Ein Text über die Sexualität von Frauen

Für dieses Thema bin ich eigentlich die falsche Ansprechpartnerin, dachte ich anfangs. In gewisser Weise schon, aber letztlich auch wieder nicht, denn ich habe einiges erlebt, gesehen und gehört. Meine Geschichte und der Umgang damit ist der Grund, weshalb mich immer wieder Frauen ansprechen, die Rat suchen und mit mir über dieses Thema reden möchten. Über ein spezielles Thema: es ist das Thema Sexualität von Frauen im Generellen oder eher: warum mit ihrem Partner diesbezüglich alles schiefläuft.

Dieses Thema ist sehr schambehaftet und daher wird es häufig unter den Teppich gekehrt. Deshalb mache ich es nun einmal publik und fasse in diesem Text die wichtigsten Punkte zusammen, die ich immer wieder höre, denn es betrifft sehr viele Frauen.

Das Thema Sexualität von Frauen ist ein Thema, welches auch, aber nicht nur etwas mit der Prostitution zu tun hat. Mit der Prostitution hat es nur insofern etwas zu tun, als dass die Prostitutionsausübung rein gar nichts mit der Sexualität von Frauen zu tun hat.

Frauen in der Prostitution prostituieren sich nicht, weil sie Lust auf Sex haben, sondern sie tun es für Geld, wobei die Gründe dafür divers sein können: Ausbeutung durch Dritte, Trauma, Armut, eine Kombination aus allem, etc. Natürlich müssen sie sagen, dass sie das alles toll finden und auch so tun, das gehört zum „Geschäft“ dazu, zur Illusion, die man für den Freier schaffen muss, dafür wird man bezahlt – die Wahrheit ist es allerdings nicht. Dort, wo Sexualität gekauft wird, kann logischerweise keine Lust entstehen. Im Gegenteil. Es fühlt sich an wie Missbrauch. Eine Aussteigerin sagte mal, es ist wie ein Vertrag, den man unterschreibt, vergewaltigt zu werden. Ich stimme ihr vollends zu, so ähnlich fühlt es sich an. Man hat seine Einwilligung „in den Akt“ zwar abgegeben, aber das Gefühl, missbraucht zu werden, das verschwindet dadurch nicht.

Wer spricht heutzutage schon offen über die Sexualität von Frauen? Viele schauen Pornos und dort wird quasi verkauft, dass die dort ausgeübte Sexualität das sei, was Männer und Frauen wollen. Es findet dadurch auch eine Art Sozialisation statt, wie Sex auszusehen hat. Dass Männer das oftmals wollen, weiß ich leider durch das, was ich in der Prostitution gesehen habe. Was in Pornos stattfindet, ist allerdings nicht das, was Frauen schön finden. Pornografie ist letztlich nur gefilmte Prostitution. Das, was die allermeisten Frauen nicht wollen, ist mit der Pornografie daher in den Haushalten von vielen heterosexuellen Beziehungen angekommen – und wird als Basis für sexuelle Handlungen verwendet. Das entfremdet die Frauen meist vollständig von ihrer eigenen Sexualität. Viele werden auch taub in Bezug auf ihre eigenen Empfindungen.

Fangen wir an mit Dingen wie Deep Throat, wie das Würgen von Frauen, wie Schläge, Analsex, stetiges Rein-Raus-Gerammel, angespritzt werden, fisten, an den Haaren ziehen, grobes Verhalten, schmerzerzeugendes Verhalten, etc. In Pornos wird vermittelt, dass Frauen auf sowas stehen. Das tun sie aber nicht. Klar, ich kann nicht für alle sprechen, aber jedenfalls kenne ich keine Frau, die es toll findet, z.B. halb kotzen zu müssen beim Deep Throat oder ewiges rein-raus, und an den Haaren ziehen tut übrigens auch weh. Ich habe allerdings einige kennengelernt, die sich daran gewöhnt haben und es in einer Partnerschaft eben mitmachen, so tun, als würde es ihnen gefallen, dem Partner zuliebe, es eben ertragen. Auch das ist mit ein Resultat der Pornoindustrie. Pornos suggerieren: Frauen haben es zu ertragen. Pornos suggerieren sogar noch mehr und zwar, dass die Frauen Spaß daran hätten, grob und gewalttätig behandelt zu werden. Hier wird nur eines versucht: die Unterwerfung der Frau unter den Mann als lustvoll zu verkaufen und damit salonfähig zu halten. Diese falsche Verknüpfung zwischen „Unterwerfung der Frau = Lust der Frau“ führt dazu, dass die Frauen dies letztlich häufig verinnerlichen und denken: „So sieht Sexualität aus.“ Das alles hat mit schöner Sexualität für Frauen allerdings nichts, überhaupt gar nichts, zu tun, ganz im Gegenteil.

