nach meinem Ausstieg traten Traumafolgestörungen nicht nur in Form von Panikattacken auf, die mir den neuen Alltag mit Atemnot und einem stetigen Gefühl von Bewusstseinsverlust unerträglich machten. Sie äußerten sich auch an meinem Bewegungsapparat, der so schwach wurde, dass ich kaum mehr gehen konnte. Gewalt ertragen zu müssen, schwächt Körper und Seele. Gewalt ertragen zu müssen, die nicht als Gewalt anerkannt wird (so wie in Deutschland nicht anerkannt wird, dass Sexkauf Gewalt ist), schwächt Körper und Seele noch mehr, denn zum einen redet man sich zunächst ein, dass alles nicht so schlimm sein kann und erwartet von sich selbst, aushalten zu müssen, was nicht auszuhalten ist.

Später habe ich mir die Frage gestellt, wie ich es dennoch 6 Jahre aushalten konnte. Nicht nur die Betäubung mit Alkohol half dabei, sondern vor allem, was mir erst später klar wurde, die Dissoziation. Die Dissoziation ist ein Schutzmechanismus des Körpers, der Empfindungen vom Bewusstsein trennt, um nicht aushaltbare Gewalt ertragen zu können. Es hat Jahre gebraucht bis ich überhaupt verstanden habe, was Dissoziation ist, wie sie funktioniert und in welcher Art und Weise sie mir geholfen hatte. Sie kann sich in vielen verschiedenen Formen äußern: Bei mir war es dieses Gefühl, nicht richtig da zu sein und alle Sinne gedämpft wahrzunehmen, wie in Watte. Ich habe mich und das Leben wie hinter einer schalldichten Glaswand erlebt, wie durch einen Tunnel bin ich durchs Leben gelaufen. So spürt man natürlich weniger seelischen und körperlichen Schmerz – das ist das Ziel der Dissoziation. Ich war permanent in einer Art Trance-Zustand und es hat lange gedauert, diesen bereits zum Automatismus erstarkten Schutzmechanismus nach der Prostitution aufzulösen und mich und das Leben um mich herum wieder richtig spüren zu können. Lange wusste ich nicht, was mit mir los war und das daraus entstehende Vermeidungsverhalten und der Rückzug trieben mich noch mehr in die Isolation.

Heute bin ich ein anderer Mensch. Damals geschwächt von den Traumafolgen kann ich jetzt Berge besteigen und habe ein unerschütterliches Selbstvertrauen entwickelt, so dass ich zu 100 % weiß, dass ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme und wofür ich hart kämpfe. Ich genieße jedes kleine Detail. Seit ich aus der Prostitution ausgestiegen bin, entdecke ich die Welt neu. Ich bin stark geworden und nichts kann mich mehr erschüttern. Eines ist klar: Die Prostitution werde ich niemals vergessen, aber ich bin physisch und psychisch ausgestiegen. Für immer!

Das ProstG von 2002 gilt seit Jahren als gescheitert. Öfter wurde angebracht, dass prostituierte Menschen sich selbst organisieren und für ihre Rechte eintreten sollten, aber das ist schwierig bis unmöglich, weil sie in der Prostitution zugrunde gehen und zwar nicht nach Jahren, sondern sofort. Bei mir war die Überwindungsgrenze mich mit dem ersten Freier einzulassen sehr hoch. Gefühle wie Ekel, Abscheu, Scham, Trauer und Angst machten es mir nahezu unmöglich, diesen Akt durchzuführen. Ich war kurz davor zu schreien, zu weinen. Als der Akt vorbei war, war etwas in mir kaputt gegangen. Ich wollte schreien, aber ich konnte nicht mehr. Ich wollte weinen, aber ich konnte es nicht mehr. Was ich fühlte, war betäubt und abgetötet. Die Fähigkeit sich zu wehren und Widerstand zu leisten geht bei jedem Freier mehr verloren, weil durch diesen Akt der ungewollten Penetration nicht nur die Dissoziation den Körper beherrscht, sondern auch die Persönlichkeit immer weiter gebrochen wird. Dieser Akt der Penetration bedeutet eine permanente Demütigung und Degradierung zu einem Objekt sexueller Benutzung. Die Menschenwürde wird entzogen. Man hört auf, sich als fühlender Mensch wahrzunehmen. Das ist einer der Gründe, warum viele Menschenhandelsopfer auch später, wenn der Täter auf Abstand gerückt ist, in der Prostitution bleiben. Ihre Persönlichkeit, ihr Wille, ihre Identität, wurde gebrochen. Es ist absurd anzunehmen, dass genau jene Menschen dann Widerstand leisten und für ihre Rechte kämpfen sollen. Der Staat ist es, der hier die Aufgabe hat, diese Menschen zu schützen! Deswegen ist es auch skandalös von den Grünen, die das ProstG 2002 auf den Weg gebracht haben, dass sie auf ihrem kürzlich veranstalteten feministischen Zukunftskongress am 7. und 8. September keine kritischen Stimmen zur Prostitution gehört haben, sondern weiterhin ungeniert an ihrer liberalen Prostitutionsgesetzgebung festhalten.

