„Kannst du dir noch einmal eine Beziehung mit einem Mann vorstellen?“ Ein Text über mein „Outing“ und warum Prostitution alle Frauen betrifft.

Ich habe gerade sehr viel Arbeit (für das Thema Prostitution) und dann bekam ich wieder folgende Frage:

„Kannst du dir noch einmal eine Beziehung mit einem Mann vorstellen?“

Diese Frage ist ein Dauerbrenner und ich bekomme sie sehr oft, genau genommen seit Jahren. Ich möchte nun kurz in diesem Text einmal darauf antworten, denn es geht hier vor allem auch um zwei grundsätzliche Dinge, die nicht nur mich persönlich, sondern viele andere betreffen.

Punkt 1:

Die Antwort auf die Frage oben ist: nein, das kann ich mir nicht mehr vorstellen, das hat aber einen anderen Grund als jenen, der häufig erwartet wird. Dazu komme ich gleich.

Zudem möchte ich mit diesem Beitrag hier auch dafür sensibilisieren, dass man obige Fragestellung anders formulieren sollte, denn ihr könnt die Orientierung eines Menschen nie wissen. Wenn ihr z.B. einen Schwulen fragt, von dem ihr nicht wisst, dass er schwul ist, wie so seine Erfahrungen mit Frauen aussehen, und ihm eine nette Frau wünscht, ist das ungut.

Mir wünschen auch ganz oft Leute „endlich einen tollen Mann“ an meiner Seite, ohne mich zu fragen, ob ich überhaupt einen Mann möchte. Wenn ihr Menschen fragt, ob sie eine Beziehung haben (möchten), dann fragt doch lieber neutral und ohne demjenigen gleich einen Mann oder eine Frau an seiner Seite zu wünschen, denn ihr könnt nicht in den Menschen reinschauen und daher nicht wissen, was dieser Mensch möchte. Es gibt so viele Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben. Eure Fragestellung wird dem nicht gerecht, denn mit eurer Fragestellung setzt ihr Heterosexualität voraus. Enorm viele Frauen sind zumindest bisexuell, viele auch lesbisch. Manche finden es erst später raus, oft dann, wenn sie plötzlich in eine Frau verliebt sind und sich fragen, was nun mit ihnen los ist.

Hier könnt ihr das Problem sehen, wenn ihr mir einen netten Mann wünscht:

Ich bin nicht heterosexuell, sondern lesbisch. Manchmal nehmen Menschen an, dass meine traumatischen Erfahrungen in der Prostitution mich daran hindern, eine Beziehung zu einem Mann einzugehen. Hier ist, wie es wirklich aussieht:

Die Prostitution hat mir, auch wenn ich es nicht gerne sage, weil es tiefe Abgründe unserer Gesellschaft aufzeigt, einen großen Einblick gegeben, wie ein Großteil der Männerwelt aussieht. Abgesehen von der Erfahrung mit meinem Zuhälter und vielen anderen Ausbeutern: ich hatte Tausende von Freiern und habe viele Erkenntnisse erlangt, die „normale“ Frauen nicht erlangen oder verdrängen. Die Prostitution, das was ich gesehen und erlebt habe, das ist kein schlechtes Märchen, das es nicht gibt, sondern alltägliche Realität in deutschen Haushalten. Die Prostitutionserfahrung hat mich in dieser Hinsicht aufgeklärt, denn was dort passiert ist und jeden Tag weiterhin geschieht, das kann niemand weg reden oder beschönigen oder sagen, es sei eine Ausnahme oder ein Einzelfall. Es ist deutscher Alltag und das wird von ganz „normalen“ Männern ausgeübt. Wenn man suggeriert, es sei das Trauma, das einen von Männern weiter entfernt hat, dann befreit man die ganzen Freier von ihrem Verhalten und Tun und tut so, als läge das Problem bei der Frau. Es liegt nicht an der Frau, sondern an der Realität, die die Frau in der Prostitution gesehen hat und daher nun aus erster Erfahrung kennt. Wir haben ca. 83 Millionen Menschen in Deutschland. 1,2 Millionen[1] sollen pro Tag solche „sexuellen Dienstleistungen“ in Anspruch nehmen. Das sind nicht jeden Tag dieselben. Man kommt demnach auf Millionen. Jetzt könnt ihr schätzen und ahnen, wie viele Männer Freier sind.

Die Prostitution hat mich natürlich von der Männerwelt weiter entfernt. Auch sie hat mich auf den Weg gebracht, jenes Tor aufzubrechen, das ich bereits vorher schon sah und gespürt habe, das mir allerdings, auch gesellschaftlich, versperrt war: den Wunsch, eine Frau an meiner Seite zu haben.