Ich habe mit vielen Frauen über ihr Intimleben gesprochen, denn aufgrund meiner Geschichte kommen diese häufiger auf mich zu und schütten mir ihre Probleme diesbezüglich vor die Füße, weil sie scheinbar keinen anderen Ansprechpartner im Bereich Sexualität haben, vielleicht weil dieses Thema sowieso so schambehaftet ist, dass meistens überhaupt nicht darüber gesprochen wird und ich da manchmal „die Nische“ bin, bei der man sich traut darüber zu sprechen. In der Partnerschaft wird es häufig totgeschwiegen.

Es ist schon wirklich traurig, welche Geschichten ich da teilweise höre. Es klingt für mich häufig nach einer Art Prostitution in der Partnerschaft. Es fließt zwar kein Geld, aber der Sex wird durchgeführt um „des Friedens willen“. Die Sexualität des Mannes steht dabei (bewusst oder unbewusst) häufig im Vordergrund, während die Sexualität der Frau oft überhaupt nicht existiert oder sie sich der Sexualität des Mannes unterordnet. Eigene Wünsche und Bedürfnisse der Frau bleiben auf der Strecke oder können sich gar nicht erst entwickeln.

Das Allertraurigste ist, dass viele Frauen so an die Sexualität ihres Partners angepasst sind, dass sie ihre eigene Sexualität überhaupt gar nicht kennen. Sie sind so derart in dieses auch gesellschaftlich vorherrschende „ich-muss-machen-was-dem-Mann-gefällt“-Konstrukt sozialisiert, dass sie gar nicht so richtig wissen, was ihnen selbst gefällt. Sie wissen es auch deshalb nicht, weil ihnen oft nie Raum, Zeit und Sensibilität gegeben wurde, es herauszufinden. Sexualität ist für sie nichts Schönes, sondern eben einfach etwas Gewöhnliches, es gehört zum Leben wie das „Abendessen vorbereiten“ oder eine sonstige Routineaufgabe, die eben so im Alltagsverlauf „abgespult“ wird, sodass der Partner zufrieden ist. Häufig auch mit Vortäuschen von Orgasmen, um dem Partner das Gefühl zu geben, dass er gut war und dass es der Frau Spaß gemacht hat.

Eine Frau, die auf mich zukam mit diesem Problem bzgl. ihrem Mann, die fragte ich dann, was sie denn möchte, was sie sich in Bezug auf ihre Sexualität wünscht. Sie musste erstmal länger nachdenken und hat mir dann geantwortet, dass sie meine Frage nicht beantworten könne, weil sie gar nicht wisse, was sie sich wünscht. Sie wusste nur, dass ihr etwas fehlt und beschrieb es damit, dass der Sex zu unpersönlich, zu unintim, zu oberflächlich sei. Wie ein Geschäft, das verrichtet wird, aber nicht wie das, was es für sie bedeuten sollte. Ihre Beschreibungen von dem Sexleben mit ihrem Mann erinnerten mich teilweise sehr stark an Situationen mit Freiern:

es ging letztlich nur noch um mechanisches Funktionieren ohne den Sex zu wollen und das ist schon sehr schockierend, wenn das in einer Beziehung geschieht. Leider geschieht das oft in Beziehungen und aufgrund von Ängsten, betrogen und/oder verlassen zu werden, wenn sie nicht den gewünschten Sex abliefern, machen so viele Frauen da mit, weil sie oft auch denken, dass dies eben dazu gehört. Oft sind die Frauen auch vortraumatisiert und reinszenieren ihre kindlichen Schutzmechanismen: sie nehmen Verletzungen und Misshandlungen hin, um zu versuchen nicht verlassen zu werden. Unsere Gesellschaft vermittelt ja auch in großen Teilen, dass Sex immer und jederzeit zu einer Partnerschaft dazu gehört. So gesehen steht jede Frau unter Druck, sich dieser anerzogenen Vorstellung von Sexualität zu unterwerfen.