Die Prostitution hinter sich zu lassen ist ein Kampf für einen selbst gegen alle Hindernisse und (Selbst-) Zweifel, gegen einen Staat, der diese Gewalt normalisiert, indem er sie legitimiert anstatt ihr einen Riegel vor zu setzen. Unsere Gesellschaft sollte endlich begreifen, dass Prostitution Gewalt ist und der Ausstieg aufgrund der ganzen Umstände auch in Deutschland sehr schwierig ist. Sie sollte Arme und Tore öffnen anstatt sie zu schließen. Der Ausbau von Ausstiegshilfen ist enorm wichtig, denn wir haben in Deutschland viel zu wenig davon.

Für Aussteigerinnen ist es wichtig, trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten an das Gute zu glauben, an respektvolle Beziehungen, an die Liebe, an echte Freundschaften. Geduld ist der Schlüssel. Hoffnung und Vertrauen (in sich selbst), dass der Ausstieg klappen wird, dass es besser werden und man den Weg hinaus dauerhaft finden wird.

Ein wichtiger Punkt ist dieser innere Prozess des psychischen Ausstiegs. Ein innerer Prozess der tiefen Überzeugung, dass Prostitution aufgrund der Gewalt, die dort passiert, nie wieder eine Option sein kann. Ein innerer Prozess, dass man sich nie wieder demütigen lassen wird, weil man etwas wert ist und eine Würde hat, die unverletzbar ist. Ein innerer Prozess, dass man seine Selbstliebe nie wieder so aufgibt, dass Freier die Macht bekommen, einen derart verletzen und traumatisieren zu können. Deutschland muss endlich aufwachen und diejenigen bestrafen, die Gewalt antun – die Freier. Aber wir hoffen und wollen mit diesem Text bezwecken, dass bis der deutsche Staat seine Schutzpflichtaufgabe verstanden hat, Aussteigerinnen sich dennoch nicht aufgeben, indem sie wieder in die Prostitution zurückkehren. Deswegen ist unsere Botschaft an alle Frauen, die Wiedereinstiegsgedanken haben:

NIE WIEDER PROSTITUTION!“

 

Ersterscheinung: https://www.trauma-and-prostitution.eu/2018/12/28/nie-wieder-prostitution/

3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen, April 2019 in Mainz

Anfang April 2019 fand der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen an der Universität Mainz von CAP International (http://www.cap-international.org/) zusammen mit SOLWODI (https://www.solwodi.de/) und Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (https://www.armut-gesundheit.de/) statt.

Mehr Informationen zum Kongress hier https://www.solwodi.de/seite/388513/weltkongress-2019.html und hier https://solwodiweltkongress.blogspot.com/.

Nachfolgend meine Rede (im Video bleibt leider ein paar Mal der Ton weg).

 

Ein historisches Urteil!

 

Heute wurde Deutschlands wohl bekanntester Bordellbetreiber Jürgen Rudloff nach einem fast 1-jährigen Prozess zu einer 5-jährigen Freiheitsstrafe u.a. wegen Beihilfe zum Menschenhandel verurteilt. Seit Jahren propagierte er in den Medien und Talkshows die saubere Prostitution, während im Prozess festgestellt wurde, dass in seinem Bordell die Hells Angels und United Tribuns[1] das Sagen hatten. Auch sein Marketing-Chef Michael Beretin, der ebenfalls in Talkshows und Medien von der heilen Welt der Prostitution sprach, wurde zu 3 Jahren und 3 Monaten verurteilt.

„Mit der Eröffnung seines Großbordells Paradise in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) im Jahr 2008 hatte Jürgen Rudloff medienwirksam eine „saubere Prostitution“ propagiert. Er bot eine „Wellnessoase für den Mann, in der Frauen freiwillig arbeiteten“.[2]

Das Urteil ist historisch, denn erstmals wird ein Bordellbetreiber zur Verantwortung gezogen.

„Es ist der erste umfangreiche Großprozess, der kriminelle Praktiken hinter legaler Prostitution offen gelegt hatte.“[3]

Die meisten Bordellbetreiber wissen oder nehmen zumindest billigend in Kauf, dass die Prostituierten, die bei ihnen in das Bordell kommen bzw. gebracht werden, Opfer von Menschenhandel sind. Sie nehmen es in Kauf, weil sie ansonsten ihren Laden nicht vollkriegen und einen wirtschaftlichen Ruin erleiden würden, wie auch dieser Prozess zeigt.