Viele Betroffene haben schlechte Erfahrungen in der Prostitution gemacht und Gewalt erlebt, sind aber deswegen nicht lesbisch. Meine Prostitutionserfahrung allein war dementsprechend nicht der Grund, sondern der Katalysator. Manche Frauen, auch unabhängig von der Prostitution, entdecken ihre wahre Orientierung erst später im fortgeschrittenen Alter, sei es weil die eigentliche Orientierung unterdrückt war (z.B. aufgrund von allgegenwärtiger, dominierender, erwarteter Heteronormativität), sich verändert hat, etc. Unten hänge ich euch nur mal zwei Artikel an, falls euch dieser Aspekt, vielleicht auch in Bezug auf euch selbst, näher interessiert.[2] Ich habe lange in dem Glauben gelebt, dass ich als Frau keine Frau lieben darf, es sei unnormal. So war ich grundsätzlich in dem, was als gesellschaftliche Norm erwartet wurde: dass Frauen Männer als Partner haben müssen. Wenn man Sehnsucht nach Bindung, Liebe und Familie hat, versucht man das zu leben, was man kennt. Oftmals solange, bis man irgendwann merkt und versteht, dass es auch anders geht und dieses „Andere“ genau das ist, was sich endlich wirklich richtig anfühlt.

Jeder Mensch darf lieben, wen er möchte. Daran gibt es weder etwas Verwerfliches, noch Anstößiges noch Unnormales. Verwerflich ist es, Menschen vorschreiben zu wollen, wen sie lieben dürfen und wen nicht, denn das hat niemand zu entscheiden außer die zwei an der Beziehung beteiligten Personen, die es etwas angeht. Trotz dessen, dass wir sogar insofern eine Gleichstellung im Gesetz haben, sodass auch gleichgeschlechtlich geheiratet werden kann, trauen sich dennoch viele Nicht-Heteros nicht, darüber zu sprechen, denn Homophobie ist trotz des Gesetzes noch verbreitet. Auch ein Grund, warum ich diesen Beitrag hier schreibe. Letztlich ist es ja mein Privatleben, aber ich denke mir: wenn jeder so selbstverständlich mir diese Fragen und Wünsche entgegenbringt, die Heterosexualität voraussetzen, dann kann ich auch selbstverständlich mal erklären, was an diesen Formulierungen problematisch ist und genauso normal über meine Orientierung sprechen wie es auch eine hetero-Frau tut und wie diese Fragen und Wünsche bei mir landen. Das heißt konkret: von mir wird es dazu ab jetzt mehr Content geben.

Viele reduzieren verschieden- oder gleichgeschlechtliche Liebe auch nur auf die Geschlechtsteile, die sich unterscheiden würden. So ist das aber ganz und gar nicht. Es ist nicht nur der Körper, der eine Beziehung mit einer Frau von der Beziehung mit einem Mann unterscheidet, es ist vor allem die ganze Gesprächs-, Kommunikations- und Gefühlsebene, die mit einer Frau auf einem ganz anderen emotionalen Level stattfindet als mit einem Mann. Ja, ich kann es beurteilen, denn ich habe Erfahrung mit beidem. Männer ticken einfach grundsätzlich anders als Frauen, dementsprechend sieht eine Beziehung mit einer Frau auch ganz anders aus als eine Beziehung mit einem Mann. Das soll keine Wertung sein, dass eines generell besser oder schlechter ist. Es ist einfach anders und jeder Mensch muss für sich selbst entscheiden, was er favorisiert. Ich favorisiere eben eine Frau an meiner Seite.

Käme nach wie vor ein Mann für mich als Partner in Betracht, dann wäre es in der Tat nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, komplizierter. Viele Frauen, die in der Prostitution waren, haben in ihrer Beziehung später mit einem Mann große Probleme, vor allem was die Sexualität angeht.

Ein Irrglaube ist es allerdings, dass dies an den Frauen liegt, die nun eine „Störung“ aufgrund ihrer Erfahrungen in der Prostitution hätten. Frauen, die in der Prostitution waren, erkennen einfach „Freierdenke“ und „Freierverhalten“ sehr schnell und aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen reagieren sie besonders sensibel darauf. „Freierdenke“ und „Freierverhalten“ meint nicht gleich, dass man ein Freier sein muss. Es geht darum, wenn z.B. Sex verlangt wird, den die Frau gerade nicht will. Es geht um Denk- und Verhaltensweisen, die einem Freier ähnlich sind, auf die die Frauen mit Prostitutionserfahrung, verständlicherweise, empfindlich reagieren. Hierbei müssen sich nicht die Frauen, die in der Prostitution waren, ändern, denn sie sind hier nicht „falsch“. Sie erkennen nur besser, sehen nur besser, wie sehr der eigene Partner gerade einem Freier im Bordell ähnelt, wobei sie solch einen Freier nie wieder sehen geschweige denn so nah an sich ranlassen wollten. Hier müssen die Männer ihre „Freierdenke“ und ihr „Freierverhalten“ ablegen und nicht die Frauen besser „funktionieren“.