Und an all diejenigen, die jetzt gleich aufschrecken und sagen, dass es nun einmal zu einer Partnerschaft gehört, die möchte ich bitten, ihre Meinung zu überdenken und sich zu fragen: gehört es wirklich zu einer Partnerschaft, dem anderen Sex abzunötigen, obwohl dieser das in dieser Form gar nicht möchte? Die Antwort liegt auf der Hand. Zu einer gesunden Partnerschaft, die Tiefgang hat und von Respekt geprägt ist, kann das jedenfalls nicht gehören.

Dass Freiern die Gefühle von prostituierten Frauen egal sind, ist die eine Sache. An diesem Thema arbeiten viele Menschen sowie auch ich, um Änderungen in der Gesetzgebung zu erreichen. Wenn es aber den Menschen, den man liebt und mit dem man zusammen ist, nicht interessiert, dass man das eigentlich gar nicht möchte, was da an intimen Dingen gerade stattfindet, dann ist das nicht nur eine Form von Gewalt, sondern es schädigt auch unweigerlich die gesamte Bindung und ein tiefes Vertrauen geht kaputt, da es immer diesen ungewollten aufgezwungenen Teil gibt, der zwischen den beiden steht – nämlich jenen, in einer bestimmten Form intim werden zu müssen, ohne es zu wollen. Wer seine Partnerin so behandelt, der kann sie nicht wirklich lieben. Nicht so lieben, wie Frauen es verdienen geliebt zu werden. Nicht so lieben, wie sie es brauchen, um wirklich glücklich zu sein und sich verbunden zu fühlen.

Damals mit meinem Zuhälter, da wusste ich nicht, was Liebe alles „beinhaltet“, was man für Liebe alles „leisten“ und aushalten muss und wo die Grenzen sind. Ich habe vieles mitgemacht und leise ertragen und vieles davon, u.a. schlecht behandelt zu werden, wurde mit der Zeit in gewisser Weise „Normalität“ für mich, weil ich früh geprägt wurde, nichts anderes kannte und daher meilenweit entfernt von meinen eigenen Gefühlen, von meiner eigenen Identität, war. Wenn man so vulnerabel ist, kann man schnell in schlechte Kreise hineingezogen werden, aus denen man nicht mehr so einfach rauskommt. Durch all das, was ich durchlebt habe, weiß ich heute umso mehr, was Liebe ist und auch, was niemals Liebe sein kann. Ein Mensch, der dir sagt, dass er dich liebt, dem deine Gefühle aber egal sind, der dir weh tut, der Dinge von dir verlangt, die du nicht möchtest, der kann dich nicht lieben. Und wenn jetzt hier jemand sagt: „Das ist doch sowieso klar!“, dem möchte ich dazu nur sagen: Nein, das ist für viele nicht klar. Es gibt viele Mädchen und Frauen, die noch nie erfahren durften wie es ist, liebevoll behandelt zu werden. Wer das nicht kennt, dem ist das fremd und der erträgt daher oft lange. Wirkliche Liebe bedeutet vor allem auch, auf den anderen Acht zu geben und ihn nicht zu verletzen. Zu keiner Zeit. Aus keinem Grund. Wie sich viele Frauen dabei fühlen, wenn ihre Partner über sie drüber rutschen, obwohl sie das in diesem Moment nicht möchten und oft noch Schmerzen haben, das kann sich wohl jeder vorstellen. Auch diese Details habe ich gehört und erinnerten mich in gewissen Punkten ebenso an das, was zwischen Freiern und mir passierte. Auch wenn diese beide Situationen ganz andere sind und die Gefühle hierbei auch sicherlich andere, so fühlt es sich aber letztlich, wenn auch in anderer Form und in anderer Intensität, beides wie ein missbräuchlicher Akt an. Nein falsch, es IST beides ein missbräuchlicher Akt.

Eine weitere Sache brennt auf den Nägeln von vielen – das Thema „Orgasmus“:

Dass Frauen in der Prostitution keinen bekommen, ist klar. Wer einen missbräuchlichen Akt erlebt, kommt nicht zum Höhepunkt, sondern erlebt Gewalt. Was Frauen in der Prostitution fühlen ist Ekel und Traurigkeit. Schmerz. Sie müssen es überspielen und so tun, als wäre es toll, während sie innerlich sterben. Das ist die Essenz der Prostitution. Prostitution hat nichts mit schönen Momenten zu tun, sondern mit dem Ertragen von ungewollten Handlungen am eigenen Körper.