Das war eine herausragende Arbeit der Ermittlungsbehörden!

[1] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/Mammutverfahren-vor-dem-Stuttgarter-Landgericht-Urteile-im-Paradise-Prozess-erwartet,paradise-prozess-urteil-erwartet-100.html.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

 

Hilke Lorenz zum Prozess:

 

 

Hier geht’s weiter zum ganzen Artikel:

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.urteil-im-paradise-prozess-keiner-kann-mehr-sagen-ich-weiss-nicht-was-in-bordellen-passiert.84fed5bb-ebeb-4134-93cc-02a3b23e7280.html?fbclid=IwAR1JgHSvSwemtGO9Ciuf9zIi3waTqv8MsmiXOvAmrbAdC84LWqee0pqnQGM

Antwort von Frau M. an Frau Balthus – Der pädophile Blick: Balthus doppelt

In meinem letzten Posting habe ich einen Kommentar über Frau Balthus Artikel in der WELT geschrieben, den sie auf eine Strafanzeige hin (von Frau M.) dort veröffentlicht hatte. Die Anzeige wurde von Frau M. wegen Verdachts auf Verbreitung kinderpornographischer Schriften gestellt. Ich habe die von Frau M. angezeigten Bilder nach ihrem Hinweis damals an mich (online) auch auf Frau Balthus (zu dieser Zeit noch öffentlich zugänglichen) tumblr-Account gesehen und ein Vorgehen dagegen aus Kinder – und Jugendschutzgründen für gut geheißen.

Für die Öffentlichkeit war diese Sache sicherlich nicht gedacht, da Frau Balthus es allerdings mit ihrem Artikel selbst in die Öffentlichkeit getragen hat, musste sie auch mit einer öffentlichen Klarstellung rechnen, die Frau M. jetzt veröffentlich hat.

Frau M. spricht in ihrem Text selbst über die Anzeige und über Frau Balthus Artikel in der WELT, denn sie möchte einige Dinge klarstellen. Ich möchte ihr hier eine Stimme geben und ihren wichtigen Text teilen. Ich finde es unmöglich was hier passiert, wie die WELT Frau Balthus Text eine Plattform geben konnte.

Die WELT hat auch vorher bereits im Feuilleton (!) und online einen Text von Frau Balthus veröffentlicht, wo mit Pädophilie gespielt, es in Verbindung mit Prostitution gebracht und das Ganze sehr verharmlost wird. Hier nur ein Zitat daraus (es geht im Text um eine Begegnung von Frau Balthus mit einem ihrer Prostitutionskunden, einem Juristen): „Nur die wenigsten Kunden lehnen meine quasi-pädophilen Rollenspiele ab, wenn ich sie von mir aus anbiete; auch er nicht. Und ich verrate Ihnen, ohne ins Detail zu gehen, auch noch so viel: die 13-jährige Lolita, die wollte er nicht von mir. Für ihn durfte ich höchstens neun sein.“ https://www.welt.de/kultur/das-kanarienvoegelchen/plus182232176/Das-Kanarienvoegelchen-Das-Gesetz-der-Doppelmoral.html

 

Es reicht jetzt mal mit der medialen Unterstützung von pädokriminellem Gedankengut?!

 

Hier der Text von Frau M.:

 

Der pädophile Blick: Balthus doppelt

 

Balthus: so nannte sich ein Maler, der junge Mädchen in einer sexualisierten Weise portraitierte, um den pädophilen Blick anzusprechen.

Wie man mit derartigen Bildern umgehen soll, wird inzwischen zumindest diskutiert. Im Gegensatz zu Zeiten, wo der männliche Blick sich auch in gewaltsamer Form vollkommen kritiklos in Kunst und Kultur reproduzieren konnte, ist das ein Fortschritt. Denn endlich wird zumindest hin und wieder die Stimme derer in der Debatte wahrgenommen, für die dieser Blick und damit verbundene Handlungen das Gegenteil von erotisiert ist, sondern Bedrängnis, Übergriff und Ohnmachtserfahrung bedeutet.

Der Versuch, diese Stimmen als „prüde“ oder „sexfeindlich“ darzustellen, ist eine altbekannte sexistische Abwehr. Aber zu dieser Asbach-Uralt-Argumentation greift im Zweifelsfalle, wenn nichts mehr hilft, noch immer so manch Antifeminist – oder eben auch Antifeministin.

Salomé Balthus, die ihr Pseudonym wohl nicht zufällig dem genannten Maler entlehnt hat, empört sich in ihrer Welt-Kolumne am letzten Wochenende über eine Anzeige, die sie von mir wegen Verbreitung kinder- und tierpornografischer Schriften erhalten hat. An den Aussagen in ihrem Artikel stimmt nur das wenigste, daher ist eine Klarstellung notwendig.

