Prostitution & Vergewaltigung

Prostitution als empowernde und problemlose „Sexarbeit“? Hierbei wird immer ausgeblendet, wie enorm hoch vor allem die sexuellen Gewalterfahrungen in der Prostitution sind, u.a. Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe. Natürlich gibt es auch diverse andere Übergriffe, aber mir geht es nachfolgend nun vor allem um sexuelle Gewalt. Ja, Profiteure der Sexindustrie (ob sie nun unmittelbar oder mittelbar profitieren) leugnen das, sie wollen die heile Glitzerwelt der Prostitution aufrecht erhalten, um ihren Profit zu schützen. Das ändert aber nichts an den hohen sexuellen Gewalterfahrungen in der Prostitution, wozu es im Übrigen auch Studien gibt, die dies belegen. Junge Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen, haben ein Recht darüber aufgeklärt zu werden, um gewarnt zu sein, anstatt die Schleife der ewigen Verharmlosungen und Bagatellisierungen von Prostitution zu hören!

Reden wir also Klartext: Prostitution ist der Garant dafür, schwere sexuelle Gewalterfahrungen zu machen.

Die Wahrscheinlichkeit, in der Prostitution vergewaltigt zu werden oder anderen sexuellen Übergriffen ausgesetzt zu sein, ist enorm hoch. In der Prostitution finden oft Vergewaltigungen sowie auch andere sexuelle Übergriffe gegen die Frauen statt. Hinter verschlossenen Türen. Sie bleiben meist ungeahndet. Manche Freier sowie auch andere Personen sind der Ansicht, eine prostituierte Frau könne man gar nicht vergewaltigen, man habe sie schließlich für den Geschlechtsverkehr bezahlt. Dies ist natürlich, auf gut Deutsch gesagt, totaler Quatsch. Unabhängig davon, dass Prostitution an sich für die meisten Frauen eine sexuelle Gewalterfahrung darstellt und schwer traumatisierend ist, sie die erlebte und gefühlte Gewalt aus Schutzgründen heraus aber meist leugnen müssen, sind Vergewaltigungen selbstverständlich auch in der Prostitution möglich und finden dort auch zahlreich statt. Das Problem ist allerdings: wer glaubt schon einer prostituierten Frau, die erzählt, sie sei vergewaltigt worden? Diese Frage schwebt in den Köpfen vieler der Frauen herum und ist einer der Gründe, warum viele nicht anzeigen. Sie schämen sich eh schon für ihr Leben und ihr ganzes Dasein und dann noch die mögliche Gefahr in Kauf nehmen, dass man von einer Vergewaltigung erzählt, die einem keiner glaubt? Will man das? Nein, es ist das Letzte, was man in dieser Situation braucht.

Frauen in der Prostitution wird sowieso oft eher wenig Glauben geschenkt, sie stehen am Rand der Gesellschaft und – seien wir mal ehrlich – sie gelten in vielen Augen als etwas Unwertes. Auch wenn es nicht alle so direkt aussprechen, denken tun es dennoch viele, unterschwellig schwingt es oft mit. Ich möchte hier mal ganz direkt werden, als was prostituierte Frauen häufig gesehen werden: als billige Schlampen, die es halt so wollen. Das ist es doch, wie viele über sie urteilen, während sie ignorieren, was die Frauen in der Prostitution äußerlich und innerlich durchmachen, welche Prozesse da wirken, welche Zwänge und Abhängigkeiten. Erst wenn es um die eigene Tochter gehen würde, würden sie anfangen umzudenken und den Menschen hinter der prostituierten Frau zu sehen. Alles andere ist für viele zu weit weg, um ernsthaft Empathie und Verständnis aufbringen zu können und zu wollen. Traurig, aber leider wahr.