In Partnerschaften sieht es mit Orgasmen bei Frauen lau aus, obwohl es das nicht müsste. Vielen Frauen ist ein Orgasmus zwar nicht so wichtig, sie wünschen sich oft einfach nur ein liebevolles Miteinander und ein „sich nahe sein“ anstatt nur gezielt auf den Höhepunkt hinzuarbeiten. Sie stehen auch oft unter dem Druck, einen Orgasmus bekommen zu müssen, weil ihr Mann den Sex häufig nur toll findet, wenn die Frau zum Höhepunkt kommt, denn er möchte oft nicht nur Sex, sondern auch das Gefühl haben, als sei er der Tollste im Bett. Ein weiteres Dilemma für die Frau, denn wer unter Druck steht, einen Orgasmus haben zu müssen, der ist im Kopf nicht frei und bekommt erst recht keinen.

Ich habe Frauen kennengelernt, die 30/40/50 Jahre alt waren und beim Sex mit ihrem Partner noch nie oder nur selten einen Orgasmus hatten, diesen aber oft vortäuschten. Allein, dass die Partner den Frauen den oft vorgetäuschten Orgasmus abkaufen, zeigt, wie wenig Ahnung sie von weiblicher Sexualität haben. Diese Frauen haben sich jedoch bei mir in der Mehrzahl nicht darüber beschwert, dass sie nicht zum Höhepunkt kamen, denn Frauen können auch schöne Sexualität ohne Höhepunkt erleben, sondern darüber, dass sie beim Sex nicht in ihren Gefühlen, Empfindungen und Sehnsüchten aufgefangen wurden, was ihnen wichtiger gewesen wäre als irgendwelche Orgasmen. Mal davon abgesehen, dass dies oft genau der Grund ist, warum die Frauen dann auch nicht zum Orgasmus kommen: eben weil sie nicht in dieser Form aufgefangen, nicht „abgeholt“, werden.

Selbst wenn es nicht nur ein „rein-raus“ ist (und darauf liegt der Fokus leider meist), treffen die meisten Partner die richtigen Punkte bei den Frauen nicht. Es herrscht sehr oft eine große Ahnungslosigkeit über die Anatomie der Frau. Und die Anatomie der Frau ist übrigens kein Staatsgeheimnis. Es gibt nicht 10.000 verschiedene wichtige Punkte, sondern genau genommen nur wenige, die trotzdem nicht getroffen werden. Das zeugt davon, dass mangelndes Interesse an dem besteht, was der eigenen Frau gut tut, denn es ist wirklich nicht schwer, das herauszufinden. Den Berichten der Frauen zufolge wird es dennoch häufig nicht herausgefunden. Dass dies in so vielen Partnerschaften scheinbar nicht herausgefunden wird, legt den Verdacht nahe, dass es größtenteils nur um die Lust und die Befriedigung des Mannes geht. Die Berührungen an der Frau sind nur pro forma, um einfach irgendetwas getan zu haben, sie sind aber nicht gezielt auf die Empfindungen und Gefühle der Frau ausgerichtet. Das scheint vielen zu anstrengend zu sein. Ich kann mir nicht erklären, an was es sonst scheitern sollte. Es geht hier ja nicht darum, schwierige mathematische Gleichungen zu lösen. Es geht schlicht darum, eine Frau zur richtigen Zeit an den richtigen Stellen mit der nötigen Sensibilität zu berühren. Diese einfache Sache scheint für viele wie ein hochkomplexes, unlösbares Rätsel, wofür man einen IQ von 160 aufwärts zu benötigen scheint.

Das Problem ist einfach: viele Männer denken nur an Penetration, an Penetration und nochmal an Penetration. Sex wird gleichgesetzt mit Penetration. In unserer Gesellschaft wird das letztlich auch so vermittelt. Viele Männer sowie auch Frauen sind in dieses Schema sozialisiert. Ohne Penetration sei es kein richtiger Sex, hört man oft. Es geht so weit, dass viele sogar planlos sind, wenn es darum geht, etwas anderes zu tun, als die Frau zu penetrieren. Vor allem den Frauen macht diese rein-raus Penetration oft überhaupt keinen Spaß, ganz im Gegenteil, aber den Weg, es anders zu machen, den kennen sie häufig nicht oder der Partner hat keine Lust darauf, weil er nur penetrieren will.