In ihrer Darstellung streicht sie „kinder-“ und „tier-“ aus ihrer Schilderung, so dass sich die Anzeige scheinbar allein gegen pornografische Schriften richtet und, wie sie suggeriert, aus reiner Sexfeindlichkeit und übersteigertem Feminismus motiviert ist. Ihr zufolge befanden sich auf ihrem Tumblr: „Manga-Comics, Filmchen von Meow!-Projekt und Filmausschnitte von ‚Pretty Baby‘ (Louis Malle) oder ‚My little Princess‘ (Eva Ionesco) – morbider Kitsch, wie ich ihn liebe.“ So spielt Balthus herunter, was faktisch auf ihrem damals offen zugänglichen Blog „salomenude“ zu sehen war und zu diesem Zeitpunkt noch immer ist. Sie  verleugnet, dass sie sehr wohl Darstellungen von Kindern in sexualisierter Form postete, gezeichnete wie fotografierte. „Welche Kinder?“, fragt sie im Welt-Artikel.

Ein paar Beispiele: ein nacktes gezeichnetes Mädchen im Grundschulalter, das seitlich steht und ihren Körper vorwölbt. Das Bild stammt von der Quelle „hot-hentai-girls“. Hentai ist der japanische Begriff für gezeichnete Pornografie. Die Zeichnung eines kleinen nackten Mädchens, das auf dem Bett liegt und angstvoll aufsieht. Auf ihren Oberschenkeln und in ihrem Schambereich ist dunkle Soße verspritzt. Auch sie stammt von „hot-hentai-girls“. Das Gif, ein Minifilmchen, eines frühpubertär wirkenden, mit einer Augenmaske versehenen Mädchens, über dessen Körper die Hände Erwachsener fahren. Unterschrift: „Bring your friends“. Hashtags darunter: #gang bang #orgy #group rp. Die Zeichnung eines kleinen Mädchens, das auf einem Mann sitzt, dessen Penis in ihr sichtbar ist und ejakuliert. Fotos von Eva Ionesco als Kind, in sexualisierten Posen.

Eva Ionesco wurde von Balthus ja selbst erwähnt und unter „morbider Kitsch“ subsumiert. Doch in Wahrheit war Ionesco als Kind ab dem Alter von vier Jahren der sexuellen Ausbeutung durch ihre Mutter ausgesetzt, die Ionesco in besagten Posen fotografierte, und die Fotos an Interessenten weiterverkaufte. Ionesco verarbeitete dies vor einigen Jahren in dem Film „I am not your fucking princess“ und benennt ganz klar das, was ihr angetan wurde als Missbrauch.

Das Verfahren gegen Balthus wurde eingestellt. Dass das passiert, war leider nicht unwahrscheinlich, da die meisten Anzeigen wegen Kinderpornografie eingestellt oder wie Bagatelldelikte behandelt werden. Ausgerechnet in der Welt, die Zeitung also, in der Salomé Balthus derzeit ihre Texte veröffentlicht, findet sich ein Artikel, der beschreibt, wie die Justiz Kinderpornografie wie ein Kavaliersdelikt behandelt. Bei nicht wenigen der Täter handelt es sich um Justizbeamte.

Im Schreiben des Berliner Staatsanwalts zur Verfahrenseinstellung steht: „Tierpornografische oder kinderpornografische Inhalte (stilisierte Mangabilder zählen hierzu nicht) konnten auf der von Blogging-Plattform nicht festgestellt werden.“ (Original-Schreibweise)

Doch darin irrt der Staatsanwalt: „Für die Verwirklichung des § 184b StGB in der Tatvariante der „Verbreitung von Kinderpornographie“ ist es bereits nach dem Gesetzeswortlaut völlig ausreichend, wenn es sich um ein fiktives Geschehen handelt.“ Unter Kinderpornografie zählt des Weiteren seit 2008 auch das Posing: „Da nach dem Gesetzeswortlaut eine Stimulation oder Manipulation am Körper des Kindes nicht mehr erforderlich ist, unterfallen Posing-Bilder nun auch dem § 184b StGB.“ (Quelle für beide Zitate)

Diese gesetzliche Fassung ist richtig so. Denn alles, was erkennbar zur sexuellen Stimulierung durch Kinder dient, auch wenn es in gezeichneter Form als Manga ist, bejaht zugleich generell das Leiden von Kindern als sexuelles Vergnügen für Pädokriminelle. Es verharmlost diese zutiefst verabscheuungswürdige Haltung und im schlimmsten Falle Handlungen gegenüber Kindern und trägt zu deren Normalisierung bei. Des Weiteren verwenden Pädokriminelle beim Grooming auch Kinderpornografie, um den von ihnen angezielten Kindern vorzugaukeln, das, was sie vorhaben, sei doch normal. Sandra Norak erläutert in ihrem Kommentar zu Balthus Welt-Artikel, dass es u.a. genau darum auch in der Gesetzgebung geht: „Der Regelungszweck des § 184b StGB oder § 184c StGb ist mitunter auch eine Bestrafung der mittelbaren Förderung des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie die Verhinderung von Anreiz und Nachahmung.“