Und hier kommen wir zu Punkt 2.

Punkt 2:

Viele Frauen stellen mir diese Frage, ob ich mir noch eine Beziehung mit einem Mann vorstellen könne, ohne zu wissen, dass diese Frage auch etwas mit ihnen selbst zu tun hat.

Dass das auch etwas mit ihnen zu tun hat, was ich und auch andere Betroffene in der Prostitution erlebt haben, das sehen sie oft nicht. Und was viele dieser Frauen auch nicht sehen ist, dass Frauen, die in der Prostitution waren, ihrem Partner gegenüber, also wenn sie später nach dem Ausstieg in einer Beziehung mit einem Mann sind, häufig richtiger reagieren, während sie selbst das oft nicht tun. D.h. dass sie etwas von Frauen, die in der Prostitution waren und später eine Beziehung mit einem Mann haben, lernen können. Was meine ich damit?

Heterosexuelle Frauen, die nicht in der Prostitution waren und keine sexuelle Gewalt erlebt haben, denken häufig, dass sie eine (auch sexuell) gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe zu ihren Männern führen. Viele (natürlich nicht alle!) heterosexuelle Frauen, die in Paarbeziehungen sind, lassen aber den Sex über sich ergehen, auch wenn sie ihn nicht möchten, um zu versuchen damit die Bindung zu sichern, Konflikte zu vermeiden, den „Frieden“ nicht zu stören, etc. Frauen, die hingegen in der Prostitution waren, die dort traumatische Erfahrungen erlebt haben und sich dessen bewusst sind, können genau dies („es über sich ergehen lassen“) meist nicht mehr tun, denn sie können sehr oft keine Sexualität ohne Gegenseitigkeit, ohne wahren Konsens, mehr leben, weil sie erkennen, was eine Ausbeutung ihrer Sexualität ist.

Das vernünftige Verhalten dem Partner gegenüber ist in diesem Fall das Verhalten der Frauen, die in der Prostitution waren und beispielsweise zu ihrem Partner sagen, dass sie jetzt aber trotz der Lust des Partners keinen Sex möchten (deswegen gibt es in solchen Beziehungen oft Stress in Bezug auf das Thema Sex), nicht das der vielen heterosexuellen Frauen in Paarbeziehungen, die es über sich ergehen lassen und nach außen hin oft eine funktionierende Beziehung darstellen (wollen). Viele dieser Frauen haben auch gar keine Vorstellung davon, wie ihre eigene weibliche Sexualität überhaupt aussieht, weil die männliche Sexualität in Bildern, Sprache und Narrativen dominiert und vermittelt, dass die weibliche Sexualität ausschließlich das will und bekommen kann, was die männliche Sexualität vorgibt. U.a. dazu habe ich schon mal etwas geschrieben, ich verlinke es in den Fußnoten.[3]

Die Psychologin Sandra Konrad beschreibt solche Verhaltensmuster auch in ihrem Buch. Auch die #MeToo-Debatte zeige:

„…wie sehr Männer ihre Macht missbrauchen und wie sehr sie die Grenzen von Frauen verletzen. Und wie sehr Frauen daran gewöhnt sind, dass ihre Grenzen verletzt werden. Das ist auch etwas, das mich in den Interviews sehr erschreckt hat: Dass Frauen mir erzählt haben, wie oft sie über ihre Grenzen gegangen sind – und Dinge mitgemacht haben, die überhaupt nichts mehr mit ihrer eigenen Lust und dem, was sie tun wollten, zu tun hatten. Sie haben das nicht für sich gemacht, sondern für den Mann. Oft haben Frauen wenig Gefühl und wenig Gespür für ihre eigenen Grenzen.“[4]

Kommen wir zurück zu dem Punkt, dass Prostitution grundsätzlich jede Frau betreffen kann:

Es ist ja nicht so, dass ich irgendwo auf einem fremden Planeten irgendwelchen Männern begegnet bin. Die Abgründe dieser Gesellschaft, die ich erlebte und sah, das alles war hier. Hier in dieser deutschen Gesellschaft. Nicht weit weg. In Städten wie in kleinen Dörfern, überall.