Auch wenn wenige es aussprechen, so ist es doch so, dass die Penetration für die meisten Frauen in gewissem Maße oder Zeitpunkten häufig schmerzhaft ist und die aller wenigsten Frauen durch Penetration zum Orgasmus kommen. Das ist auch erwiesen worden. Vortäuschen tun ihn allerdings viele.

Es wird immer so getan, als sei der weibliche Orgasmus ein Rätsel sondergleichen und nahezu nie oder so schwer zu erreichen. Wenn man nur auf die Penetration abstellt: in der Tat, dann ist das schwer. Viele Frauen finden einiges schön, wozu oftmals aber die Penetration gerade nicht gehört. Sie dulden diese, „weil es halt dazu gehört“, weil es von ihnen erwartet wird, aber Leidenschaft und wirkliche Hingabe erfahren viele durch ganz andere Sachen. Die Penetration ist dabei oft störend und macht die Empfindungen der Frau, die zum Orgasmus führen können, wieder zunichte. Es ist also ein Irrglaube zu denken, ohne Penetration wäre es kein richtiger Sex. Es gibt beispielsweise Berichte sowie Studien darüber, dass der Sex zwischen zwei Frauen häufig der bessere Sex ist. Einerseits wissen Frauen, worauf es Frauen ankommt, andererseits besteht aber auch einfach dieser Druck der Penetration durch den männlichen Penis nicht, die beim Sex zwischen Mann und Frau nahezu immer im Vordergrund steht. Die Schwerpunkte liegen woanders. Was möchte ich damit sagen? Viele Männer müssen lernen, beim Sex mit ihren Frauen ihre Schwerpunkte anders zu setzen, ansonsten wird das nie was werden.

Es ging in diesem Text um die Sexualität von Frauen in heterosexuellen Partnerschaften, jedenfalls um jene, wie sie (natürlich nicht immer, aber) oftmals stattfindet und ich immer wieder davon höre. Ich schreibe hier bewusst „heterosexuell“, denn es geht auch anders. Viele Frauen fühlen sich zu anderen Frauen hingezogen, verbieten sich diese Gefühle aber oftmals. Sie können es nicht zulassen, weil sie denken, dass sie es nicht zulassen dürfen, denn Homophobie ist immer noch weit verbreitet. Sie geben sich die persönliche Erlaubnis nicht, ihre Gefühle werden verdrängt. Häufig kommen sie nicht einmal zu der Vorstellung, dass es eine Option wäre, weil es gesellschaftlich nicht als Option dargestellt wird und vor allem auch durch die heterosexuellen pornografischen Darstellungen sowie durch die heteronormative Welt von dem Bewusstsein der Frauen vollständig wegradiert wird. Es geht nicht darum, gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen. Es geht um EUCH. Liebe Frauen, die ihr das hier lest, wir leben im Jahr 2021, man kann in Deutschland mittlerweile auch eine gleichgeschlechtliche Ehe eingehen, also lasst euch von irgendwelchen gesellschaftlichen Tabuisierungen, die völlig fehl am Platz sind, bitte nicht beeindrucken. Gilt natürlich ebenso für die Männer, die hier mitlesen!

Achtet doch bitte auf die Menschen, die ihr angeblich liebt und mit denen ihr in einer Partnerschaft seid. Beschäftigt euch einfach mit den Gefühlen des anderen und bitte verbannt die ganzen Porno-Szenen aus euren Köpfen, denn das ist nur eines: eine Katastrophe. Damit kann es nicht besser, sondern nur schlechter werden. Es ist traurig, dass Jungs und Mädchen mit dieser Porno-Industrie aufwachsen (auch ich bin darin aufgewachsen), denn sie lernen es als normal kennen, wenn Sex weh tut, wenn Sex mit Schmerzen und Demütigung verbunden ist, dass der Mann zum Orgasmus kommen muss, während die Frau letztlich „nur Mittel zum Zweck“ ist. Was sie nicht sehen und erfahren können ist, wie schöne und respektvolle Sexualität zwischen zwei Menschen wirklich aussieht. Vielen Frauen, die nichts anderes kennen und die daher oft auch keine anderen Vorstellungen davon haben, wie es schön sein könnte, bleibt diese Erfahrung häufig Jahre, Jahrzehnte oder auch ein Leben lang versperrt.