Für Betroffene sexueller Gewalt als Kind ist das Vergnügen anderer an diesem erlebten Leiden wie ein Faustschlag in den Magen. Viele inzwischen Erwachsene, von denen als Kinder filmische oder fotografische Darstellungen der angetanen sexuellen Gewalt verbreitet wurden, leiden zusätzlich darunter, dass diese Bilder und Filme weiter im Umlauf sind und weiter zur sexuellen Anregung für Pädokriminelle dienen, die mit ihrem sexuellen Vergnügen daran die Gewalt fortsetzen – und zusätzlich durch ihre Nachfrage die Produktion weiter ankurbeln. Eva Ionesco zum Beispiel verklagte, leider vergeblich, ihre Mutter auf Herausgabe der Fotos. Diese werden nun u.a. auf Salomé Balthus Tumblr verbreitet.

Das Problem ist nicht Balthus allein, denn die meisten ihrer Bilder und Filme sind Reposts, kommen also von anderen Quellen. Hunderte und Tausende davon müssen sich demnach allein auf Tumblr befinden. Der Konsum von Kinderpornografie ist inzwischen allgemein so weit verbreitet, dass die britische Polizei jüngst davon sprach, dass jede und jeder davon ausgehen könne, im eigenen Bekanntenkreis jemanden zu haben, der das tut. Doch die Quellen auf Tumblr, von denen Balthus ihre Bilder bezog, sind anonym oder befinden sich außerhalb des Zugriffs der deutschen Justiz. Salomé Balthus aber ist bekannt, weil sie in der Öffentlichkeit als Fürsprecherin der Prostitution auftritt. Seitdem sie öffentlichkeitswirksam ihre Escort-Agentur eröffnete, wird sie durch beinahe alle Medien gereicht. Umso mehr Einfluss haben ihre öffentlichen Verlautbarungen, unter die auch Blogs wie ein Tumblr zählen. Der, auf dem sie die angezeigten Bilder postete, war zu dem Zeitpunkt der Anzeige öffentlich frei zugänglich. Mit zwei Klicks kam man von ihrem Facebook-Profil, mit dem sie sich in öffentliche Debatten einmischt, über ihren dort verlinkten, nach ihrem Pseudonym benannten Tumblr zu dem besagten Blog. Inzwischen hat sie ihn auf privat gestellt, so dass nur Menschen mit eigenem Tumblr-Account ihn sehen können. An den Inhalten hat sich nichts geändert. Lediglich eine Warnung fordert nun unter 18-jährige dazu auf, die Seite zu verlassen.

Balthus versucht in ihrem Artikel, die Anzeige einer Art Feindschaft gegen sie als Prostituierte zuzuschreiben – denn dass es an Kinderpornografie liegen könnte („Welche Kinder?“) hat sie ja bereits abgestritten. Doch darin irrt sie. Um ihre Verharmlosung und Beschönigung von Prostitution geht es nicht. Die diesbezüglichen unterschiedlichen Haltungen sind ein Fall für politischen Diskurs, nicht für eine Anzeige, und meine Haltung zu Prostitution habe ich bereits dargelegt. Kinderpornografie ist für sich Grund allein, jemanden anzuzeigen.

Doch bei diesem Versuch, von dem eigentlichen Grund für die Anzeige abzulenken, bleibt Salomé Balthus nicht stehen. Sie greift tief in die Kiste antifeministischer Argumentation, indem sie ein Bild von Beratungsstellen für Betroffene von sexueller Gewalt zeichnet, das dem des unrühmlich geprägten Schmähbegriffs der „Opferindustrie“ entspricht: auf Schauergeschichten nur so lauernde Frauen, die  von ihr als „Retterlesben“ bezeichnet werden. Sie malt sich aus, wie diese Beraterinnen hilfesuchende Betroffene nicht nur anfeuern, sich zu offenbaren, sondern sich an deren Berichten auch noch aufgeilen. Ja, das klingt ziemlich schlimm, aber in einer Welt-Kolumne hinter Paywall darf man sowas offenbar schreiben.