Die Freier, die zu mir kamen, das waren allermeist ganz „normale“ Männer. In der Masse Familienväter oder Männer in festen Beziehungen.

Ich war häufig auch zuhause bei diesen Männern auf Escort. Dort wurde ich oft damit konfrontiert, dass Bilder von ihren Frauen und Kindern an den Wänden hingen. Es waren auch schöne Häuser dabei, es schien nicht selten alles perfekt zu sein. Wie im Bilderbuch. Diese Männer hatten kein schlechtes Gewissen ihren Frauen gegenüber, sondern haben mir noch Bilder auf Handys gezeigt und Familienfotoalben mit mir durchgeblättert, als ob hier gerade vergessen würde, dass der Mann seine Frau betrügt. Für die meisten Männer war es selbstverständlich, sich das rauszunehmen. Es hätte ja mit der Beziehung zur eigenen Frau an sich nichts zu tun, hörte ich oft.

Begründet wurde der Betrug an den eigenen Frauen damit, dass es entweder im Bett nicht mehr so gut läuft oder aber, dass es im Bett zwar schon gut läuft, aber der Mann einfach Abwechslung braucht, oder dass die eigene Frau beispielsweise seinen sexuellen Wünschen und Ansprüchen nicht genügend nachgeht oder beim Sex zu viel „jammert“, wenn es weh tut.

Diese Männer kaufen sich nicht nur Geschlechtsverkehr mit Prostituierten, wenn sie diese dafür bezahlen, sondern sie kaufen sich damit für eine bestimmte Zeit, in der die Prostituierte anwesend ist, auch das Patriarchat in vollem Umfang zurück: eine Frau, die macht, was sie wollen, die auch bei Schmerzen während dem Geschlechtsverkehr den Mund zu halten hat und auch hält. Sie wurde schließlich dafür bezahlt, das auszuhalten.

Es gibt Frauen, die sagen: mein Mann würde so etwas niemals tun, ich lege für ihn die Hand ins Feuer. Und dann kommen die Abgründe. Besonders schlimm ist das, wenn diese Abgründe 10/20/30 Jahre nach Eheschließung oder Zusammenleben rauskommen und sich herausstellt, dass der Mann ständig fremd gegangen ist, mit Prostituierten (oder auch anderweitig). Besonders schlimm ist das für die Frauen, weil sie nach so langer Zeit dann erfahren müssen, dass die Beziehung, wie sie sich das dachten, niemals wirklich echt und ehrlich war, sondern der Betrug sich über Jahre hingezogen hat. In der folgenden Fußnote findet ihr den Bericht einer sog. „Schattenfrau“.[5]

Was ich feststelle ist:

es ist schwierig für viele Frauen, sich dies alles vor Augen zu führen, denn was ich sage, was ich erlebt habe – und nicht nur ich, sondern viele andere Betroffene – erschüttert nicht selten ihren Glauben an ihren „Prinzen auf dem weißen Pferd“. Sie fangen an sich Fragen zu stellen wie: ist mein Mann treu? Würde er so etwas tun? Was weiß ich alles nicht über meinen Mann?

Das ist oft der Grund dafür, dass sie es lieber verdrängen und so tun, als hätten sie mit all dem, der Prostitution, gar nichts zu tun. Sie stellen Fragen, die suggerieren, es würde ausschließlich mich betreffen, was da passiert ist. Das tut es aber nicht, denn es waren nicht meine Männer, die da zu uns Frauen in der Prostitution und zu mir kamen.

Ich verstehe diesen Verdrängungsmechanismus, denn wer will schon über tiefe, strukturelle, gesellschaftliche und patriarchale Probleme in diesem Bereich nachdenken in dem Wissen, dass es auch einen selbst betreffen und die heile Welt gar nicht so heile sein könnte, wie man vielleicht denkt? Viele Frauen leben in einer Art Blase, denken, es könne sie nicht treffen. Sie zeigen mit dem Finger auf andere Frauen, während sie sich selbst sicher fühlen.

Natürlich sind nicht alle Männer so und ich kenne selbst einige, die menschlich wirklich super sind und sich auch über das Verhalten so manch eines „Artgenossen“ von sich sehr aufregen. Tatsache ist aber, dass geschätzt 1,2 Millionen Männer pro Tag zu Prostituierten gehen. Und wie gesagt, nicht immer dieselben.