Und noch eine Sache: eine gute und liebevolle Partnerschaft definiert sich für die meisten Frauen nicht über Sex. Unsere Gesellschaft ist total übersexualisiert. Eine gute und langfristige Partnerschaft definiert sich für sie über Vertrauen, respektvollen Umgang, Fürsorge, Achtung, eine gute Kommunikation, gemeinsame Interessen, gemeinsame Unternehmungen, etc. In vielen Partnerschaften herrscht dieser Druck nach dem Motto „Jetzt wird es aber mal wieder Zeit, jetzt müssen wir mal wieder Sex haben, denn in einer Partnerschaft muss man Sex haben“. Gar nichts müsst ihr. Ihr habt Sex, wenn ihr BEIDE Lust drauf habt, aber doch bitte nicht nach dem Kalender. Sex ist kein Friseurbesuch, den man plant und tätigt, sondern eine intime Sache.

Dieser Text lag mir auf dem Herzen für ein paar Frauen da draußen und ich musste einmal zusammenfassen, was ich immer wieder höre und was in dieser Gesellschaft in vielen Beziehungen leider Alltag ist.

6 Kommentare

  1. Dein Text macht mich wirklich nachdenklich…ich selber habe das „Glück“ einem sehr liebevollen Mann zu haben, der eigentlich immer mehr darauf bedacht ist, dass es mir gut gefällt und ihm eigentlich schon wichtiger ist. Ich habe aber auch zwei (noch kleine Söhne), und dieser ungehinderte Zugang zu Pornografie macht mir Sorge, weil man es offensichtlich als Eltern auch nicht verhindern kann. Sie sollten diese typischen Porno-Klischees (richtiges Wort?) nicht als Grundlage für ihre eigene Sexualität- und später auch die ihrer Partnerin oder Partners – verinnerlichen. Ich bin leider ratlos wie ich dem ab einem bestimmten Alter wirklich entgegenwirken kann…

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    1. Ja, es ist schwierig. Es ist ein toxischer Kreislauf. Jungs und Mädchen werden von beiden Seiten durch diese Pornos geprägt. Jungs bekommen die eine Rolle, die Mädchen die andere Rolle verpasst. Selbst wenn man die eigenen Kinder gut erzieht, so hat man dennoch keinen Einfluss drauf, mit „welchem Material“ sie außerhalb des Elternhauses konfrontiert werden. Ich glaube, da hilft nur immer wieder miteinander reden und versuchen, gut aufzuklären. Und sich einsetzen für einen Richtungswechsel 🙂

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      1. Mittlerweile versinken wir schon wieder im Matsch. Der wird aber relativ schnell trocknen und dann bricht die nächste Jahreszeit an… die Mückensaison!! 😆
        Liebe Grüße zurück nach Südost über den Atlantik! ❤

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  2. Danke für diesen Beitrag. Als Mann war es mir immer wichtig nicht so zu sein wie die anderen Männer. Nach vielen Jahren merke ich aber immer mehr wie destruktiv auch ich geprägt wurde. Und wie sehr auch meine sehr auf Emanzipation bedachte Partnerin. Ich persönlich hätte mir gewünscht sie hätte mir von sich aus oder auf Nachfrage klarer sagen können was sie sich wünscht und was ihr gefällt. Oder hätte dahingehend selber häufiger mal die Führung übernommen. Viele Frauen wissen aber nicht was sie sich sexuell wünschen und tun sich schwer das zu kommunizieren. In dem Zusammenhang finde ich es auch erschreckend und schade wie viele Frauen noch immer so wenig Erfahrung mit Selbstbefriedigung haben. So als müsse Lust immer mit einem Mann verknüpft sein um nicht irgendwie anrüchig zu sein. Hier machen sich leider auch Frauen immer wieder viel zu abhängig von Männern. Für die Lust einer Frau verantwortlich zu sein wenn diese ihre Lust selber kaum kennen und kultivieren gelernt hat kann für einen Mann sehr druckvoll und überfordernd erlebt werden. Ich persönlich freue mich wenn Frauen sich aus der Unterwerfung lösen, wenn sie ihre(!) Lust und Sexualität befreien und leben. Das ist auch für mich als Mann viel spannender und schöner. Unsere (Vorstellung von) Lust ist schließlich auch deshalb so beschränkt weil wir oft einfach nicht wissen wie viel schöner es eigentlich sein kann.

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