Immerhin für einen Lacher sorgte ihr Text. Sie beschreibt eine Begegnung mit mir, die faktisch nie stattgefunden hat. Ein „gedrungenes Wesen“ habe sich ihr bei einer Veranstaltung genähert, „eine ältliche Matrone mit Bürstenhaarschnitt“. Gerne würde ich Salomé Balthus zumindest viel Fantasie zusprechen, aber auch bei meiner Beschreibung greift sie fern jeder Originalität auf altbekannte Negativstereotype aus der antifeministischen Mottenkiste zurück. Das konservative, männliche Publikum, dessen Beifall sie sich damit und mit ihrem enthemmten Bashen von Frauenberatungsstellen, Lesben und Feministinnen allgemein erheischt, wird sich in seinem Weltbild bestätigt fühlen und den erhofften Beifall spenden.

An den Tatsachen ändert aber auch dieser Beifall nichts: dass Salomé Balthus, Schwärmerin für Maler Balthus, auf ihrem Tumblr Kinder und Kinderdarstellungen in sexualisierter Form dem pädophilen Blick darbietet. Inzwischen gerichtlich abgesegnet. Der Welt-Artikel ist Ausweis des Oberwassers, das Menschen, die sowas tun, nach Verfahrenseinstellungen haben.

Quelle:

https://ifgbsg.org/der-paedophile-blick-balthus-doppelt/

Kinder-, Jugend-, und Tierpornographische Schriften – wie hoch sollte das Schutzniveau sein?

Heute habe ich einen Artikel in der WELT gelesen:

https://www.welt.de/kultur/das-kanarienvoegelchen/plus183220406/Das-Kanarienvoegelchen-Du-kriegst-mich-nicht.html?wtmc=socialmedia.facebook.shared.web&fbclid=IwAR0TGpOhbTjUxzgDziYJgwcICE_4lT3MAfb-L_OZzbaeBVATTXFhIuU432E

Eine mir aus Facebook bekannte Frau M. hatte Salomé Balthus angezeigt, da sie auf deren Internet Seite Inhalte entdeckte, die starke Bezüge zu Kinder-, Jugend-, und Tierpornographie aufzuweisen schienen. Zumindest ging sie davon aus Inhalte entdeckt zu haben, die problematisch sind und als solche eingestuft werden. Ich schaute mir nach Frau M.’s Hinweis damals selbst die Bilder an, denn Frau Balthus Seite war zunächst öffentlich zugänglich (jetzt ist sie es nicht mehr). Ich war schockiert, als ich diese Bilder sah. Es waren u.a. viele Mangas, deswegen wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte.

Kinder/Jugendliche in Manga Design, die nackt dargestellt werden samt Geschlechtsteile. Zum Beispiel ein „Manga Mädchen“, das mit gespreizten Beinen auf dem Bett liegt, während ihr die Schokosauce über den Körper läuft und sie sich den kleinen Finger ableckt. Dass es sich unverkennbar um Kinder/Jugendliche handelt, die sexualisiert werden, wird zudem deutlich, wenn man unter diesen Comics/Mangas Aussprüche liest wie „The more you call him daddy when he fucks you, the faster, harder and deeper he goes.“ Oder: “Daddy… I think I’m wet enough to take your cock now…

Eine Manga Video-Animation, auf der man ein Pferd/einen Stier (jedenfalls ein Tier mit Hufen) sieht und dabei eine am Boden gefesselte Frau, die unter dem Tier liegt und sexuell in die Vagina/Anus penetriert wird, war auch zu sehen.

Ja, es sind Comics. Mangas. Ist das dann wirklich alles so harmlos und unproblematisch, wie es jetzt in der WELT von Balthus dargestellt wird?

Balthus die Gute und Frau M., die Anzeige erstattet hatte, die Böse, die Prüde?

Ich weiß nicht, was die Behörden in diesem Fall gemacht haben. Laut dem WELT Artikel hat es ein Verfahren gegeben, welches eingestellt worden ist. Laut Artikel wurde nichts Verbotenes gefunden. Die vollumfänglichen Gründe kenne ich nicht.

Ich kenne nur Balthus Artikel aus der WELT dazu und die Bilder auf ihrer (jetzt nur noch mit einem Account) zugänglichen tumblr-Seite. Da sie sich nun in der WELT öffentlich dazu äußert und eine Frau angreift, die nur das Ziel hatte, manches Material (wenigstens vom öffentlichen Zugang) entfernen zu lassen und Kinder schützen zu wollen, möchte ich dazu etwas schreiben, denn ich habe Frau M.‘s Weg aufgrund ihres anfänglichen Hinweises an mich zeitweise mitverfolgt (online) und es für gut geheißen, zu versuchen, die Inhalte aus Kinder- und Jugendschutzgründen entfernen zu lassen/dem öffentlichen Zugriff zu entnehmen. Dass sich nun, laut Balthus Artikel, zwei Staatsanwaltschaften und ein Polizei-Oberkommissar damit beschäftigt hatten… wer hätte das gedacht.