Hier nur ein Beitrag aus einem Freierforum:


Hallo,

Meine Frau weiß (hoffentlich!!) nichts von meinen PaySexAktivitäten. Und ich nehme meinen Ehering immer ab, wenn ich zu einer Nutte gehe. Aber im Rückblick: es gab sehr schöne Momente, nach dem Fick, wenn wir noch Arm in Arm dalagen, sie kraulte mir noch etwas die Eier, und der Smalltalk kam dararauf, ob ich verheiratet sei (ja), wie es bei ihr wäre (mal so mal so)

Ihr findet auch in Freierforen ständig Freier, die ihre Frau erwähnen oder über diese schreiben.

Das ist kein schlechter Film, das ist keine Seltenheit, die eben mal passiert.

Es ist Alltag in Deutschland. Es hat nicht nur etwas mit mir oder anderen Betroffenen zu tun, sondern es geht hier um strukturelle Gewalt gegen Frauen insgesamt. Es betrifft die ganze Gesellschaft.

Die Männerwelt sieht in großen Teilen trübe aus in Deutschland. Hier muss sich etwas Grundlegendes ändern. Auch deshalb bin ich für das Nordische Modell, denn es lehrt Jungs und junge Männer von Anfang an, dass es nicht ok ist, sich Menschen, meist Frauen, zur sexuellen Benutzung zu kaufen, während es hier in unserem Land komplett normal (geworden) ist, dies zu tun. Das prägt den Blick auf alle Frauen, auch auf solche in Paarbeziehungen. Deshalb: auch auf die heterosexuellen Partnerschaften wird das Nordische Modell Einfluss nehmen, denn Männer werden nicht mehr mit dem „Freierblick“ und der Einstellung groß, dass es für Sex keinen Konsens braucht. In der Prostitution existiert kein sexueller Konsens in engerem Sinne, denn ohne das Geld würden sie nie mit diesen Männern intim werden. Oftmals höre ich, dass über „heterosexuelle Frauen“ oder über „homosexuelle Männer“ in der Prostitution gesprochen wird. Es hält sich das Narrativ, die eigene Sexualität hätte etwas mit der Prostitution zu tun. So könnten nur heterosexuelle Frauen oder homosexuelle Männer sich männlichen Freiern „anbieten“. Das stimmt aber nicht, denn Prostitution ist kein gewollter Sex von Seiten der sich prostituierenden Menschen, daher ist es egal, welche sexuelle Orientierung die Person hat, denn der Akt mit einem Freier hat nichts mit der Person, die sich prostituiert, zu tun. Es gibt auch Menschen, die asexuell und in der Prostitution sind.

Das Nordische Modell lehrt daher auch Konsens, lehrt konsensualen Sex – etwas, das unserer Gesellschaft in weiten Teilen verloren gegangen ist und dies auch häufig nicht einmal bemerkt wird, da Grenzüberschreitungen und Verletzungen in diesem Bereich schon so normal geworden sind. Freier lassen sich in Freierforen zutiefst entwürdigend über die Frauen aus, bei denen sie waren, schildern nicht selten voller Stolz ihr eigenes missbräuchliches Verhalten den Frauen gegenüber, und das in der größten Selbstverständlichkeit und Normalität, oft noch geschmückt mit Smileys.

Hier geht es nicht um Moral, sondern darum, dass aufgrund dessen, dass Freiern sexueller Konsens egal ist, Unzählige von Menschenrechtsverletzungen hier in Deutschland stattfinden. Und zwar meist an Frauen, die sich in einer Not- oder Zwangslage befinden und keinen Ausweg sehen.


[1] Artikel: „Prostitution: 1,2 Millionen Männer am Tag“:

https://www.tagesspiegel.de/kultur/prostitution-1-2-millionen-maenner-am-tag/225870.html

[2] Artikel: „Frauen ab 40 schwören den Männern ab und werden lesbisch. Was hat das mit #MeToo zu tun?“: https://www.nzz.ch/gesellschaft/late-bloomers-frauen-die-ab-40-lesbisch-werdenab-ld.1442609;

Artikel: „Ich bin dann mal lesbisch: Warum sich Frauen oft spät outen“:

https://www.tagblatt.ch/leben/ich-bin-dann-mal-lesbisch-warum-sich-frauen-oft-spat-outen-ld.1624239

[3] https://sandranorak.com/2021/04/25/ein-text-uber-die-sexualitat-von-frauen/

[4] Therapeutin über weibliche Sexualität – „Wenig Gefühl für die eigenen Grenzen“ (Archiv) (deutschlandfunkkultur.de)

[5] Schattenfrauen | Trauma and Prostitution (trauma-and-prostitution.eu)

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