Frauen in der Prostitution erleben häufig sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen, weil sie oft nicht in der Lage dazu sind, sich zu wehren. Sie können oft nicht richtig kommunizieren, weil sie die Sprache nicht richtig verstehen, sind nicht aufgeklärt über ihre Rechte, denken, sie müssen alles mit sich machen lassen, wenn der Freier das Geld auf den Tisch gelegt hat, sind zu geschwächt, um sich zu wehren, etc. Viele Freier nutzen die mannigfaltigen Probleme der Frauen und ihre Unsicherheiten aus, vor allem bei unerfahrenen, ausländischen jungen Frauen. Sie ziehen beim Geschlechtsverkehr beispielsweise das Kondom ab, sie machen Dinge, die vorher nicht ausgemacht waren, werden teilweise auch anderweitig gewalttätig, um „ihre höchste sexuelle Befriedigung zu finden“. Und nein, diese Frauen zeigen meist nicht an. Auch ich hatte Situationen, wo Freier meine für sie definierten Grenzen überschritten haben und ich mich in manchen Momenten nicht dagegen wehren konnte, weil derjenige stärker war als ich. Ich kann mich an dieses Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit (leider) gut erinnern, wenn einem auf einmal die Kontrolle über das Geschehen und den eigenen Körper vollkommen entzogen wird und man merkt, nichts dagegen tun zu können. Ja, Prostitution ist für die meisten per se eine sexuelle Gewalterfahrung, denn der Geschlechtsverkehr bleibt trotz Einwilligung innerlich ungewollt und ändert nichts an den eigenen Gefühlen wie Ekel, Abscheu, etc., aber eine Vergewaltigung oder einen anderen sexuellen Übergriff während der Prostitutionsausübung zu erfahren, das ist natürlich nochmal eine andere Sache.

Unter anderem dies sind der Prostitution inhärente Risiken. Gefahren, die sich jenseits der für die meisten Frauen sowieso schon traumatisierenden Prostitution an sich nicht selten realisieren, über die zwar mittlerweile vermehrt, aber immer noch zu wenig gesprochen wird. Vor allem die ausländischen jungen Frauen sind es häufig gewohnt, so behandelt zu werden und dies ständig zu ertragen. Kurzum: für sie ist es normal geworden, nicht „nur“ prostituiert zu werden, sondern häufig auch anderen sexuellen Übergriffen ausgesetzt zu sein, die oft eine Vergewaltigung darstellen.

Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt spielen allerdings nicht nur zwischen prostituierter Frau und Freier eine Rolle, sondern häufig auch zwischen prostituierter Frau und ihrem Zuhälter.

Zuhälter versuchen regelmäßig, den Willen „ihrer“ Frauen zu brechen, sodass diese zu den „freiwilligen“ Prostituierten werden, die sie haben möchten, sodass die Frauen die Prostitution und die damit verbundene und ggf. noch hinzukommende sexuelle Gewalt hinnehmen „ohne zu jammern“, still halten, am besten auch noch lächeln. Um dies zu erreichen werden die Frauen vor der Prostitution oft von ihrem Zuhälter oder ihm zugehörigen Leuten sexuell missbraucht oder vergewaltigt. Danach wehren sich die Frauen meist nicht mehr, weil sie dadurch gebrochen wurden. Sie können in der Prostitution sein, weil man sie kaputt gemacht hat, ihren Willen gebrochen hat.

Sexuelle Gewalt zu erfahren kann Menschen brechen und tut dies sehr oft. Der Wille eines Menschen kann hierbei brechen, sodass er sich nicht mehr wehrt, sodass er es eben erträgt, weil er dadurch auf einmal leer ist, traumatisiert ist, schwach ist, willenlos ist, sich dreckig und wertlos fühlt. Je mehr sexuelle Gewalt erfahren wird, desto schwieriger kann es für die Betroffenen werden, die Gewalt von sich abzuwehren. Das ist ein (von Zuhältern oft bewusst geschaffener) Teufelskreis, aus dem die Frauen allein oft nicht mehr rauskommen.

Freier, Zuhälter sowie alle anderen, die von der prostituierten Frau aufgrund ihrer Prostitution profitieren, profitieren also letztlich auch von den Mechanismen und Auswirkungen sexueller Gewalt, die die Frau erfahren hat. Sie profitieren davon, dass sie gebrochen wurde.

All dies sind Gefahren und es gibt noch weitaus mehr, über die junge, heranwachsende Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen als größte Betroffenengruppe, nicht aufgeklärt werden, wenn es um das Thema Prostitution geht. Vor allem junge Menschen haben aber ein Recht darauf, über die Realität und die Gefahren in der Prostitution umfassend aufgeklärt zu werden, sodass sie ausreichend gewarnt sind! Dies geschieht noch viel zu wenig, stattdessen liest man immer noch viel zu viel Verharmlosungen, obwohl es diverse Studien gibt, die die hohen, vor allem sexuellen, Gewalterfahrungen in der Prostitution belegen.