Gewalt an Kindern ist ein Thema, was präsent ist. Pädophilie, der Missbrauch von Mädchen durch ihre eigenen Väter. Ja, um es nicht zu verschweigen: auch der Missbrauch von Jungen durch Mütter. Oder andere Konstellationen wie der Missbrauch von Minderjährigen in der Prostitution durch Freier, die einen Kick verspüren, wenn sie Kinder kaufen und sexuell benutzen können.

Egal ob wir verschiedene Ansichten zur Prostitutionsthematik vertreten (Nordisches Modell oder komplette Liberalisierung), wie es hier mit Frau Balthus der Fall ist (sie ist eine überzeugte Prostitutionsbefürworterin und selbst als Prostituierte tätig): dass man Kinder unter allen Umständen schützen sollte, dürfte eigentlich Konsens sein.

Ich finde den Artikel in der WELT sehr problematisch und verharmlosend, was diese sexualisierten (Manga) Bilder von Kindern/Jugendlichen angeht. Es wird ein wenig so dargestellt, als wäre Frau M.‘s Anzeige völlig an den Haaren herbeigezogen gewesen.

Schaut man sich die Paragraphen des StGb zu Kinder-/Jugendpornographie an, merkt man, dass es nicht so war. Können Mangas, fiktive Personen und Comics als Kinder-/Jugendpornographie strafbar sein?

Der Regelungszweck des § 184b StGB oder § 184c StGb ist mitunter auch eine Bestrafung der mittelbaren Förderung des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie die Verhinderung von Anreiz und Nachahmung. Für den § 184b StGb genügt auch eine virtuelle Schöpfung im Sinne von Comics, fiktiven Personen sowie Mangas.[1] Also ,,Fiktivpornografie“.[2]

Auf dieser tumblr-Seite von Balthus sind einige Manga Posing Bilder von Kindern/Jugendlichen zu sehen.

Mit dem 49. StrÄndG vom 21.1.2015 wurde die Definition von Kinderpornographie zu deren besseren Schutz erweitert. Erfasst sind nun auch Abbildungen, die keine sexuellen Handlungen, sondern den „kindlichen Körper in unnatürlich geschlechtsbetonter Haltung“ zeigen.[3]

„Die Darstellung muss offenkundig ein altersunangemessenes, sexuell anbietendes Verhalten zeigen. Maßgeblich ist die Zielsetzung, die für einen objektiven Betrachter ohne eigene pädophile Neigung erkennbar sein muss. Unzutreffend ist die Annahme, dass Schriften, die nur Posing zeigen, nicht pornographisch seien: Ohne die Zielsetzung, sexuelle Anreize zu schaffen, ergäbe die Produktion solcher Aufnahmen keinen Sinn.“[4]

Zu den Mangas mit den gespreizten Beinen:

„Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGHSt 43, 366, 368) liegt eine sexuelle Handlung eines Kindes oder eines Jugendlichen im Sinne von § 184b, 184c StGB zum Beispiel vor, wenn ein Kind oder Jugendlicher für ein Nacktfoto seine Beine spreizt, da das Spreizen der Beine, um die unbedeckten Genitalien offen zur Schau zu stellen, eine nicht unerhebliche sexuelle Handlung, durch die der Betrachter sexuell erregt werden soll, beinhaltet. Um auch unwillkürlich eingenommene geschlechtsbetonte Körperhaltungen, etwa durch ein schlafendes Kind, strafrechtlich in § 184b StGB zu erfassen, soll es nicht mehr auf das Einnehmen dieser Körperhaltung als sexuelle Handlung ankommen, sondern lediglich auf die Körperhaltung selbst.“[5]

Ich möchte hier gar nicht weiter schreiben und zitieren. Ein Verfahren wurde ja scheinbar aus Gründen eingestellt. Was ich näher bringen wollte war, dass Frau M. sicher nicht willkürlich oder realitätsfremd gehandelt hat, so wie es im WELT Artikel von Balthus leider dargestellt wird. Insgesamt hinterlassen die Bilder und Texte, die Gesamtschau dieser Dinge, einen üblen Nachgeschmack bei mir. Auch deshalb, weil Frau Balthus Seite im Kontext der Prostitution steht und die Bilder sehr leicht damit verknüpft werden (können). Sie schreibt selbst auf einer anderen Seite von einer Begegnung mit einem Juristen als einer ihrer Prostitutionskunden: „Nur die wenigsten Kunden lehnen meine quasi-pädophilen Rollenspiele ab, wenn ich sie von mir aus anbiete; auch er nicht. Und ich verrate Ihnen, ohne ins Detail zu gehen, auch noch so viel: die 13-jährige Lolita, die wollte er nicht von mir. Für ihn durfte ich höchstens Neun sein.“ (Quelle)

Ich finde es verantwortungslos von Frau Balthus, dass sie solche Bilder auf tumblr dann scheinbar bedenkenlos präsentiert. Ich finde es auch unverantwortlich, dass zumindest manche dieser Inhalte nicht gelöscht werden und dass dann auch noch eine Frau, die dagegen etwas tun wollte, in den Medien öffentlich (samt ihrem vollen Namen!) bloß gestellt wird, weil die WELT dem eine Plattform bietet.

