Welttag gegen Menschenhandel

Heute ist Welttag gegen Menschenhandel.

Ich möchte heute keinen langen Text darüber schreiben, dass es an ausreichenden Hilfen und Maßnahmen für Betroffene fehlt, denn darüber schreibe und spreche ich ständig.

Heute möchte ich daran erinnern, dass es wichtig ist, nicht nur an diesem einen Tag an Menschenhandel zu erinnern, sondern dass es wichtig ist, jeden Tag daran zu arbeiten, damit es weniger Leid gibt, weniger Betroffene gibt und den Betroffenen besser geholfen werden kann.

Oftmals sieht man in den Betroffenen nur die Betroffenen, nicht den Menschen hinter seiner Geschichte. Es sind meist Menschen, die nicht nur unvorstellbares Leid erlebt haben, sondern auch (Lebens-)Träume hatten, deren Träume durch die Ausbeuter zerstört wurden.

Ich möchte euch von meinem Traum erzählen, den ich vor meiner Ausbeutung hatte.

Eigentlich wollte ich, bevor ich meinen Zuhälter kennenlernte, in meinem Leben mal ganz woanders hin als ich jetzt hier bin. Seit ich klein war wollte ich Meeresbiologin werden, denn wenn ich eines liebe und wenn ich an einem Ort auf dieser Welt immer glücklich war und bin, dann ist es am Meer. Das Meer war der Platz, wo ich sein wollte, wo ich arbeiten wollte, wo ich alt werden wollte. Naja, dann kam mein Zuhälter und der Traum war vorbei.

Jura habe ich nicht studiert, weil es mein Traum war, sondern weil ich Verantwortung für das übernehmen möchte, was in unserer Gesellschaft passiert und wovon ich Augenzeugin wurde: massenhafte Ausbeutung, die ungesehen und ungeahndet bleibt.

Ausbeuter fügen nicht nur Leid zu, sondern nehmen den meist jungen Mädchen und Frauen auch all ihre Träume. Ich habe viele Frauen in der Prostitution gesehen und kennengelernt. Das mitunter Schlimmste waren die leeren und hoffnungslosen Augen, die gestohlenen Sehnsüchte und Träume.

Meinen eigenen Traum lasse ich mir nicht komplett nehmen und versuche jede Minute zu genießen, die ich dem Meer nahe sein kann, wenn ich dort bin. Auf dem Bild seht ihr mich beim Freitauchen. Beim Freitauchen taucht man ohne Flasche, nur mit einem Atemzug. Die größte Freiheit verspüre ich da unter Wasser. Leichtigkeit, Schwerelosigkeit, Ruhe, Stille, Frieden. Es ist für mich der friedlichste und schönste Ort auf dieser Welt.

Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass wir eine Gesellschaft schaffen, die aktiv gegen alle Ausbeuter vorgeht, (potenzielle) Betroffene schützt und in der es immer weniger Menschen, meist junge Mädchen und Frauen, geben wird, deren Träume durch Ausbeuter gestohlen werden.

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