Möchte hier jemand, dass seine Tochter, Schwester, Enkelin, Nichte, Freundin oder sonst geliebte Person in dieses Gewaltsystem abrutscht und derartige sexuelle Gewalterfahrungen machen muss? Nein? Dann klärt bitte mit auf, denn es kann letztlich jeden treffen und es sollte eigentlich niemanden treffen. Es fängt schon damit an, im Freundes- und Bekanntenkreis aufzuklären und so das Thema weiterzutragen. Mittlerweile gibt es viele, viele Menschen, die darüber aufklären. Jeder weitere Mensch ist wichtig.

Hier ein Auszug der Untersuchung des Bundesfamilienministeriums zu erlebter sexueller Gewalt von Frauen in der Prostitution:

„Wenn wir die Angaben zu erlebter sexueller Gewalt auf alle befragten Frauen prozentuieren, die in der Itemnachfrage überhaupt Angaben gemacht haben, ergibt sich im Überblick, dass:

21% der von uns befragten Prostituierten Vergewaltigung im Kontext der Ausübung sexueller Dienstleistungen erlebt haben

17% versuchte Vergewaltigung

10% Zwang zu intimen Körperberührungen

17% Zwang zu anderen sexuellen Praktiken

3% Zwang zum Nachspielen von Pornographie

insgesamt 27% hatten mindestens eine dieser sexuellen Gewalthandlungen im beruflichen Kontext erlebt, die Hälfte davon ein bis zwei, die andere Hälfte drei und mehr der genannten Handlungen.

Wenn wir alle Nennungen von Gewalthandlungen sexueller und körperlicher Gewaltzusammennehmen, die von den Befragten in beiden Itemlisten im Kontext der Ausübung sexueller Dienstleistungen benannt wurden, dann ergibt sich, dass insgesamt 45 der von uns befragten 110 Frauen schon einmal sexuelle oder körperliche Übergriffe im Zusammenhang mit der Ausübung sexueller Dienstleistungen erlebt haben; das entspricht einem Anteil von 41% aller Befragten. Diese Werte zeigen ein hohes Maß an Gewaltbetroffenheit bei der Ausübung prostitutiver Tätigkeiten auf. Sie liegen jedoch deutlich unter den Werten, die in anderen Studien genannt wurden. So kam eine neuere Untersuchung von Zumbeck (2001) in Hamburg zu dem Ergebnis, dass 81% der Befragten sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren; im Zusammenhang mit der Prostitution hatten 61% der Frauen Vergewaltigungen erlebt, und 70% sind körperlich angegriffen worden. Eine weitere Studie von Farley/Barkan (1998), in der 130 weibliche, männliche und ‚transgendered‘ Prostituierte befragt wurden, ergab, dass 68% der befragten Prostituierten während der Arbeit Vergewaltigungen erlebt haben48% der Betroffenen wurden sogar mehr als fünfmal vergewaltigt (bei 46% war der Täter ein Freier). Gezwungen worden zu sein, Pornographie nachzuspielen, gaben in dieser Studie 32% der Befragten an und 88%, im Kontext der Prostitution körperlich bedroht worden zu sein. Ob diese im Vergleich zu unserer Untersuchung deutlich höheren Werte auf unterschiedliche Gewaltprävalenzen oder auf unterschiedlich stark aufgedeckte Dunkelfelder, oder aber auf Unterschiede in den Gewaltdefinitionen, Untersuchungszugängen, -methoden oder Stichprobenzusammensetzungen zurückzuführen sind, kann anhand der dazu vorliegenden Informationen nicht entschieden werden. Es ist aber davon aus-zugehen, dass die Daten wegen der sehr unterschiedlichen methodischen Grundlagen nicht direkt vergleichbar sind. Wenn wir noch einmal anhand unserer Untersuchungsergebnisse differenzierter betrachten, welche TäterInnen die befragten Frauen, die körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt haben, in der Kategorie „Personen aus Arbeit, Ausbildung und Schule“ konkret benannten, dann zeigt sich, dass Freier die mit Abstand am häufigsten benannte Tätergruppe bildeten: 26 Frauen gaben diese als Täter bei körperlicher und 23 als Täter bei sexueller Gewalt an, wobei diese Zahl noch ansteigt, wenn auch die Nennung Kunde/Kundin mit einbezogen würde, die vermutlich auch Freier mit umfasst. Insgesamt hatten jeweils 70% bis über 77% der Frauen, die angaben, durch TäterInnen im Arbeitskontext körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt zu haben, gewaltsame Übergriffe durch Freier erlitten.

Quelle: https://www.bmfsfj.de/resource/blob/84328/3bc38377b11cf9ebb2dcac9a8dc37b67/langfassung-studie-frauen-teil-eins-data.pdf S. 69/70

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