Im Übrigen steht im WELT Artikel, dass Balthus Frau M. auf einer Veranstaltung getroffen haben soll und dass Frau M. sie beschimpft haben soll. Ich habe Frau M. gefragt und sie sagte, dass sie Frau Balthus persönlich noch nicht getroffen hat. Was dieser Teil in ihrem Artikel soll, verstehe ich also auch nicht.

Frau Balthus hat ihren Pseudonym „Balthus“ deshalb gewählt, weil sie sich den Namen des Malers Balthus geben wollte, der berühmt dafür war, Minderjährige im Alter von unter 16 Jahren nackt und sexualisiert auf Bildern zur Schau zu stellen. Manche sagen es wäre einfach nur Kunst, das sei von der Kunstfreiheit eben gedeckt – doch viele haben in dieser Hinsicht bereits erkannt[6], dass auch die Kunstfreiheit Grenzen hat.

Wo also, frage ich mich, fängt effektiver Kinder-/Jugendschutz an? Wo möchten wir, dass er beginnt? Kinder und Jugendliche sind unsere Erwachsenen von Morgen. Jetzt sind sie vulnerabel und eine der schutzwürdigsten Gruppen unserer Gesellschaft.

Es geht nicht darum, problematische Kunst/Bilder einfach zu verbieten, weil man sie persönlich unpassend findet. Es geht um Prävention und Gefahrenabwehr.

„…es gibt auch Konsumenten von Kinderpornographie, die mediale Anregung mit realem Missbrauch verbinden. In diesem Fall besteht das Risiko, dass die Neigung zu Sexualdelikten gegen Kinder bestätigt und verstärkt wird und es zu „Hands-on“-Delikten kommt, da von einer dynamischen Beziehung zwischen Interessen und Stimuli auszugehen ist.“[7]

Es geht hier auch nicht um Abolitionismus vs. Liberalisierung von Prostitution oder andere Streitigkeiten (wie Frau Balthus es in ihrem Artikel leider alles vermischt). Es geht zudem sicherlich nicht um ein „Feindbild“, wie Frau Balthus es beschreibt.

Hier geht es um Bilder, die aufgefunden und als problematisch eingestuft wurden, und damit um Kinder-/Jugendschutz.

Für manche geht die Auslegung des Kinder-/Jugendschutzes weiter als für andere – das und nichts anderes hat sich in diesem Fall gezeigt.

 

 

[1] BeckOK StGB/Ziegler, 39. Ed. 1.8.2018, StGB § 184b Rn. 2., https://www.anwalt.de/rechtstipps/-b-stgb-tatvorwurf-kinderpornographie-posing-bilder-fiktive-personen-mangas_045769.html, http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kinderpornografie-die-wichtigsten-fragen-und-antworten-a-953071.html.

[2] Schönke/Schröder/Eisele, 29. Aufl. 2014, StGB § 184b Rn. 3b.

[3] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 18.

[4] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 19.

[5] http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/026/1802601.pdf.

[6] https://www.deutschlandfunk.de/grauzone-kinderpornografie-im-museum.862.de.html?dram:article_id=279429.

[7] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 3.

 

 

Sexuelle Gewalt im bewaffneten Konflikt – Friedensnobelpreis 2018 für Nadia Murad und Denis Mukwege

Sexuelle Gewalt im bewaffneten Konflikt – häufig auch verwendet als Waffe, als Tathandlung des Völkermordes und „ethnischer Säuberungen“.

Ein Thema, womit ich mich beschäftige und welches gerade in den Medien große Aufmerksamkeit dank zweier großartiger Menschen erhalten hat.

Mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden

  • Nadia Murad, Jesidin, von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) versklavt, vergewaltigt und verkauft. Heute kämpft sie öffentlich gegen diesen Terror.
  • Denis Mukwege, kongolesischer Gynäkologe, spezialisiert auf die Behandlung von Vergewaltigungsopfern.

Beide haben wesentlich dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft immer mehr auf diese Verbrechen zu lenken.

Hier mehr dazu: http://www.spiegel.de/politik/ausland/friedensnobelpreis-2018-geht-an-denis-mukwege-und-nadia-murad-a-1231666.html

 


 

I was freed, but I do not enjoy the feeling of the freedom because those who have committed these crimes have not been held accountable.

– Nadia Murad –